Senna P. ist Österreichs neue Hockey-Hoffnung

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Seit Dezember hat Österreichs Eishockey einen neuen Junioren-Teamspieler: Senna Peeters stellte sich bei der U20-WM in Minsk gleich groß vor, war mit drei Toren und drei Assists sofort eine Schlüsselkraft beim Aufstieg in die A-Gruppe (die Einzelkritik zum Turnier>>>).

Der 17-jährige gebürtige Belgier ist durch seine Zeit in der Akademie von Red Bull Salzburg in Österreich verwurzelt. Momentan beeindruckt er die Beobachter bei den Halifax Mooseheads in der kanadischen QMJHL.

Ein Blick von LAOLA1-Experte Bernd Freimüller auf den Neo-Österreicher und dessen Draft-Chancen:

Einbürgerungen sind in Österreich schon vom Gesetz her schwerer als in anderen Ländern. Nicht nur deshalb sind sie in den letzten Jahren ziemlich auf den ÖEHV-Index geraten. Doch beim gebürtigen Belgier Peeters klappte es - Basis dafür waren Aufenthalte in Wien (Vater Gert coachte im Junioren-Bereich) und zwei Jahre an der Akademie in Salzburg.

Dort spielte er von 2016 bis 2018, aus dieser Zeit habe ich auch noch vier Reports, darunter einen vom ÖEHV-U16-Team (für Freundschaftsspiele ist kein Pass notwendig).

Die offensiven Skills waren immer offensichtlich, weswegen ich ihn auch als "Gottesgeschenk für ein schwaches 2002er-Team" bezeichnet habe. Seine Hände waren immer seine Trumpfkarte, sowohl bei Dekes als auch beim Torabschluss, der aus allen Situationen (Breakaways, Abfälscher, Schüsse) erfolgte.

Fragezeichen standen hinter seiner Beinarbeit und Defensive, die wie bei vielen jungen Offensivbringern oft vernachlässigt wurde. Mein Fazit damals: "Sollte Spieler mit durchschnittlicher Größe und sehr guten Händen werden."

In Krefeld gemeinsam mit Tim Stützle

Aber wie kam Peeters überhaupt nach Salzburg und von dort nach Übersee?

Wie sein Halbbruder Sam Verelst (gleiche Mutter, er spielt jetzt in Duisburg, zuvor aber auch in Hamburg in der DEL) übersiedelte Senna aus Belgien nach Deutschland, wo er in Krefeld Seite an Seite mit dem deutschen Jahrgangskollegen und Top-Draft-Prospect Tim Stützle spielte.

In den zwei Jahren in Salzburg war er natürlich eine Offensiv-Macht, 88 Punkte in 30 Spielen für die U18 sprechen eine Sprache für sich. Danach ging es nach Übersee – Peeters erklärt: "Eigentlich sollte es nach einem Eingangsjahr über die USHL Richtung College gehen. Nach einem Midget-Jahr in Connecticut habe ich mich aber für die Major Junior League entschieden."

Im Gegensatz zu Marco Rossi, für den es "Ottawa 67's oder nichts" hieß, ließ Peeters die Import-Draft auf sich zukommen. Aus dem Trio Kelowna, Sherbrooke oder Halifax kam schließlich Halifax zum Zug. Peeters: "Die QMJHL ist eine Skill-Liga, ich glaube das kommt mir auch zugute."

In die Top-Linie "gespült"

Die Saison in Halifax muss man in zwei Teile unterteilen. Knapp vor Weihnachten setzte nämlich eine Transfer-Welle ein, die selbst im Junioren-Bereich nur selten ist. Insgesamt gingen sieben Spieler, darunter die Top-Linie Trepanier-Groulx-Lavoie. Das brachte eine Unzahl von Draft Picks ein, die helfen aber nur für die nächsten Saisonen.

Aktuell kämpfen die Mooseheads um den Einzug in die Playoffs, obwohl 16 von 18 Teams den Sprung in die Postseason schaffen. Die Mooseheads liegen derzeit fünf Punkte hinter dem letzten Playoff-Team Gatineau, allerdings bei einem Spiel weniger (TABELLEN > > >).

Das Problem bei der Aufholjagd: In der Maritimes Division, in der die Mooseheads angesiedelt sind, spielen einige der stärksten Q-Teams, Punkte gegen diese hängen also hoch.

Peeters während seiner Zeit in Salzburg
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Durch die vielen Abgänge rückte Peeters in die Top-Linie und das erste Powerplay-Unit auf, kam auch auf eine Serie von vier Spielen, in denen er jeweils traf.

Fast alle seiner 19 Treffer (9 Powerplay-Tore, 2 Gamewinning-Treffer, 9 Assists in bisher 50 Saison-Spielen) erzielte die Nummer 82 der Mooseheads knapp um das Tor herum, entweder aus Rebounds, Loose Pucks oder Deflections. Auch für Österreichs Nationalteam in Minsk zeigte der Flügel bei der U20-WM schnelle Hände um das Tor herum, vor allem Peeters Abfälscher im Schlüsselspiel gegen die Slowenen war fast Vanek-like.

Für einen nicht übermäßig körperlich starken Spieler zeigt der in Deurne, einem Stadtteil im Osten von Antwerpen in Belgien geborene Youngster, keine Angst vor den "Dirty Areas".

Sieht sich der Neo-Österreicher als reiner Goalgetter? "Derzeit schon, der Coach sagt mir auch, dass ich mich immer zum Tor hin orientieren soll. Aber bis heuer war ich genauso ein Vorbereiter."

Ambitionierte Draft-Hoffnung

Mit 18 NHL-Teams hatte er bisher mehr oder weniger zwanglose Gespräche, bis Saisonende werden noch einige folgen. Seine Erwartungen für den Draft: "Vielleicht zwischen der zweiten und vierten Runde." Für meinen Geschmack sehr ambitioniert, aber an einem gesunden Selbstbewusstsein mangelte es Peeters noch nie und eine gute zweite Saisonhälfte kann ihn sich noch nach oben bringen.

Woran gilt es an seinem Spiel noch zu feilen? "An allem natürlich, vor allem aber am Defensiv-Verhalten, das ich früher halt vernachlässigen konnte."

Wann sehen die österreichischen Fans Peeters, der heuer auch sein letztes Highschool-Jahr absolviert, wieder im Nationaltrikot? Bei der U18-WM in Asiago, die sich eventuell auch bei einem frühen Ausscheiden in der ersten Playoff-Runde ausginge? "Ich weiß es noch nicht, möchte mich jetzt einmal auf das Playoff-Rennen konzentrieren."

Im Kampf um den Wiederaufstieg unter die Top-16 der Welt, an dem Rossi, Baumgartner, Nickl und Co. dreimal in Folge scheiterten, könnten Peeters-Tore den Unterschied ausmachen...

Textquelle: © LAOLA1.at

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