Hintergrund

Was bedeutet Yzermans Detroit-Abgang für Marco Kasper?

Steve Yzerman ist nicht mehr General Manager der Detroit Red Wings. Was wirft man Yzerman vor? Welche Auswirkungen hat der GM-Wechsel auf Marco Kasper? LAOLA1-Experte Bernd Freimüller liefert Antworten:

Was bedeutet Yzermans Detroit-Abgang für Marco Kasper? Foto: © IMAGO/UPI Photo/ZUMA Press Wire/KI

Nicht völlig überraschend, vom Zeitpunkt her aber sehr wohl: Steve Yzerman ist nicht mehr General Manager der Detroit Red Wings. Eine Legende verlor ihren Job.

Yzerman wurde am Mittwoch von seinen Aufgaben als General Manager und "Executive Vice President of Hockey Operations" entbunden und zum "Senior Advisor" gemacht. Damit brauchen die Red Wings einen neuen Mann an der Spitze, der die sportlichen Agenden extern (Trades, Signings) und intern (Zusammenstellung eines Staffs) übernimmt.

Der Yzerplan

Yzerman spielte von 1983 bis 2006 für die Red Wings, gewann dabei drei Stanley-Cups.

Nach vier Jahren im Staff wechselte er zu den Tampa Bay Lightning, wo er acht Jahre als GM arbeitete. Seine Rückkehr nach Detroit im Sommer 2019 war mit großen Hoffnungen verbunden. Er sollte die am Boden liegende Organisation wieder auf die Beine bringen.

Yzerman – als Spieler ein Leader, als GM aber ein sehr zurückhaltender Mann – predigte immer wieder Geduld, der Begriff des “Yzerplans” kam aber nicht von ihm. Doch mit jedem Jahr ohne Playoffs (von zehn hat er die letzten sieben zu verantworten) stiegen die Zweifel an ihm, die Red Wings treten schon seit Jahren auf der Stelle. In den letzten beiden Saisonen verspielten sie immer gegen Saisonende einen sicher geglaubten Playoff-Platz. Von größeren Zielen ist man ohnehin schon seit Ewigkeiten entfernt.

Der Zeitpunkt seines Endes

Yzerman durfte noch den Draft und den Beginn der Free Agency durchführen, jetzt erst konnte sich Besitzer Chris Illitch zu dieser Maßnahme durchringen. Illitch, der sowohl die Franchise als auch die Pizzakette "Little Caesars" von seinen Eltern übernommen hat, entschied sich vor Jahren bei den Detroit Tigers zu einem ähnlichen Zeitpunkt für einen GM-Wechsel.

Trotzdem ein eher unglücklicher Termin, dann Yzerman nahm zu Beginn der Free Agency mit Viktor Arvidsson und Keegan Kolesar zwei Leute unter Vertrag, die das Scoring (Arvidsson) und die Physis (Kolesar) erhöhen sollten. Entscheidungen, die keinesfalls abstrus erscheinen, die aber doch einem GM vorbehalten sein sollten, der auch die anstehende Saison zu verantworten hat.

Yzermans Rolle als "Senior Advisor"

Natürlich will man eine Legende wie Yzerman nicht unnötig anpatzen, daher durfte er am Papier in eine neue Rolle schlüpfen. In einigen Organisationen ist dieser Titel älteren Leuten vorbehalten, die ihn mit mehr oder weniger Leben ausfüllen. Rick Dudley etwa war selbst mit 77 Jahren beim zweifachen Stanley-Cup-Sieger Florida Panthers noch als Superscout auf Achse.

Aber grundsätzlich ist die Rolle des "Senior Advisors”" eine Warteschleife auf neue Aufgaben in einer anderen Organisation und ein relativ wertloser Titel.

Was wirft man Yzerman vor?

Offiziell natürlich nichts, dazu hat er immer noch zu viele Fans. Aber sieben Jahre ohne Playoffs sprechen eben für sich, die Organisation waberte unter ihm eigentlich nur so vor sich her.

Dazu kamen jetzt auch noch die Streitereien um Kapitän Dylan Larkin, der nach drei seiner acht Vertragsjahre weiterziehen möchte, als Grund dafür die fehlenden sportlichen Perspektiven angibt.

Yzermans Nachfolger muss sich diesem Problem stellen. Larkin selbst gibt bis jetzt nur vier Organisationen an, zu denen er sich einen Trade vorstellen könnte, was den Markt natürlich stark einschränkt.

Schlechte Free-Agent-Signings halfen über die Jahre natürlich auch nicht weiter, dass man Yzerman für einige Fehleinschätzungen beim Draft verantwortlich macht, ist aber weniger verständlich. Meine Informationen aus Detroit gehen dahin, dass er den Draft seinen Scouts überließ, sich keineswegs einmischte. Highlights (Moritz Seider) und Fehler (Filip Zadina, statt Filip Gustavsson Sebastian Cossa, der gerade erst abgegeben wurde) gehen daher auf das Konto eines Scouting Staffs, der auch schon bessere Zeiten gesehen hat.

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Der Eindruck, den der 61-jährige Yzerman über die Jahre hinterlassen hat, war der eines öffentlichkeits- und pressescheuen Mannes, der auch nicht viel für Analytics übrig hatte und zuletzt mit den krass ansteigenden Gehältern nicht Freund wurde. Letzteres könnte überhaupt in den nächsten Jahren einige GMs, die gegenüber Agenten den starken Mann spielen wollen (siehe zuletzt Pat Verbeek und das Leo-Carlsson-Debakel), in die Pension treiben.

Yzermans Nachfolger

Völlig offen, vor allem, ob Illitch einen Mann mit Hockey- oder Analytics-Background sucht.

Eine interne Lösung scheint nicht möglich: Assistant GM und Director of Amateur Scouting (eine seltene Kombination dieser Aufgaben) Kris Draper gilt eher als Teil des Problems, nicht der Lösung, hat seinen Job auch einer jahrelangen Spielerkarriere in der Motorstadt zu verdanken. Shawn Horcoff – ein weiterer Assistant GM und für das Farmteam Grand Rapids verantworlich – könnte wohl auch keine große Aufbruchsstimmung vermitteln.

Der neue GM hat einige größere Brocken vor sich: Die Larkin-Saga zu einem einigermaßen guten Abschluss zu bringen (wäre ein Verbleib überhaupt noch zu vermitteln?) und ein neuer Vertrag für den aufstrebenden Defender Simon Edvinsson. In weiterer Folge dann neue Kontrakte für Alex DeBrincat (im nächsten Sommer UFA) und u.a. Marco Kasper.

Immerhin: Mit Moritz Seider, Lucas Raymond, Edvinsson und dem potentiellen PP-Defender Axel Sandin-Pellikka verfügt die Organisation weiter über einige starke Eckpfeiler. Dazu kommen eben Kasper oder Emmitt Finnie, die zumindest in jeweils einer Saison ihr Potential aufblitzen ließen.

Was bedeutet Yzermans Abgang für Marco Kasper?

Nicht viel. Denn nach einer reichlich durchwachsenen Saison wird sein Agent eher nicht auf eine baldige Vertragsverlängerung (seit 1. Juli möglich) pochen. Kaspers Entry-Level-Deal läuft im nächsten Sommer aus, auch danach ist er noch ein RFA. Eine gute Saison würde ihm bessere Karten in den Vertragsgesprächen verschaffen.

Für den Kärntner weit interessanter: Was passiert mit Larkin und wie präsentiert sich die Centerachse um ihn?

Eine Frage, die jetzt einmal hinter die Suche nach einem neuen GM zurücktreten muss...

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