Österreichs U20-Nachwuchs bei WM gefordert

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Die Vorweihnachtszeit ist für Österreichs Eishockeynachwuchs wie immer Bewährungszeit: Die U20-WM, Division IA (vulgo B-WM), steigt heuer im bayrischen Füssen, unweit der österreichischen Grenze gelegen. Die Ausgangsposition ist für das ÖEHV-Team vor dem Auftaktspiel gegen den Gastgeber (Sonntag, 16.30) wie immer die gleiche…

Wie in jedem Jahr ist das Minimal- und wohl auch realistische Ziel klar: Klassenerhalt. Wo im letzten Turnier ein Sieg im direkten Duell gegen Ungarn zum Verbleib unter den Top-16 der Welt reichte, wird die Sache heuer schon schwieriger.

Wieder-Aufsteiger Norwegen hatte zwar über die letzten Jahre einen Leistungsabfall zu konstatieren, ist aber doch ein starker Gegner und dürfte gleich zwei NHL-Draftpicks (Mattias Pettersen/Calgary, Kristian Marthinsen/Washington) mitbringen.

Frankreich hat sich im Nachwuchs (U18 und U20) in den letzten Jahren in der B-Gruppe etabliert, heuer fehlt mit Columbus-Pick Alexandre Texier (keine Freigabe) allerdings ein ganz wichtiger Mann.

Deutschland und Belarus als Favoriten

Der Rest des Feldes dürfte sich den Aufstieg unter sich ausmachen. Im letzten Testspiel in Telfs war Österreich beim 1:5 gegen Lettland völlig chancenlos, die Letten bringen wie immer ein körperlich starkes Team mit.

Topfavoriten für den Aufstieg sind aber Belarus und Gastgeber Deutschland. Die Weißrussen müssen zwar auf den baumlangen Defender Vladislav Kolyachonok (ein potentiell hoher NHL-Pick) verzichten, können aber auf eine Reihe von Überseelegionären wie Maxim Sushko (Flyers-Pick) zurückgreifen.

Deutschland jagt schon seit vier Jahren dem Wiederaufstieg nach, hat mit Leon Gawanke (Winnipeg), Dominik Bokk (St. Louis) und den in Salzburg ausgebildeten Justin Schütz (Florida) gleich drei NHL-Picks zu bieten.

Dazu kommt noch Verteidiger Moritz Seider, der nach einer Schulterverletzung für das Turnier noch fit wurde. Wegen des 01er-Defenders aus Mannheim reisen unzählige NHL-Scouts aus Nordamerika an, er wird als sicherer Erstrunder gehandelt. Kann er sich aber nach einigen Wochen Pause in Topform präsentieren?

Belarus, Deutschland und eventuell Lettland als Aufstiegskandidaten, Norwegen, Frankreich und Österreich gegen den Abstieg – das wäre mein Tipp für das Turnier. Was muss also passieren, dass Österreich mindestens den Stammplatz fünf (fünfmal in den letzten sieben Turnieren) erreicht?

Erste Aufgabe für die Jungcoach-Riege

Marco Pewal als Headcoach, Philipp Pinter, Philipp Lukas und Jürgen Penker (Goaliecoach) als seine Assistenten – prominente Namen im österreichischen Eishockey, als Coaches aber noch sehr unerfahren.

Pewal war letzte Saison allerdings schon als Assistent mit dabei, übernahm heuer nach dem Abgang von Alexander Mellitzer. Worauf setzt der Villacher bei der WM? "Aggressivität und Laufbereitschaft und das über vier gleichstarke Blöcke hinweg."

Im November hielt sein Team bei knappen Niederlagen gegen Lettland und Belarus noch gut mit, der letzte Test gegen die Letten war aber eher ernüchternd. Das 9:1 gegen die schwachen Italiener am Vortag brachte dagegen wenig neue Erkenntnisse.

Ein WM-Turnier mit fünf Spielen in sieben Tagen verzeiht wenig Fehler – vor und hinter der Bande. Wichtig für Pewal und seine Kollegen: Sie müssen auf gute und schwächere Leistungen ihrer Cracks mit entsprechender Eiszeit und Umstellungen reagieren, dürfen aber gleichzeitig bei Niederlagen nicht alle Pläne über den Haufen werfen. Mit Deutschland, Lettland und Weißrussland warten die stärksten Gegner gleich zu Turnierbeginn.

Wie schlagen sich die (neuen) Goalies?

Mit Paul Mocher (Linz) und Florian Vorauer (KAC) stehen zwar zwei 99er im Tor, beide verfügen aber über keinerlei WM-Erfahrung. Mocher, der das Turnier wohl beginnen wird, kam heuer vorwiegend in der EBYSL zum Einsatz, Vorauer im meist überforderten KAC-Farmteam.

