Deutschland Deutschland GER
Österreich Österreich AUT
Endstand
5:3
0:1, 1:1, 4:1
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ÖEHV-Team stolz: "Man hat das Feuer bei uns gesehen"

Drei Eigenfehler brachten Österreich gegen Deutschland um einen möglichen Sieg. Doch das Ergebnis soll nicht die Gesamtleistung trüben.

ÖEHV-Team stolz: Foto: © DEB / City-Press GmbH

Und plötzlich wurde es ganz still.

4.200 Zuschauer sorgten beim Deutschland-Cup in Landshut im Nachbarschaftsduell zwischen Deutschland und Österreich für ein pures Eishockey-Fest, doch in der 48. Spielminute stockte der ausverkauften Kulisse der Atem.

Ein abgefälschter Puck traf Bernd Wolf mit hoher Geschwindigkeit im Gesicht, der ÖEHV-Verteidiger sackte sofort zusammen und musste verarztet werden. Doch der Lugano-Legionär biss die Zähne zusammen, stand einige Minuten später wieder am Eis.

Wolf hatte Glück im Unglück und gibt gegenüber LAOLA1 Entwarnung. "Mir geht’s gut. Am Anfang war es ein kleiner Schock, aber das gehört leider zum Eishockey dazu. Aber es ist alles gut gegangen."

"Wenn wir heute etwas mehr Glück haben, geht das Spiel ganz anders aus"

Eine blutende Wunde auf der Stirn zeichnet sein Gesicht, sie steht an diesem Abend sinnbildlich für den Kampf, den Österreich dem Vize-Weltmeister lieferte.

Zwei Tage nach der 1:7-Klatsche zum Turnier-Auftakt gegen die Slowakei präsentierte sich die ÖEHV-Auswahl wie ausgewechselt, führte gegen den Gastgeber mit 2:0. Am Ende jubelte zwar das DEB-Team über den Sieg, trotzdem war man im heimischen Lager stolz auf die eigene Leistung.

Roger Bader sagt: "Es war in Summe ein sehr gutes Spiel von uns, man hätte auch nichts dagegen sagen können, wenn wir dieses Spiel gewonnen hätten."

"Es waren drei Scheibenverluste, die nicht passieren dürfen, ohne Frage."

Teamchef Roger Bader

Wolf pflichtet bei: "Wir haben mehr gefährliche Chancen kreiert. Wenn wir heute etwas mehr Glück haben, dass wir die Chancen reinmachen, geht das Spiel ganz anders aus." Denn seiner Meinung nach sei Österreich "die bessere Mannschaft" gewesen.

Baders Überzeugung vom Sieg verschwand schlagartig

Der Teamchef war zu Beginn des Schlussabschnitts "eigentlich überzeugt, dass wir dieses Spiel gewinnen werden." Die ersten Minuten hätten dieses Gefühl auch bestätigt, zu diesem Zeitpunkt führte das ÖEHV-Team noch mit 2:1.

Doch drei fatale Minuten mit drei Gegentreffern brachten Österreich um die Früchte der Arbeit, plötzlich lag Deutschland 4:2 voran. Mit Scheibenverlusten in der eigenen Zone wurde der Hausherr praktisch eingeladen, die Arena in Landshut in ein Tollhaus zu verwandeln.

Dreifach-Torschütze Benjamin Baumgartner sprach davon, dass das Team in alte Muster zurückgefallen sei. Bader verneint dies: "Das ist übertrieben, aber es waren auf jeden Fall drei Scheibenverluste, die nicht passieren dürfen, ohne Frage."

"Das eine war im Boxplay, bei den anderen zwei Toren hatten wir den Puck auf dem Schläger, haben völlig unnötig die Scheibe verdribbelt oder einen Fehlpass gemacht." Fehler, die in der Liga womöglich nicht sofort bestraft werden würden, "hier aber sofort", konstatiert Bader.

Kein Vorwurf an Vorauer: "Das sind sehr schwierige Momente für Torhüter"

Auch für Torhüter Florian Vorauer, dem der 59-jährige Winterthurer eine "sehr gute Leistung" attestierte, sei diese Phase alles andere als einfach gewesen.

Torhüter Florian Vorauer spielte tadellos
Foto: © GEPA

"Diese Schüsse waren schwierige Situationen, die Pässe kamen von hinter der Grundlinie in den Slot, da wurde direkt geschossen. Das sind sehr schwierige Momente für Torhüter."

Wenn der 23-jährige Schlussmann vom KAC "dort den einen oder anderen mit einem Big Save fängt, gewinnen wir vielleicht." Aber Vorwürfe wollte Bader seinem Schützling, der zuvor bereits einige wichtige Paraden verzeichnete, überhaupt keine machen. 

Wolf lobt Kampfeinstellung: "Man hat das Feuer bei uns gesehen"

Das gilt für die gesamte Mannschaft, die sich "am Schluss den Ausgleich verdient gehabt hätte. Da hätte niemand etwas sagen können", findet der Teamchef.

Assistant Captain Wolf lobte seine Teamkollegen. "Wir haben eine super Teamleistung gezeigt. Im letzten Spiel gegen die Slowakei war nicht das Spielerische das Problem – ja, das war auch schlecht, aber da hat die Kampfeinstellung gefehlt."

Das konnte und wollte der Verteidiger so nicht stehen lassen. "Wir haben gesagt, das kann nicht sein. Wenn ein Spiel schlecht ist, das kann passieren. Aber die Kampfeinstellung muss da sein, das ist das Wichtigste. Das haben wir uns heute vorgenommen und auch gezeigt."

Der 26-Jährige glaubt, dass Deutschland von der ÖEHV-Performance durchaus überrascht war. "Es war auch schön zuzusehen, man hat das Feuer bei uns gesehen. Das ist unsere einzige Chance, wenn wir gegen solch starke Nationen bestehen wollen."

"Schwierigster Spielplan", trotzdem will Österreich an Leistung anknüpfen

Schon am Sonntagvormittag bietet sich gegen Dänemark (11 Uhr im LIVE-Ticker >>>) die nächste Chance, das zu zeigen.

"Wenn wir wie heute spielen, einfach, den Gegner unter Druck setzen, dann wird es auch für Dänemark schwierig."

Bernd Wolf

"Normalerweise kann man mit so wenig Pause nicht wieder ein energetisches Spiel spielen", betont Bader und stellt klar, dass Österreich "den schwierigsten Spielplan" hat.

Das darf aber keine Ausrede sein, sagt der Schweizer. "Es ist um 11 Uhr, das können wir nicht ändern, aber wir wollen an der Leistung von heute anknüpfen."

Wolf fordert: "Einfach wieder mit Freude ins Spiel gehen, füreinander kämpfen und dann wird man sehen, was rauskommt. Wenn wir wie heute spielen, einfach, den Gegner unter Druck setzen, dann wird es auch für Dänemark schwierig."

Doch die Aufgabe ist alles andere als einfach, nicht nur aufgrund der kurzen Zeit, die zum Regenerieren bleibt. "Dänemark ist in diesem Turnier sehr stark besetzt, sie haben von allen Mannschaften die meisten WM-Spieler dabei. Da fehlen nicht viele", warnt Bader.

Aber: "Solche Gegner wollen wir haben, durch solche Spiele werden wir besser."


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