Bis dahin war alles ok. Der nächste Move um den Russen brachte aber eine Lawine ins Rollen: Zur Trade Deadline 2022 tauschten die Knights Dadonov und einen Zweitrunden-Pick nach Anaheim für John Moore und den Vertrag des Sportinvaliden Ryan Kesler ein.
Oder vielmehr: Wollten tauschen. Denn einige Stunden später stellte sich heraus, dass Dadonovs ursprünglicher Vertrag eine limitierte No-Trade-Clause beinhaltet hatte. Er konnte zu 10 Teams nein sagen, darunter waren nicht die Knights (daher fiel das auch damals nicht auf), aber sehr wohl die Ducks.
Ruf um Gnade bleibt nicht ungehört
Der Trade musste rückabgewickelt werden und da kamen wieder die Senators ins Spiel: Die NHL war der Meinung, dass Senators-GM Pierre Dorion die Knights von dieser Klausel - auch wenn sie damals nicht schlagbar wurde - In Kenntnis hätte setzen müssen, damit diese bei weiteren Trades berücksichtigt werden konnte. Solche Nebenabsprachen mussten damals nicht automatisch an das NHL-Headquarter gemeldet werden (heute schon).
Die Strafe für die Senators fiel harsch aus: Sie mussten ihren Erstrunden-Pick im Jahre 24, 25 ODER 26 aufgeben. Zwei Jahre schoben sie das auf, heuer wären sie endgültig dran gewesen.
Ein Ruf um Gnade bleibt jedoch nicht ungehört: Der neue Eigentümer Michael Andlauer argumentierte, dass er diese Strafe quasi geerbt hätte. Dorion kostete dieser Fauxpas unter anderem ohnehin seinen Job, der damalige Eigentümer Eugene Melnyk war 2022 verstorben.
Die NHL ließ sich also erweichen, die (Teil-)Amnestie folgte fast fünf Jahre nach der Tat. Der heurige Pick bleibt aber definitiv der letzte in der ersten Runde, von der Draft-Lotterie sind die Senators ausgeschlossen.
Der Fall Kovalchuk
Im Juli 2010 unterschrieb Ilya Kovalchuk bei den New Jersey Devils einen Deal über 17 Jahre zu 102 Millionen Dollar. 17 Jahre? Der russische Winger war damals schon 27, sein Deal hätte also erst in seinem 44. Lebensjahr geendet.
An dieser Rekorddauer stieß sich die NHL nicht (es gab im Gegensatz zu heute noch keine Maximaldauer), aber sehr wohl an den Details: Kovalchuk hätte in den ersten elf Jahren 98.5 Millionen verdient, in den weiteren sieben Jahren nur mehr 550.000 pro Jahr.
Der Grund für diese Gehaltsaufteilung: Der Jahresdurchschnitt wurde durch die letzten Jahre – an die ohnehin niemand geglaubt hätte – ordentlich gedrückt und so die Summe für den Salary Cap reduziert.
Die NHL, die ähnliche "front-loaded Deals" zuvor durchgewunken hatte, hatte endgültig genug, lehnte den Vertrag ab. Die Devils und Kovalchuk einigten sich Tage später auf einen 15-Jahres-Deal über 100 Millionen Dollar, die gleichmäßiger aufgeteilt wurden.
Wieder zahlte sich Geduld aus
Die NHL zeigte sich weder vom neuen Vertrag noch von Einsprüchen durch die Spielergewerkschaft beeindruckt: Zwei Monate nach der Unterschrift wurden die Devils mit GM Lou Lamoriello zu einer Geldstrafe von drei Millionen Dollar und dem Verlust von zwei Draftrechten (ein Drittrunder 2011 und ein Erstrunden-Pick in einem der Jahre von 2011 bis 2014) verurteilt.
Aber auch hier heilte die Zeit die Wunden: Die Devils hatten den Verlust ihren Erstrunden-Picks bis 2014 hinausgeschoben. Einige Monate vor dem Draft dann das revidierte Urteil: Die Geldstrafe halbiert, der Pick ging nicht verloren, wurde allerdings ebenfalls als letzter der ersten Runde (damals noch #30) eingefroren. Einzig der Drittrunden-Pick von 2011 war natürlich schon weg.
Die Gründe für die Teil-Amnestie nach vier Jahren: Ebenfalls ein Eigentümerwechsel, außerdem hatte Kovalchuk seine NHL-Karriere schon ein Jahr vorher - also nach drei Jahren seines 15-Jahre-Deals - beendet. Bei seinem Comeback mit den LA Kings im Jahre 2018 war die Causa schon vergessen.
Es lohnt sich also dranzubleiben, auch wenn Einsprüche erst vier oder fünf Jahre nach der Tat erfolgen, können sie sich lohnen. Und da heißt es, dass die österreichischen Gerichte langsam arbeiten...