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Auf was es für Österreich bei der U18-WM ankommt

Die ÖEHV-U18 gilt seit Jahren als Schmuddelkind des Verbands, nun muss das Team performen. LAOLA1-Scout Bernd Freimüller liefert einen Vorbericht.

Auf was es für Österreich bei der U18-WM ankommt Foto: © GEPA

Im Schatten der Vorbereitung zur A-WM bestreitet auch der österreichische Eishockey-Nachwuchs sein letztes Turnier für heuer:

Für die U18-Nationalmannschaft geht es bei der 1B-WM in Tallinn ab Samstag um den Wiederaufstieg.

U18 als Schmuddelkind des Verbands

Das A-Team glänzte letzte Saison mit dem ersten Viertelfinaleinzug seit 1994. Das U20-Team hat sich in den letzten Jahren unter den Top-16 der Welt etabliert. Eine eindeutige Aufwärtsentwicklung, wenn da nicht die U18 wäre, die seit Jahren das Schmuddelkind des Verbandes darstellt.

Von den letzten zehn Turnieren verbrachte diese Altersstufe nur drei in der Division 1A (Weltrangliste 11 - 16), sonst war die Drittklassigkeit (1B vulgo C-WM) das übliche Habitat. Selbst Kaliber wie Benjamin Baumgartner, Marco Rossi oder David Reinbacher scheiterten daran, das Team eine Stufe höherzuheben.

Nach vier vergeblichen Versuchen gelang das erst unter Headcoach Philipp Pinter im Frühjahr 2023, unter ihm war auch der Klassenerhalt ein Jahr später kein Problem. Danach ging Pinter wieder, er hatte mit den Graz 99ers und dem U20-Team genug zu tun. Florian Mühlstein übernahm, das Ergebnis war desaströs:  Selbst gegen die äußerst limitierten Gastgeber und Slowenien folgte in Szekesfehervar der komplett unnötige Abstieg im letzten April.

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Coach Schweda hatte Startvorteil

Natürlich musste ÖEHV-Sportchef Roger Bader, der dieses Turnier wegen der WM-Vorbereitung nie vor Ort verfolgen kann, danach das Coach-Karussell wieder anwerfen: Auf Mühlstein, Pinter, Roger Öhman, Christian Dolezal, Andreas Brucker und Dieter Werfring (so die Coaches der letzten acht Turniere, zwei fielen wegen Corona aus) folgte Peter Schweda, im Hauptberuf beim ÖEHV für den Ligabetrieb zuständig. Als seine Assistenten fungieren Patrick Harand (zuletzt bei der U20) und Stefan Ulmer, der neben Goaliecoach Maximilian Wehrhan vom letzten Jahr wiederkommen durfte. Wesentlich mehr an Turniererfahrung als der Stab des Vorjahres.

Der Vorteil von Peter Schweda, früher auch am Aufbau der inzwischen wieder abgebauten Akademie in Wien mitbeteiligt: Er kennt alle Spieler aus seiner Tätigkeit als Auswahlcoach u. a. der U15- und U16-Teams, begann also nicht bei Null. Auch ein Grund, warum er den Endkader schon vor dem letzten und einzigen Testspiel gegen ein Fehervar-Nachwuchsteam benannte. Schweda zu seiner Selektion: “Der Grundstock war immer schon klar, im November und Februar haben sich dann noch ein paar Spieler rein- oder rausgespielt. Jetzt haben wir uns früh für den Endkader entschieden.”

Zwei Fixstarter stehen nicht zur Verfügung

Die beiden einzigen Fixstarter, die nicht zur Verfügung stehen: KAC-Defender Maximilian Petritsch (Schulter) und VSV-Forward Luca Fischer nach einer Meniskusoperation.

Elf der 23 Spieler im Kader sind “Unteragers”, sprich jünger als Jahrgang 2008. Hervorstechend dabei die beiden 2010er: Goalie Lucas Fritz, ein gebürtiger Tiroler, der mütterlicherseits auch über die australische Staatsbürgerschaft verfügt, spielt bereits für die U18 von Lukko Rauma. Er gilt als eines der größten Goalietalente der letzten Jahre. Center Niclas Micelli war bereits im letzten Jahr mit dabei, bringt als Center bereits jetzt Größe und Reichweite mit.

Neben Micelli weitere offensive Hoffnungsträger: Emil Wagner (Modo), Nico Koschek (RB Salzburg, der nach zwei Handbrüchen noch fit wurde) und der in der AlpsHL sehr auffällige Paul Schuster (ebenfalls Salzburg). Mit David Niederleitner wird sich ein weiterer Doppelstaatsbürger (Slowakei) für Österreich festspielen. Wie Koschek der jüngere Bruder eines ICE-Cracks: Luc van Ee (KAC).

Top-Spieler müssen performen

Die besten Spieler müssen natürlich auch am besten performen, was ihnen beim letzten Vorbereitungsturnier im Februar in St. Pölten nur teilweise gelang: Dabei geht es um die ICE-erprobten Paul Sintschnig (VSV), Johannes Dobrovolny (KAC) sowie Kapitän Jonathan Oschgan, die auf die beiden Top-Reihen aufgeteilt werden. Sintschnig und Oschgan waren gerade noch beim A-Team im Einsatz, müssen jetzt wieder lernen, ihre Qualitäten auf einem weit niedrigeren Niveau einzubringen. Schweda: “Wir sollten doch genügend Offensive über das ganze Lineup mitbringen. Grundsätzlich sind die beiden Jahrgänge 08 und 09 sehr gut.”

In der Defensive dürfte der Abstand zwischen dem stärksten und schwächsten Defender gering ausfallen, die Frage: Kann der eine oder andere auch herausragen? Die PP-Rollen gehen zunächst an Felix Baumann (RB Salzburg) und Lennart Leitner (KAC). Schweda geht jedenfalls mit sieben Defendern und 13 Forwards ins Turnier.

Im Tor wird Gabriel Lemberger (RB Salzburg, einer von mehreren gebürtigen Wienern) beginnen. Durchaus möglich aber, dass sowohl sein Vereinskollege Martin Haim als auch Fritz zum Einsatz kommen.

Frankreich kann auf vier U20-B-WM-Spieler setzen

Die Qualität der Konkurrenz? Wie immer auf diesem Niveau schwer vorauszusagen. Frankreich ist noch der größte Name, wird auch vier Spieler aufbieten, die zuletzt im U20-Team bei der B-WM nicht zu den schlechtesten gehörten. Italien setzt auf einige Spieler aus der Brunecker Akademie, dazu kommen dann noch Gastgeber Estland, Litauen und Südkorea. Nicht gerade der Stoff, aus dem die Eishockey-Träume sind, aber das ist halt die Drittklassigkeit, in die für die nächste Saison auch Japan wieder eindringt.

Wie immer gilt: Selbst ein starkes Team kann das ganze Turnier mit nur einer Niederlage wegwerfen – ein Schicksal, das die rot-weiß-rote U18-Equipe schon öfters erlebt hat.

Der Spielplan (österreichische Zeit):

25, April: 11.30 h Italien

26. April: 11.30 h Frankreich

28. April: 18.30 h Estland

30. April: 15 h Südkorea

1. Mai: 11.30 h Litauen

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