Im September 2023 durfte der Rechtsschütze am Rookie Camp teilnehmen, sich damit früh für den NHL-Kader empfehlen. Reinbacher überstand den ersten Cut, erhielt im ersten NHL-Testspiel der Canadiens direkt seine erste Chance - und verbuchte einen Assist.
Trotzdem kam der Sprung auf die große Bühne noch zu früh, Montreal verlieh ihn zurück zum Schweizer Klub EHC Kloten, für den Reinbacher seit dem Nachwuchs auflief.
Der erste Rückschlag
Die Saison 2023/24 verlief holprig.
Reinbacher verpasste die gesamte Saisonvorbereitung, stieg erst drei Wochen nach Liga-Beginn ein. Nach einer im dritten Saison-Einsatz erlittenen Knieverletzung fiel der Vorarlberger knapp drei Wochen aus, hatte in weiterer Folge mit Nachwehen zu kämpfen.
Nach seinem Comeback wurde Trainer Gerry Fleming, der später die Vienna Capitals coachte, entlassen. Ende Jänner folgte der nächste Trainerwechsel, Kloten beendete den Grunddurchgang der National League schließlich als Vorletzter.
Doch Reinbacher erblickte einen Schimmer am Horizont.
Die ersten Spiele in Übersee
Die Canadiens beorderten ihn Mitte März zurück nach Kanada. In der American Hockey League (AHL) sollte Reinbacher beim Farmteam Laval Rocket seine ersten offiziellen Einsätze auf nordamerikanischen Eis bestreiten.
Sein Debüt gelingt famos, er traf zum zwischenzeitlichen 2:2 und schoss Laval in die Overtime. Dort erzielte Logan Mailloux den Gamewinner.
"Ich bin froh, dass ich ein Tor geschossen habe, aber das beste Gefühl ist, dass wir gewonnen und wichtige Punkte für die Playoffs geholt haben", blieb Reinbacher nach seinem Premierentreffer bescheiden.
Einen Platz in der Postseason erreichte Laval letztlich nicht, für den Lustenauer tat sich die nächste Hürde auf. Er zog sich im letzten Grunddurchgangsspiel eine Handverletzung zu, konnte Österreich damit nicht bei der WM 2024 verstärken.
Die Horror-Diagnose
An der Olympia-Qualifikation in Bratislava nahm Reinbacher dafür teil, spielte sich mit starken Leistungen weiter in die Auslage.
Die Canadiens luden ihn erneut ins Rookie Camp ein, gaben ihm damit eine weitere Chance, sich in den NHL-Kader zu spielen. Diese Hoffnung zerschlug sich allerdings rasch.
Im Preseason-Spiel gegen die Toronto Maple Leafs humpelte Reinbacher nach einem vermeintlich harmlosen Zweikampf an der Bande früh vom Eis. Die Diagnose war niederschmetternd: eine äußerst komplizierte Meniskusverletzung bedeutete eine fünfmonatige Zwangspause.
Der Nationalspieler war einen Großteil der Spielzeit 2024/25 zum Zusehen verdammt. Er nutzte die unfreiwillige Auszeit, nahm an etlichen Video-Meetings Montreals teil, arbeitete gleichzeitig an seiner körperlichen Form.
Großes Lob nach monatelanger Pause
Sein Comeback bestritt der Defender Ende Februar in Laval, er fasste schnell wieder Fuß.
"Wir sind wirklich sehr beeindruckt von ihm."
Das Verletzungspech klebte ihm allerdings an den Fersen, nach sechs Einsätzen musste der Österreicher wieder für drei Spiele aussetzen. Der Abwehrspieler kehrte für zwei Partien zurück, nur um mit einer neuerlichen Knieverletzung fast ein Monat auszufallen.
Zuvor heimste Reinbacher großes Lob von Head Coach Paul Vincent ein: "Wir sind wirklich sehr beeindruckt von ihm. Er ist in der Lage, Dinge, die wir normalerweise nur in Videos sehen, sofort umzusetzen. Das ist ziemlich beeindruckend."
