Experte erklärt: So wird in U14 und U16 gescoutet

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Früh übt sich! Und früh muss sich beweisen.

Ob eine angehende Eishockey-Karriere den richtigen Weg einschlägt, entscheidet sich oft bereits im jungen Teenager-Alter. Allerdings müssen die Scouts auf ganz andere Dinge Wert legen, wollen sie das Talent eines Nachwuchs-Spielers richtig bewerten.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller, seit vielen Jahren als Scout tätig, beschreibt genau, wie die Beobachtung der U14- und U16-Spieler in Österreich funktioniert.

So läuft es bei der U14 ab

14 Teams (alle aus Österreich, in zwei Regional-Gruppen), davon RB Salzburg und Okanagan/Vienna Tigers mit jeweils zwei Mannschaften

Ich beginne meinen Blick durch das österreichische Eishockey immer mit den 13-Jährigen, das ist aktuell der Jahrgang 2005. Die Gründe dafür: Erstmals werden hier Spieler in Nationalteams zusammengefasst, wenn auch nur in drei Regional-Auswahlen. Dazu kommt, dass mit 14 Jahren die erste größere Mobilitätswelle einsetzt, ein Schulwechsel ansteht, Spieler ihren Heimatverein verlassen und etwa zu einer Akademie wie nach Salzburg wechseln.

Hockey-Sense steht hier im Vordergrund – wie sehr hat ein Spieler schon eishockey-spezifische Stärken intus? Sieht er das Eis gut, weiß er, wann er das Tempo anziehen oder es kurz rausnehmen kann? Ist ein Verteidiger in der Lage, gegen einen Forechecker noch abzudrehen und dann erst einen Pass zu spielen? Weiß ein Spieler seine Skills für das Team oder nur für sich einzusetzen?

Die guten Spieler springen dir sofort ins Auge, große Details sind hier gar nicht gefragt. Puckskills sind unerlässlich, dazu kommt eben noch der Eishockey-Verstand. Sehr selten, dass Spieler mit großen Defiziten hier in späteren Jahren an die Spitze kommen, umgekehrt bleiben die Top-Cracks hier auch später meist noch die Jahrgangsbesten. Was das aber im großen Ganzen bedeutet, ist meist noch unklar und wird auch erst im internationalen Vergleich sichtbar.

Körperliche Attribute noch nicht entscheidend

Was sich im späteren Alter dann abschleift, macht hier oft noch den Unterschied: Einige Spieler sind riesengroß, andere dagegen richtige Zwergerl. Die großen Spieler können wegen ihrer Reichweite dadurch oft dominieren oder zumindest gut mithalten – da tappt man als Scout leicht in die Falle, diese Spieler überzubewerten, was man ein oder zwei Jahre später bereut.

Andrerseits braucht das österreichische Eishockey auch große Spieler, im internationalen Vergleich sind unsere Nationalteams immer noch sehr klein. Daher tue ich mich auch schwer, große Spieler zu kritisieren, wenn sie linkisch auftreten, das bringt der Wachstumsprozess halt für sich. Ein Mindestmaß an Hockeysense und Puckskills muss aber vorausgesetzt werden.

Die Körpergrößen und Gewichte sind hier ohnehin nur schwer festzuhalten, ich begnüge mich damit, die Spieler in Kleidergrößen von "XS" bis "XL" zu kategorisieren. Leider überwiegen die kleinen Größen, einige Spieler (ich denke da an die Maxa-Brüder) machen dann aber spät einen Wachstumsschub durch.

Österreich - das Asien Europas

Auch wenn das Eishockey bei Graduierung dieser Jahrgänge wohl endgültig körperlos sein wird: Bei gleicher Begabung und Schnelligkeit spielt die größere Reichweite immer eine Rolle und da ist Österreich leider zu oft das Asien Europas.

In puncto Eislaufen geht es vor hier vor allem um die richtige Technik, schlechte Angewohnheiten (X-Beine, zu kurze Schritte, etc.) fallen hier ins Auge. Zu wenig Kraft in den Beinen ist dagegen kein großes Problem, das kann in späteren Jahren ausgeglichen werden. Auch ein "One-Gear Skater" (immer im gleichen Tempo unterwegs) wird hier nicht automatisch angezählt, auch wenn ich das im Report festhalte.

Extreme Speedster stechen sofort ins Auge – ich habe vor kurzem erst über einen 2007 geborenen Spieler einen Report verfasst. Er war natürlich winzig klein, seine ersten Schritte aber extrem gut.

