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Jetzt steht der Klassenerhalt mehr denn je im Fokus

Die WM-Absagen von Marco Rossi und Marco Kasper drosseln die Erwartungshaltung. Sie öffnen zudem die Tür für neue Kader-Anwärter.

Jetzt steht der Klassenerhalt mehr denn je im Fokus Foto: © GEPA

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Groß war die Hoffnung, dass Marco Rossi und Marco Kasper zum ersten Mal gemeinsam im ÖEHV-Jersey auflaufen könnten. Das war nicht einmal bei der Olympia-Qualifikation in Bratislava der Fall.

Nun muss Teamchef Roger Bader auf beide Starspieler verzichten. Dadurch rückt die Mission Klassenerhalt mehr denn je in den Fokus.

Aderlass im Angriff

Die Liste an Absagen ist mittlerweile lang. Neben neun fixen Ausfällen gibt es drei Wackelkandidaten.

Spieler

Marco Rossi

Vancouver Canucks (CAN)

Marco Kasper

Detroit Red Wings (USA)

David Reinbacher

Montreal Canadiens (CAN)

Vinzenz Rohrer

Laval Rocket (CAN)

Thomas Raffl

Red Bull Salzburg

Michael Raffl

Red Bull Salzburg

Brian Lebler

Black Wings Linz

Nash Nienhuis

Red Bull Salzburg

Ali Wukovits

Red Bull Salzburg

Fraglich:

Benjamin Baumgartner

SC Bern (SUI)

Oliver Achermann

HC La-Chaux-de-Fonds (SUI)

Lukas Kainz

Graz99ers

Auffällig ist, dass der Aderlass fast ausschließlich den Angriff betrifft. Die Verteidiger David Reinbacher und Nash Nienhuis bilden die Ausnahmen.

Sollten Oliver Achermann und Benjamin Baumgartner nach ihren Verletzungen nicht rechtzeitig matchfit werden und Lukas Kainz nach seiner Syndesmosebandverletzung keine Wunderheilung hinlegen, wird es in der Offensive allmählich dünn.

Die Dichte ist deutlich größer als noch vor einigen Jahren, derart viele Absagen auf einmal wären aber auch für viele andere Nationen schwer auffangbar.

So könnten die Angriffslinien aussehen:

Linker Flügel

Center

Rechter Flügel

Dominic Zwerger

Benjamin Nissner

Peter Schneider

Paul Huber

Benjamin Baumgartner (?)

Mario Huber

Manuel Ganahl

Lukas Haudum

Lucas Thaler

Lukas Kainz (?)

Oliver Achermann (?)

Simeon Schwinger

Chance für junge Spieler?

Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere.

Mehreren Spielern, vor allem jungen, bietet sich in den nächsten zweieinhalb Wochen die Chance, ihre Empfehlung für den WM-Kader abzugeben. "Es kommt viel nach", freut sich Verteidiger Bernd Wolf.

Der 20-jährige Ian Scherzer hätte bereits vor zwei Jahren beinahe den Cut geschafft, hinterlässt derzeit erneut einen guten Eindruck.

Seit dieser Woche darf Leon Kolarik (18) erstmals mitwirken, der heuer sein Premierenjahr in Nordamerika absolviert hat. Adrian Gesson (19) ist ebenso neu im Kreise des A-Teams. Felix Koschek (20) und David Waschnig (19) haben bereits Talentproben abgeliefert.

Gepaart mit den routinierten Peter Schneider und Dominic Zwerger sowie jenen Cracks, die vom designierten Meister Graz99ers noch zum Team stoßen werden, könnte sich ein spannender Mix aus Gegenwart und Zukunft ergeben.

Wie sehr ist das Team gereift?

Gerade jetzt macht sich Baders Ansatz, junge Spieler ins kalte Wasser zu werfen und einfach einmal schwimmen zu lassen, bezahlt.

Jene Spieler, die für die Endrunde in der Schweiz infrage kommen, werden internationale Spiele in den Beinen haben. Das ist notwendig, unterscheiden diese sich doch deutlich von jenen im Liga-Alltag.

Zwangsläufig kann nun auch beobachtet werden, wie sehr das Nationalteam in den letzten Jahren tatsächlich gereift und zu einer Einheit zusammengewachsen ist.

Das Kommen der Nordamerika-Legionäre ist nie gesichert, der sogenannte "worst case" hätte schon viel eher eintreffen können. In dieser Hinsicht hatte Österreich in der Vergangenheit schlichtweg auch Glück.

Klassenerhalt primär, alles darüber hinaus sekundär

Die Erwartungen an das Nationalteam werden in der Öffentlichkeit jedenfalls gedrosselt werden.

Von einer neuerlichen Viertelfinal-Teilnahme zu träumen, wäre fahrlässig. Das wäre es auch gewesen, wenn Rossi und Kasper für die Titelkämpfe in der Schweiz zugesagt hätten.

Der Klassenerhalt ist und bleibt, worauf sich Österreich primär fokussieren muss. Auf dem Weg dorthin sind Erfolge gegen die beiden Auftaktgegner Großbritannien und Ungarn essenziell.

Alles darüber hinaus ist sekundär. Heuer umso mehr.

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