Für die Playoffs wurde der kräftige Defender rechtzeitig fit, zeigte mit ansprechenden Performances auf. Laval scheiterte jedoch im Rennen um den Calder Cup im Halbfinale an den Charlotte Checkers.
Wieder verletzt
Eine weitere Offseason verging, es wartete das mittlerweile gewohnte Spiel auf ihn.
Einladung zum Rookie Camp, diesmal mit Landsmann Vinzenz Rohrer an der Seite. Beiden gelang der Sprung ins Trainingscamp, doch wieder verpufften seine NHL-Ambitionen mit einem Schlag.
Erneut passierte in einem Testspiel gegen die Toronto Maple Leafs eine Verletzung, Reinbacher brach sich den Mittelhandknochen. Die Ausfalldauer betrug diesmal "nur" fünf Wochen.
Kritiker schreiben Reinbacher ab
Es war seine fünfte schwerwiegendere Verletzung seit dem NHL-Draft 2023. Das nagte am Selbstvertrauen des Rechtsauslegers, der bis dorthin insgesamt nur 74 Pflichtspiele absolvieren konnte.
Wie sollte es anders auch sein, fühlten sich seine schärfsten Kritiker bestätigt, schrieben Reinbacher als Flop ab und wollten ihn liebend gerne an andere NHL-Teams verhökern, solange er noch etwas Wert besaß.
Die Canadiens stärkten ihm hingegen den Rücken. Sie gaben ihm die nötige Zeit, sein Selbstbewusstsein wieder zu erlangen und somit nicht nur zu alter Stärke zurückzufinden, sondern endlich die nächsten Schritte in seiner Entwicklung zu machen.
Endlich gesund
Nach seinem Comeback startete Reinbacher die Saison 2025/26 wieder in Laval, dort wurde ihm von Coach Vincent Eiszeit in jeglichen Situationen zugesprochen. An den meisten Abenden kratzte oder übertraf das ÖEHV-Talent die 20-Minuten-Marke.
Reinbacher fand zunehmend mehr Konstanz in seinem Spiel, brachte seine Stärken ins System ein, sammelte lehrvolle Erfahrungen. "Es stärkt das Selbstvertrauen, wenn man dort unten viel spielt, in jeder einzelnen Situation, und sich an die Rolle gewöhnt", sagte er dazu.
Vor kleineren Verletzungspausen blieb der Vorarlberger zwar nicht verschont, doch bis zum 12. April verbuchte er 57 Einsätze. Dabei zeigte er mit fünf Toren, 19 Assists auch offensive Ansätze. Seine +18 sind der drittbeste Plus/Minus-Wert Lavals.
Das Blatt wendet sich
Die Grundstimmung ihm gegenüber wurde von Woche zu Woche positiver.
In Medien wurde spekuliert, wann Reinbacher in den NHL-Kader berufen werden würde und sein Debüt in der stärksten Eishockey-Liga geben dürfte. Journalisten und Experten sprachen in höchsten Tönen von ihm, sahen ihn bereit für den Schritt auf die NHL-Bühne.
In Montreal hatte man jedoch keine Eile, ihn hochzuziehen. Reinbacher sollte sich auf seine Entwicklung in Laval fokussieren, vor allem gesund bleiben und weiter eifrig Eiszeit sammeln.
Zudem befanden sich die Canadiens mitten im Playoff-Rennen, lösten ihr Ticket schließlich am 5. April und könnten sogar noch die Atlantic Division gewinnen.
Für Montreal lief alles wie geschmiert. Fast alles.
Der Nutznießer
Bei der 2:5-Niederlage gegen die Columbus Blue Jackets am vergangenen Samstag verletzte sich Verteidiger Noah Dobson am Oberkörper. Sein Status soll erst in zwei Wochen wieder evaluiert werden.
Plötzlich war Montreal zum Handeln gezwungen, da mit Alexandre Carrier ein weiterer Stamm-Verteidiger - und damit der zweite Rechtsschütze in der Defense - aktuell verletzt fehlt.
