ÖEHV: Das bleibt von der Olympia-Quali

ÖEHV: Das bleibt von der Olympia-Quali Foto: © GEPA
 

Die Slowakei fährt nach einem 2:1-Zittersieg gegen Belarus zu den Olympischen Spielen, Österreich beendet das Turnier mit drei Punkten (4:1 gegen Polen). Wenn es Erkenntnisse des Turniers in Bratislava gab, dann sicher keine überraschenden, meint LAOLA1-Scout Bernd Freimüller.

Der Experte klärt über die Leistungen der ÖEHV-Cracks auf, zieht Erkenntnisse aus den Partien des Teams von Roger Bader und erklärt, warum er beinahe vom Sofa gefallen wäre.

Verdienter Sieg des Favoriten

Zur Konkurrenz: Mit der Slowakei gewann der Turnierfavorit verdient, auch wenn die 2:1-Siege gegen Österreich und Belarus überaus knapp ausfielen. Die Hausherren verfügten aber über die mobilste Defensive und größere Tiefe im Angriff, dazu mit Branislav Konrad noch über einen sehr soliden Goalie.

Belarus blamierte sich bei der 0:1-Niederlage zum Auftakt gegen Polen. Mit dem Devils-Forward Yegor Sharangovich verfügten die Weißrussen über den besten Spieler des Turniers, er bekam aber auch Eiszeit bis zum Abwinken gespendet. Sonst war die Offensive aber überschaubar, Goalie Danny Taylor musste darüber hinaus mit 35 Jahren das ganze Turnier durchspielen. Man versteht, warum sie vor Monaten den letzten Gruppenplatz bei der A-WM belegten und über die Jahre international immer mehr absackten.

Den Polen reichten drei Turniertore zu ebenso vielen Punkten, Goalie John Murray hatte gegen Belarus einen Sterntag und immens viel Glück. Viel Raum gibt die auf fast jeden Forecheck verzichtende Truppe nicht her, aber ihre dröge Offensive bereitet mir schon beim Zuschauen Kopfschmerzen.

Achterbahnfahrt in rot-weiß-rot

Wie so oft rief das Turnier fast menopausale Gemütsschwankungen bei Fans und Medien hervor. Ein ehrenvolles 1:2 gegen die Slowakei (klar unterlegen, aber zum Schluss mit Pech) wurde in bester österreichischer Manier in einen moralischen Sieg umgewandelt, eine ähnliche Leistung müsste doch für Belarus reichen. Und das erste Drittel dieses Spiels war auch mit Abstand das beste im Turnier, die Österreicher waren in puncto Skating klar überlegen, ließen den Gegner alt aussehen. Spätestens nach dem Ausgleichstreffer präsentierte sich das Team aber so, als ob es die Schlitt- gegen Skischuhe getauscht hätte, fünf Gegentreffer in einem Drittel gegen einen überschaubaren Gegner waren die Folge.

Danach wieder der übliche Katzenjammer, das 4:1 gegen die Polen brachte das rot-weiß-rote Eishockey wieder dorthin, wo es wohl auch hingehört: Siege gegen Polen, Ungarn und Italien (die beiden Vorbereitungsgegner waren in ihren Gruppen dann auch völlig chancenlos), gegen Belarus und die Slowakei zu wenig.

Verglichen zum Turnier vor fünf Jahren, das Teamchef Roger Bader erst ins Amt spülte, war das Auftreten weit weniger debakulös – ob diese Abstufung innerhalb von Niederlagen nach fünf Jahren Arbeit genügen kann, soll jeder für sich selbst beurteilen. Von einer Qualifikation (ohnehin nicht sehr realistisch) war man weit entfernt, das zweite Drittel gegen Belarus drehte das Ganze ins Unerfreuliche. Immerhin will man im Mai wieder in die A-Gruppe zurück und dort sind die Weißrussen alles andere als das Maß aller Dinge. Allerdings spielen in Laibach auch Teams wie Slowenien, Frankreich und Ungarn mit, die auch nicht gerade nach oben trenden (weiters: Korea und Rumänien).

Rossi-Debüt geglückt

Zum Personellen: Mir wird nachgerade blümerant beim Gedanken, dass Brian Leblers Mitwirken keineswegs abgemachte Sache war. Er traf in jedem Spiel, gegen Polen sogar dreimal. Ja, es gibt bessere Skater als ihn, Zwerger und vor allem Rossi halfen ihm auch, aber gerade gegen schwächere Gegner ist sein Scoring-Versprechen eigentlich unverzichtbar.