Einseitige Spiele sind hier wie auch in späteren Jahrgängen ein großes Problem – nichts lähmt mehr, als wenn ein Team das Score mühelos hinauftreibt. Da ist mir sogar ein Spiel zweier schlechter Teams gegeneinander lieber.

Ich rechne bei den meisten Teams mit drei Blöcken, zu oft sind es aber weniger, was auch bezeichnend für den österreichischen Spielermarkt ist. Legionäre (gibt es hier aber nur sehr selten) und Mädchen (dürften wie in der U16 noch ein Jahr älter spielen) streiche ich natürlich schon vor Spielbeginn aus.

So läuft es bei der U16 ab

11 Teams (alle aus Österreich, in zwei Regionalgruppen)

Die Anzahl der Teams beweist, wie dünn die Eishockey-Suppe in Österreich ist – so viele Mannschaften finden sich in einem Stadtteil von Helsinki oder Stockholm wieder...

Immer öfter finden sich hier schon U14-Spieler wieder, vor allem in Teams mit größerem Spielerangebot wie etwa Wien oder Klagenfurt. Nicht allen gelingt es, hier schon groß aufzuzeigen, für einen faireren Eindruck wären Spiele gegen die Altersgenossen oft sinnvoller. Allerdings dominieren sie dort wieder nach Belieben - eine Art Zwickmühle.

Spieler aus "normalen" Jahrgängen (das wären heuer 2003 und 2004) überprüfe ich auf ihre Entwicklung, sowohl spielerisch als auch geistig. Wie verkraften sie den Übergang vom Kinder- zum Jugendlichen-Eishockey? Sind die Beine besser geworden, die Pässe schärfer, die Entscheidungen schneller? Sind Torhüter (immer eine eigene Spezies) athletisch und/oder stilistisch ausgereift? Haben sich die körperlichen Vorteile bei großen Spielern abgeschliffen oder sind diese immer noch evident?

Positionsveränderungen noch möglich

Am internationalen Niveau gibt es keine Regionalauswahlen mehr, allerdings ist das U15-Turnier aus geografischen Gründen doch noch etwas zweigeteilt: Coach Robert Moser hatte nach Weihnachten im slowakischen Poprad Spieler aus dem Osten, jetzt in Mannheim Spieler aus dem Westen aufgeboten.

Die U16 unter Gregor Baumgartner ist immer überregional aufgestellt, neben einem gewissen Kaderkern wechselt er aber Kandidaten durch. ÖEHV-Sportchef Roger Bader mahnt immer "jahrgangsreine" Teams (=keine Underager) ein, einzelne Ausnahmen dürfen aber doch gemacht werden.

Eine Diskussion, die unter Nachwuchs-Coaches anhält: Hilft man den Spielern damit, wenn man ihnen Nationalspieler-Status vorgaukelt (etwa in den drei regionalen U14-Teams mit insgesamt an die 80 Spieler) oder gehört das zum professionellen Selektions-Mechanismus? Denn selbst in höheren Altersstufen, die sich (zumindest) aus zwei Jahrgängen zusammensetzen, ist der Tenor der Auswahltrainer meist der gleiche: Bei guten Teams stehen zwei gute Blöcke zur Verfügung, bei sehr guten sogar etwas mehr. Bei schlechten Jahrgängen kann der Kaderkern dagegen noch geringer ausfallen. Die Ergänzungsspieler, die auf internationalem Niveau keine Rolle spielen, sind dann reine Geschmackssache, die Nationalteam-Coaches vertrauen hier oft auf Spieler, die sie aus ihren Klubteams kennen.

Die U16 ist auch meist die letzte Altersstufe, wo die Positionen nicht ganz eingefroren sind. Einige Cracks springen hier noch zwischen Angriff und Verteidigung herum, das kommt aber natürlich in der U14 noch öfters vor und ist grundsätzlich auch eine gute Sache. Vereinzelt passiert das auch in späteren Jahren, so wurden etwas Luis Lindner (Salzburg) und Timo Pallierer (Capitals) dem internationalen Trend gemäß in läuferisch starke Verteidiger umgewandelt. Umgekehrt kommt das eher selten vor. Der jetzige Linzer Paul Koudelka als Ausnahmebeispiel war beim U17-Nationalteam noch ein Defender, danach aber ein Stürmer.

Textquelle: © LAOLA1.at

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