Wer steht hinter dem Projekt Mailand?
Vor allem zwei Personen bzw. Gruppen: Die Kryptowährungsfirma "House of Doge" sowie das Unternehmen "intercom/Dr. Leitner GmbH" aus Sterzing (Südtirol). Unterstützt wird das Ganze vom italienischen Verband.
Was kann man sich unter diesen Namen vorstellen?
"House of Doge" vertreibt die Kryptowährung Dogecoin, will laut ihrer Homepage diese zur Kryptowährung Nr. 1 am Weltmarkt machen. Ihre Beziehung zum Sport? Beteiligungen seit November 2025 am Schweizer Swiss League-Grunddurchgangssieger HC Sierre sowie seit September 2025 beim italienischen Serie-C-Fußballteam Triestina Calcio.
Christof Leitner, der das Projekt in Villach auch vorstellen durfte, war mit seiner Marke "Realice – Ice Rink Technologien" für die Erbauung der Eisanlagen für die Olympischen Winterspiele in Mailand zuständig.
Als Erster antichambrierte in dieser Sache Andrea Gios, der Präsident des italienischen Eishockeyverbandes. Er war auch beim ICE-Engagement von Asiago, das nach drei unglücklichen Saisonen endete, der Antreiber.
Die potenzielle Spielstätte?
Derzeit das größte Fragezeichen, konkret ist nämlich nichts: In der kleineren der beiden Olympia-Eishallen auf dem Messegelände Rho wird wegen einer Möbelausstellung das Eis abgetragen. Die Eisanlage sowie die Tribünen könnten dann anderweits auf dem Messegelände wieder aufgebaut werden. Einen konkreten Zeitablauf gibt es dafür aber nirgends.
Eher unvorstellbar, dass bei einer eventuellen Abstimmung eine bereits bespielbare Halle vorgezeigt werden kann. Bei einer positiven Abstimmung soll die temporäre Halle mit 4000 Plätzen in den nächsten Jahren einer Vollversion (ebenfalls in Rho) weichen.
Weder Name noch sportliche Leitung
Sonst gibt es noch nicht viel Konkretes, weder einen Teamnamen noch irgendwelche sportlichen Handlungsträger. Das Ganze wirkt, als ob die beiden Seiten – ICE-Teilnehmer bzw. das Projekt Eishockey Mailand – auf Zusagen der anderen Seite warten. Dass sich Chris McSorley, der in der Schweiz schon seit Jahren Business mit Sport verbindet und auch in Sierre an vorderster Front steht, hier einbringen würde, wäre für mich keine Überraschung.
Das Thema Mailand gärt schon seit einiger Zeit, angeblich ist die Stadt nach Olympia für Inventionen bereit. "Jetzt oder nie" ist der Weckruf, eine – wohl anzuratende Aufbauzeit von einem Jahr – wird daher von Seiten des Bewerbers ausgeschlossen.
Deadlines?
Gibt es natürlich keine. Die ICE-Vereinsvertreter beschlossen vor Jahren eine Meldefrist vom 15. Jänner, um so das jährliche Sommergerangel abzuschaffen. Diese Frist hielt bestenfalls zwei Jahre, schon in der letzten Saison zog sich das Thema Ferencvaros bis ins späte Frühjahr. Bis Saisonende will man von Seiten der Liga zumindest konkretere Informationen haben, aber eine Abstimmung der zwölf Teams (FTC ist noch ausgeschlossen) kann jederzeit stattfinden.
Für die ICE ist eine Organisation ohne jeglichen Unterbau – Teams wie die Bratislava Capitals oder FTC bestanden immerhin schon – aus zwei Gründen ein Thema: Erstens ist Mailand eine Großstadt, zweitens ist man aufgrund des Mangels an Sponsoren und lukrativen TV-Einnahmen immer auf der Suche nach Geldgebern.
Teams wie FTC oder eben Mailand müssen für ein Engagement, das auf Probe auf zwei Jahre, bei Gelingen auf weitere zwei Saisonen angelegt ist, nicht nur eine Eintrittsgebühr, sondern auch eine Sponsorengarantie (entweder in bar oder mit unterschriebenen Verträgen) abgeben. Wie in der NHL ist auch in der ICE eine Art Expansion Fee Teil des Geschäftsmodells.
Die Erfolgschancen?
So richtig überzeugend war die Vorstellung am Samstag nicht, zu viele Fragen sind noch offen. Die Ligavertreter sind bei Bewerbungen, die vor allem auf Versprechungen basieren, seit Asiago vorsichtiger geworden. Andrerseits lockt das Geld und der Name Mailand.
Die Erfolgschancen für eine Teilnahme werden von mehreren Seiten als bestenfalls 50 % angegeben, teilweise noch weit darunter. Doch das Thema wird parallel zu den ICE-Playoffs weiter am Köcheln bleiben.