Beide bringen gute Größe mit, Mocher ist stilistisch der ruhigere von beiden. Ein Turnier ohne große Ups and Downs würde dem Team schon weiterhelfen, die Goalieposition war in den letzten Jahren selten eine große Stärke.

In der Defensive sind alle Wunschkandidaten von Pewal an Bord. Thimo Nickl (KAC) meldete sich nach einer langwierigen Schambeinverletzung im letzten Moment wieder fit, Davos-Legionär Julian Payr sollte in allen wichtigen Situationen auf dem Eis stehen und ein Key-Player sein.

OHL-Legionär David Maier wird den Point-Guy im PP geben, dazu kommen noch weitere Defender mit guten Puckskills wie Niklas Würschl (KAC) und Lukas Schreier (Salzburg), der vor kurzem wie Lukas Piff (Capitals) sein EBEL-Debüt feiern durfte.

Auch ein Mann mit sehr guter Zukunft: 01-Defender Kilian Zündel (Salzburg). Patrick Stückler (Zug) ist der einzige klare Defensivverteidiger im Kader.

Eigentlich eine mobile und spielstarke Crew – keiner von ihnen ein „Rushing D“, aber grundsätzlich sollten sie zumindest gegen die schwächeren Gegner bessere Breakouts hinbringen als zuletzt gegen die Letten, die jeden Spielbau schon im Keim erstickten.

Wer sorgt für die Offensive?

Vor Wochen war noch alles klar: Marco Rossi und Benjamin Baumgartner (Davos) wären eine tolle „1-2-Combo“ auf der Centerposition gewesen. Rossis Ellbogenverletzung (angestrebtes Comeback: zweite Jänner-Hälfte) machte diese Pläne leider zunichte.

Baumgartner centert nun die Toplinie mit Tim Harnisch (Salzburg) und Benjamin Lanzinger (VSV) – Lanzinger trägt gemeinhin wenig zum Spiel bei, muss bei der WM daher als Torjäger überzeugen. Harnisch agierte in beiden Tests spielstark.

Hinter Baumgartner sind die drei 99er Julian Pusnik (Mora), Jannik Fröwis (Lugano) und Alexander Maxa (Capitals) gesetzt. Große Scoring-Beiträge dieses Trios würden mich überraschen, auch wenn Pusnik Größe und einen starken Schuss, Fröwis dagegen gute Beine mitbringt.

Pewal hatte gerade bei den Centern noch zwei bange Momente zu überstehen: Baumgartner bekam gegen Italien in der letzten Minute einen Puck ins Gesicht, Pusnik gegen Lettland einen üblen Kniecheck ab. Beide meldeten sich aber wieder fit, Baumgartner muss wegen seiner Platzwunde mit einem Gitter antreten.

Wer könnte sonst noch für Tore gut sein?

Zu den vielen jungen Jahrgängen (genau die Hälfe des Kaders) gehören die 01er Fabian Hochegger und Lucas Thaler. Hochegger ist im meist desolaten KAC-Farmteam einer der wenigen Lichtblicke, der Villacher Thaler spielt im schwedischen Mora und ist als 02er der jüngste Spieler im Team.

Beide überzeugen mit Dynamik und Laufstärke, werden aber gegen körperlich starke 99er Probleme bekommen. Dazu kommen noch die Salzburg-Flügel Marcel Zitz und Elias Wallenta (beider 99er), Valentin Ploner (00, KAC, auch als Center einplanbar) und Rene Tröthan (99). Tröthan, der nach längerer Zeit ein ÖEHV-Comeback gibt, ist eine Art „Human Missile“, der mit seinem energischen Forecheck Turnovers kreieren kann, dessen krachende Checks aber auch in Strafen resultieren können.

Er könnte im Nahverkehr für Unruhe und auch Tore sorgen. Doch Fragezeichen bezüglich konstanter Offensivbeiträge bleiben bei den meisten Namen bestehen.

Pewal hofft auf starke 5-5-Leistungen und gegenüber der Vorbereitung verbesserte Special Teams, die vor allem gegen Norwegen und Frankreich den Unterschied ausmachen können.

Die Jahrgänge 2000 und 2001 gelten gemeinhin als sehr stark, allerdings schafften auch sie es bei U18-WMs nicht, Österreich aus dem Keller zu hieven. Beim letztjährigen Schlüsselspiel gegen Ungarn machten sie allerdings den Unterschied aus und auf Ähnliches hoffe ich auch an den letzten beiden Turniertagen.

Einerseits einige überdurchschnittlich talentierte Cracks und bis auf Rossi keine Ausfälle, andrerseits auch einige Fragezeichen (viel Jugend vor und hinter der Bande und im Tor keinerlei WM-Erfahrung).

Die U20-WM dürfte für Österreich, das mit acht Legionären antritt, wohl erst zum Schluss gegen Frankreich und Norwegen entschieden werden – hoffentlich wieder mit dem Klassenerhalt.

Textquelle: © LAOLA1.at

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