Die Extraligisten setzen sich in der Relegation auch in der Regel durch, nicht zuletzt weil sie in den maximal sieben Spielen auch viermal Heimvorteil haben. In den letzten vier Jahren gelang den Zweitligisten in 13 Spielen lediglich ein (!) Sieg, 2021 gab es mit Kladno letztmals einen Aufsteiger.
Die Zweitligisten wollen die dadurch quasi eingefrorene Extraliga schon länger nicht hinnehmen, plädieren auf den Direktaufstieg, wollen vor Gericht sogar ein eventuelles Kartellrecht bekämpfen.
Neue und alte Arenen
Was mich nach Jihlava und damit in die Zweitklassigkeit getrieben hat? Ganz einfach die neue Arena, die heuer nach drei Jahren Bauzeit eröffnet wurde. Sie bietet mehr als 5000 Zusehern Platz, liegt (am Ort des alten Eisstadions) völlig zentral und ist die nächste moderne Spielstätte in Tschechien.
In der nächsten Saison zieht Kometa Brno in ihre neue Arena, die über 13.000 Zusehern Platz bieten wird. Knapp die Hälfte der Extraligisten spielen dann in neueren oder zumindest komplett umgebauten Hallen. Das nächste Riesenprojekt wäre dann in Pardubice größte Halle Europas (für 22.000 Zuseher). Doch das lokale Team – derzeit Tabellenführer – machte schon jetzt klar, dass sie nur für Schlager- und Playoffspiele in diese überdimensionale Arena ausweichen würde. Die jetzige Halle bietet nämlich ohnehin schon mehr als 10.000 Fans Platz und liegt dazu im Zentrum.
Wer den Charme der alten Hallen aus dem Kommunismus den neuen Arenen vorzieht, wäre mit einem Besuch in Litvinov oder Pilzen gut beraten, wo steile Tribünen ausgezeichnete Sichtverhältnisse bieten. In der flachen Halle in Vitkovice sitzt man mitunter sehr weit weg, Hradec Kralove erinnert mit seiner runden Bauform eher an ein Radstadion. Die kleinen Hallen in der Skoda-Stadt Mlada Boleslav oder Olomouc sind weniger aufregend, Olomouc sogar regelrecht versifft.
Frühe Beginnzeiten
Wer als Grenzgänger aus Deutschland oder Österreich öfters Extraliga-Spiele besucht, könnte sich über die Beginnzeiten der Wochentagsspiele wundern, die zwischen 17 Uhr und spätestens 18.30 liegen.
Das ist teilweise noch eine Angewohnheit aus dem Kommunismus: Damals begannen alle Spiele entweder um 17 h oder spätestens um 17.30.
Der Grund dafür: Das Publikum setzte sich vor allem aus Fabriksarbeitern zusammen, deren Arbeit schon sehr früh begann, dafür auch schon gegen 15 Uhr enden konnte. Von Zuhause wären diese nicht mehr wegzubekommen, deswegen hat man mit den frühen Beginnzeiten darauf gesetzt, dass sie nach dem einen oder anderen Pivo geradewegs in die Hallen kämen.
In den Großstädten wie Prag oder Bratislava (das Gleiche gilt auch für die Slowakei) rückten die Startzeiten dann über die Jahre nach hinten, weil dort mehr Büroarbeiter zu finden waren. Industriestädte wie Mlada Boleslav, Litvinov (beide 17.30h) oder Trinec (17 h) halten allerdings weiter an den frühen Beginnzeiten fest, für Scouts bedeutet das ein früheres Heimkommen.
Lange Verträge
Apropos Scouting: Für Nicht-NHL-Scouts wird die Extraliga von Jahr zu Jahr uninteressanter. Einerseits stiegen die Gehälter in oft absurde Sphären, andrerseits werden Verträge schnell auf lange Zeit verlängert. Ein rechtsschießender ausländischer Defender, der einigermaßen punktet, wäre in dieser Liga ein Mann, der für die nächsten Jahre garantiert viel Geld verdienen könnte.
Aber Legionäre auf allen Positionen werden schnell vom Markt genommen: Sparta Praha spielt zwar eine reichliche schwache Saison (derzeit Siebter), die Verträge der im Sommer gekommenen Mark Pysyk (Defender, bereits 34) und Drew Shore (Center, 31) wurden vor kurzem bis 2028 verlängert.
Egal, wohin man schaut, sowohl Einheimische als auch Legionäre können sich über Vertragssicherheit erfreuen, der Ex-Linzer Marek Kalus hat in Vitkovice einen Kontrakt mit 2028. Cracks, die keine Leistung bringen, werden dagegen schnell aussortiert. Ein Beispiel von heuer: Brendan O´Donnell hielt sich beim Meister Kometa Brno nur neun Spiele, bevor er nach Mannheim weiterzog.
Oldies und Super-Oldie Jaromir Jagr
Das jährliche Comeback von Jaromir Jagr fand heuer in zwei Tranchen im Oktober (vier Spiele) und Dezember (zwei Spiele) statt, danach betrat der 53-jährige keine Eisfläche mehr. Die Gegner von Kladno freuen sich aber weiter darüber, dass er offiziell noch nicht zurückgetreten ist, die Auswärtsspiele sind im Vorverkauf immer gut gebucht.
Dabei könnte sich Jagr heuer mehr aufs Sportliche konzentrieren, wenn sein Körper noch mitmachen würde. In Kladno ist er seit Sommer nur mehr Mit- statt Haupteigentümer. Die neu in den Klub geflossenen Gelder verhinderten zwar eine abermalige Relegation (wie in drei der vier letzten Saisonen), doch als Tabellenzwölfter steht noch ein Zittern um den Einzug in die (Pre-)Playoffs an. Lediglich für den 13. ist die Saison nach 52 Spielen beendet.
Trinec hat zwar keinen 53-jährigen im Kader, dafür aber gleich drei 40-jährige: Winger Martin Ruzicka sowie die Center Petr Vrana und Vladimir Dravecky. Bei Dravecky besondern kurios: Sein Sohn, der im Gegensatz zum Vater international nicht für die Slowakei, sondern für Tschechien spielt, ist heuer erstmals draftberechtigt. Hoffentlich vertippt sich das NHL-Team, das ihn am Draft-Tag ziehen will, nicht bei der Auswahl des Spielers im Computer, die Vornamen wären nämlich auch die gleichen.
Auch an der Spitze der Scorerliste steht ein 40-jähriger: Roman Cervenka, der heuer Pardubice endlich zum Meistertitel führen soll. Er ist einer von sechs Extraliga-Cracks, die im Olympia-Aufgebot Tschechiens stehen.