"Ich sah meinen Vater in Tränen aufgelöst, das hat mich sofort gepackt."
Somit schlug Reinbachers große Stunde. Nach zwei kräftezehrenden Spielen mit Laval am Freitag und Samstag zog ihn die Traditionsfranchise in den NHL-Kader hoch, am Sonntag gastierte Montreal bei den New York Islanders.
Reinbacher stand das dritte Spiel innerhalb von drei Tagen bevor.
Vater mit Tränen in den Augen
Seinen Vater Harald erwischte dies am falschen Fuß. Der ehemalige Eishockey-Bundesliga-Spieler wurde vom Anruf seines Sohnes, der ihm die frohe Kunde mitteilte, überrascht.
Er stieg in Zürich in den nächsten Flieger Richtung New York, erreichte fünf Minuten vor Spielbeginn die UBS Arena der Islanders und verpasste die "Rookie Laps" seines Zöglings. Für die ersten Shifts seines Sohnes auf NHL-Eis war Harald Reinbacher aber rechtzeitig da.
David Reinbacher erzählte nach seinem Debüt: "Ich sah meinen Vater in Tränen aufgelöst, das hat mich sofort gepackt."
Assist krönt tadelloses Debüt
Der Österreicher wurde von Head Coach und Spieler-Legende Martin St. Louis mit dem als Abräumer bekannten Arber Xhekaj zusammengeschweißt, sie bildeten das dritte Verteidiger-Pärchen.
Reinbacher verrichtete tadellose Arbeit. Er agierte sehr solide, ging keine großen Risiken ein, hielt sein Spiel simpel. Bei seinem NHL-Einstand wirkte der Vorarlberger keineswegs überfordert, strahlte viel Ruhe aus.
Beim Treffer zum zwischenzeitlichen 3:0 von Alex Newhook sammelte "Reino" prompt seinen ersten Assist in der National Hockey League. Der Torschütze schnappte sich den Puck, bewahrte ihn für Reinbacher auf. Von St. Louis gab es einen zweiten Puck als Andenken ans Debüt.
Das Spiel beendete der 21-Jährige mit einem Assist, einer +1, zwei Torschüssen und 11:17 Minuten Eiszeit. Die Teamkollegen ehrten ihn nach dem 4:1-Erfolg als besten Performer, dafür bekam Reinbacher einen Wolfskopf-Hut aufgesetzt.
(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)
Les débuts de Reino
— x - Canadiens Montréal (@CanadiensMTL) April 13, 2026
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Wie im Traum
"Es ist wie im Traum gelaufen. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich mit den Jungs spielen und einen Sieg holen durfte", strahlte Reinbacher.
Die Unterschiede zur AHL seien deutlich gewesen. "Es ist alles schneller, die Spieler sind besser und jeder weiß ganz genau, was zu tun ist", schilderte der Vorarlberger.
Und der Weg in die NHL hart. "Ich genieße gerade jede einzelne Minute, realisiere es noch nicht ganz. Ich muss etwas herunterkommen, mir das Spiel nochmal ansehen - und dann wird es mir wahrscheinlich bewusst werden", sagte der Verteidiger.
Nach all den Jahren und Hürden endlich am Ziel seiner Träume angekommen zu sein, lässt ihn den Moment noch mehr genießen. "Das ist für all die Menschen, die mir geholfen haben, hierher zu kommen - es war wunderschön", bedankte sich der Lustenauer.
"Jeder hat seinen eigenen Weg"
"Jeder hat seinen eigenen Weg", betonte Reinbacher. Manche haben es leichter, andere schwieriger.
Aber: "Es ist nur eine Frage der Zeit: Kopf runter, jeden Tag hart arbeiten, und man wird seine Träume verwirklichen. Ich glaube, das habe ich heute geschafft."
Nun sei es an der Zeit, noch härter zu arbeiten. Die Playoffs stehen bevor - und Reinbacher hat Blut geleckt: "Ich will mir hier einen Platz sichern!"