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ÖEHV-U18: Aufstieg ist immer schwieriger als Klassenerhalt

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller analysiert die Leistungen von Österreichs U18-Eishockey-Nationalteam bei der 1B-WM und wirft einen Blick in die Zukunft.

ÖEHV-U18: Aufstieg ist immer schwieriger als Klassenerhalt Foto: © GEPA

In einem Turnier voller Volten schaffte das ÖEHV-U18-Team den Wiederaufstieg in die Zweitklassigkeit.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller wirft einen Blick auf die 1B-WM in Tallinn mit einigen Auf und Abs für fast alle Teams:

Der Aufstieg schien in weiter Ferne

Nachdem Italien zum Turnierauftakt mit 4:1 noch relativ souverän geschlagen wurde, folgte am nächsten Tag die Ernüchterung: Beim 1:3 gegen Frankreich war das Team von Headcoach Peter Schweda fast chancenlos.

Nach einem Ruhetag dann das Spiel gegen Estland, wo das Turnier völlig zu entgleiten drohte, bevor das Team einen frühen 1:3-Rückstand noch in ein 7:4 umdrehte. Das sollte auch nach Meinung Schwedas der Wendepunkt im Turnier werden.

Vor den letzten beiden Spieltagen lag Österreich an dritter Stelle hinter den bis dahin perfekten Litauern sowie Frankreich, der Aufstieg schien in weite Ferne gerückt.

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Der vierte Turniertag wirbelte aber noch einmal alles durcheinander: Alle drei Spiele gingen in die Overtime oder ins Shootout, Litauen unterlag dabei Italien, Frankreich ebenso gegen Estland. Österreich vergeigte zwar in den letzten 90 Sekunden eine 3:1-Führung gegen den späteren Absteiger Korea (Ausgleich um 59:59), der Zusatzpunkt in der Overtime ließ aber noch alles offen.

Am Schlusstag mussten gegen Litauen drei Punkte her, auch hier wieder ein früher Rückstand. Das 0:1 wurde noch im ersten Drittel (auch dank eines Tors von Luc van Ee eine Sekunde vor der Pausensirene) umgedreht, danach sollte die beste Turnierleistung folgen. Litauen kam kaum mehr vor den Kasten von Goalie Gabriel Lemberger, fast alle Schüsse erfolgten von außen auf seine Fanghand. Das 3:1 von Jonathan Oschgan im Powerplay sorgte für Ruhe, Defender Lennart Leitner zurrte den Sieg knapp vor dem Ende mit einem Weitschusstor fest.

Gerade in diesem Spiel, aber auch über das Turnier wichtig: die Special Teams mit dem zweitbesten Powerplay und dem besten Unterzahlspiel im Turnier.

Die Schlüsselspieler

Mit vier Verlustpunkten ein Turnier zu gewinnen, kommt auch nicht oft vor, doch die Schützenhilfe der drei unteren Teams sowie der Sieg im direkten Duell gegen Litauen (aus den beiden letzten Partien nur mehr ein Punkt) machten es möglich.

Mit Johannes Dobrovolny, Jonathan Oschgan und Paul Sintschnig steuerten die Big Guns neun der 20 erzielten Treffer bei, wobei Teamkapitän Oschgan vielleicht der Konstanteste der drei war. Dobrovolny demonstrierte neben seinem Speed auch einen harten Schuss. Sintschnig drehte die Partie gegen Estland, zeigte sonst in einigen Situationen aber etwas überhastete Entscheidungen. Seine zweite Saisonhälfte (nach der Schulterverletzung im Deutschland-Cup) war eindeutig die schwächere.

Alle drei werden in den nächsten Jahren weiter Schlüsselspieler für den ÖEHV-Nachwuchs sein. Auch der explosive Paul Schuster (wenn auch ohne Torerfolg), der solide Teamdebütant David Niederleitner sowie Emil Wagner (hat seine Verletzungsprobleme offenbar überwunden) waren wichtige Cracks, Nico Koschek (nach seinem Handbruch noch nicht ganz fit) erzielte gegen Estland einen wichtigen Treffer. 

Defensive Probleme

Die Defensive hatte Probleme mit Entscheidungen unter Druck, auch als Pucktransporter ragte niemand so recht heraus. Die Tendenz der letzten Jahre zu größeren Defenderriegen war umgekehrt auch nicht zu sehen, allerdings fehlte mit dem Klagenfurter Maxi Petritsch noch ein (ge)wichtiger Crack.

Es wird interessant werden, wer von dieser Crew im nächsten Jahr die wenigen offenen Plätze bei der U20 einnehmen kann, Leitner und Felix Baumann sind die wahrscheinlichsten Kandidaten.

Im Kasten dafür ein Mann mit Gardemaß: Gabriel Lemberger zeigte sich bis auf die Anfangsphase gegen Estland ruhig und deckte mit seiner Größe (1,92 m) den Kasten meist gut ab. Sehr wahrscheinlich, dass er und der noch 15-jährige Lucas Fritz (Lukko Rauma) sich in den nächsten Jahren die Nationalteamspots unter sich ausmachen. Dazu kommt noch Luc Schneider (2010), der wie Lemberger aus Wien in die Red Bull Academy übersiedelt.

Der Aufstieg ist immer schwieriger als der Klassenerhalt

Von den 23 Spielern im Kader dürfen elf (Jahrgänge 09 und 10) im nächsten Jahr in der Gruppe 1A die Früchte ihres Erfolgs direkt ernten.

Wie kopflastig das österreichische Nachwuchseishockey über die Jahre geworden ist, zeigt nicht nur der heurige Kader: Neben sechs Legionären kamen 14 Spieler entweder aus Klagenfurt oder Salzburg, nur der VSV (Defender Paul Vaschauner und Sintschnig) und die Eishockeyakademie Oberösterreich (Oschgan) stellten noch Cracks für Schwedas Aufgebot. Schon länger die Regel und nicht die Ausnahme, auch wenn es von der ursprünglichen Herkunft natürlich anders aussieht. 

Der Aufstieg ist immer schwieriger als der Klassenerhalt, diese schmerzliche Erfahrung musste das Team im letzten Jahrzehnt öfters machen. Kein Wunder, dass Schweda nach dem Erfolg euphorisch war:

"Wir haben seit einem Jahr auf dieses Ziel hingearbeitet, ich bin stolz auf den Teamspirit in der Mannschaft. Sie haben sich auch nach Rückschlägen nicht unterkriegen lassen, die Schlüsselspieler haben in der Kabine dann das Wort übernommen. Das Eishockey war nicht immer vom Feinsten, aber gerade im Finish haben wir uns gesteigert."

Diese Gegner warten bei der 1A-WM

Die Teilnehmer an der 1A-WM im nächsten Jahr, die die Weltranglistenplätze 11 bis 16 einschließt? Deutschland (Absteiger aus dem Top-Pool), Kasachstan, Ukraine und unsere alten Zwetschkenröster aus Slowenien und Ungarn, beides potenzielle Ausrichter. Die letzte Heim-WM in Österreich? 2004 in Amstetten...

Tallin war ein gut organisiertes Turnier in einer sehr schönen Arena und in einer noch schöneren Stadt. Die Spiele waren nichts für schwache Nerven, allerdings zeigte das rot-weiß-rote Team gerade im Finale seine beste Leistung – etwas, das über die Jahre oft genug nicht gelang...

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