Sonst nichts Überraschendes: Viele rieben sich an David Kickerts Gegentreffer zum 1:2 gegen die Slowakei, aber davon abgesehen spielte er ein gutes Turnier. War Bernhard Starkbaum gegen Weißrussland nur ein unglücklicher Passagier einer überforderten Defensive oder hätte man den einen oder anderen Save einfordern können? Ziemlich egal, das neue Capitals-Goalie-Duo hat derzeit so oder so keine Konkurrenz.

Einerseits hielt das Team gegen die Slowakei überraschend physisch gut dagegen (nicht mit), andererseits war die Szene gegen Belarus beim Ausgleichstreffer bezeichnend: Dominique Heinrich will Stas checken, prallt ab wie ein Flummi und knallt in die Bande, verlässt danach das Turnier. Ähnliches galt für Stefan Ulmer, der sich sehr verletzlich gegen Kopftreffer zeigt. Wären unsere Defender übermäßig mobil oder offensivstark, könnte man physische Mängel übersehen, aber in Wirklichkeit sind sie auf diesem Niveau nicht talentierter als ihre größeren und schwereren Antipoden.

Als Gegenstück: Steven Strong, der stark genug ist und Checks sucht, aber dabei zu oft seine Position verlässt. Kilian Zündel gab als zweitjüngster Spieler des Teams ein gutes Debüt.

Wenn fünf von sieben Treffer einer Angriffslinie entsprechen, sagt das schon viel aus, wobei Marco Rossi bei seinem Debüt im Nationalteam vor allem bei Faceoffs wichtig war, darüber hinaus die Scheibe clever managte. Peter Schneider und Manuel Ganahl spielten ein schönes Tor gegen Polen heraus – nur müsste man das von zwei Spielern, die anerkannte ICE-Größen sind, nicht öfters und gegen bessere Gegner erwarten? Benjamin Baumgartner habe ich auch schon unwiderstehlicher gesehen, aber er sollte mit Rossi in den nächsten Jahren das Top-Center-Duo bilden.

Keine Leistungs-Ausreißer

Aber eigentlich disqualifizierte sich kein Spieler so recht, umgekehrt fielen auch nur wenige konstant positiv auf. Bader stellte für dieses Turnier ein etwas älteres Teams als sonst zusammen (Comebacks von Ulmer, Lebler und Hundertpfund), für die anstehenden Operetten-Turniere und Testspiele wird er wohl wieder bunt durchmischen.

Deswegen bin ich auch fast vom Sofa gefallen, als nach der Polen-Partie im TV eine Verjüngung angedacht wurde. Was bitte haben wir denn in den letzten fünf Jahren – den durch Corona verlängerten Olympia-Zyklus - gemacht? Jeder österreichische Crack, der sich unfallfrei die Schuhe binden konnte, durfte da im Nationalteam vorspielen. Erst waren es die 96/97er-Jahrgänge, die Bader aus der U20 mitbrachte – davon blieben bis Bratislava Huber, Wukovits, Zwerger, Bernd Wolf und Haudum über. Jetzt kommen halt die 00er und 01er dran, aber auch aus den schwächeren Jahrgängen dazwischen und davor kann wohl keiner reklamieren, übersehen worden zu sein. Oder sollen Bader – und wer immer über kurz oder lang sein Nachfolger wird – alle vier Jahre eine Neuaufstellung für einen neuen Zyklus durchführen? Außer für Ausreden durch eine junge Truppe taugt so ein Konzept überhaupt nicht.

Wenn man aber wirklich in Vier-Jahres-Abständen denkt, warne ich schon vor dem übernächsten Zyklus: Da sind unter anderem die Jahrgänge 06 und 07 dran, das derzeitige U16-Nationalteam. Das schaffte es nämlich vor zwei Wochen, mit dem 0:19 (!) gegen die Schweiz ein historisches Debakel hinzulegen, das sonst den untersten Klassen des internationalen Eishockeys vorbehalten ist. Ein solches Ergebnis liefert eigentlich mehr Erkenntnisse über das österreichische Eishockey als das Wochenende in Bratislava…

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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