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Red Bull Salzburg und der Trend zu Defender-Legionären

Die Top-6-Defender der "Roten Bullen" beim Viertelfinal-Auftakt waren allesamt Spieler auf Legionär-Lizenzen - ein in Europa wohl einzigartiges Phänomen.

Red Bull Salzburg und der Trend zu Defender-Legionären Foto: © GEPA

Die Roten Bullen gingen mit sechs Verteidigern auf Ausländer-Lizenzen in die Playoffs, was allerdings die 2:3-Heimniederlage nach Overtime gegen Pustertal nicht verhinderte.

Damit stehen sie nicht nur in der Liga, sondern in ganz Europa, alleine da. Allerdings ein Trend, der sich schon über die letzten Jahre abzeichnete. Die Details dazu:

Devante Stephans-Connor Corchoran

Cole Krygier-Nash Nienhuis

Dennis Robertson-Tyler Lewington

So die Top-6-Defender der Roten Bullen am ersten Viertelfinal-Abend – ein Lineup, das einem AHL- (und damit ist nicht die AlpsHL gemeint) Spielbericht entnommen sein könnte.

Zur Erklärung allerdings: Nienhuis gilt in seiner zweiten Saison in Salzburg immer noch als Ausländer, erst in der nächsten Spielzeit kommt sein österreichischer Pass zum Tragen. Das wäre in keiner anderen Liga so, dort gilt der Pass und keine künstlichen Regeln.

Akademie-Verteidiger nur in der Regular Season

Akademie-Verteidiger nur in der Regular Season

Danach kämen Lukas Hörl (derzeit verletzt), Philip Wimmer (mit 24 Jahren und nach zwei A-WMs wieder im Farmteam aktiv) und Alexander Rebernig, der gestern den siebten (eiszeitlosen) Defender gab. Cole Krygier wurde am 5. Februar nachverpflichtet, da war Hörl, der bis dahin eine blitzsaubere Saison gespielt hatte, noch fit.

Zu glauben, dass diesem oder Wimmer zumindest der sechste Defender-Platz reserviert gewesen wäre, wäre hochgradig naiv. Was Salzburg-Coach Manny Viveiros in seiner früheren Tätigkeit als Nationaltrainer wohl dazu gesagt hätte?

Akademie-Verteidiger sind in Salzburg in der Ersten nur während der Regular Season gerne gesehen, vor allem bei Verletzungen. Spätestens zum Playoff-Start müssen sie sich mit Eiszeit-Brotsamen, der AlpsHL oder einem Platz auf der Tribüne zufrieden geben. Der Trend ging dabei in den letzten Jahren in eine klare Richtung:

2020/21 (die letzte Saison ohne Meistertitel, vier Legionäre)

Taylor Chorney und Derek Joslin wurden zur Trade Deadline um Alexander Urbom und Stepan Espeland ergänzt. Punktetechnisch mussten für sie Daniel Jakubitzka und Layne Viveiros weichen.

Dazu kamen mit Dominique Heinrich und Alexander Pallestrang zwei Teamspieler. Lukas Schreier – im Laufe der Jahre zum Stürmer umgeschult – war der siebte Defender.

2021/22 (der erste von vier Meistertiteln, vier Legionäre)

TJ Brennan, Keegan Kanzig (der Mann fürs Grobe), und Vincent LoVerde waren über die Saison die drei Legionärsdefender, vor den Playoffs wurde noch Mike Dalhuisen verpflichtet.

Heinrich und Pallestrang rundeten wieder die Top-6-ab, Kilian Zündel durfte den siebten Defender geben.

2022/23 (fünf Legionäre)

Chay Genoway, Dennis Robertson sowie die beiden physischen Defender Andrew MacWilliam und Tyler Lewington waren schon während der Saison gesetzt, vor den Playoffs kam Rückkehrer Martin Stajnoch dazu.

Erstmals wurde das Legionärskontingent auf fünf erhöht, dazu kam Teamspieler Heinrich in seinem letzten Dienstjahr. Paul Stapelfeldt gab erstmals den siebten Defender mit vorwiegend PK-Einsätzen.

2023/24 (sechs Legionäre)

Genoway, Lewington und Robertson waren geblieben, dazu kam Offensiv-Spezialist Ryan Murphy. Philip Sinn - ein in der Akademie ausgebildeter Deutscher - setze sich erstmals fest.

Vor den Playoffs dann der jährliche Zukauf mit Cameron Schilling, erstmals waren alle sechs Top-Spots an Ausländer vergeben. Stapelfeldt war wieder siebter Mann.

2024/25 (sechs Legionäre)

Genoway, Lewington, Robertson, Murphy und Sinn blieben, damit waren schon während der Regular Season fünf Plätze an reine Legionäre vergeben.

Doppelstaatsbürger Nash Nienhuis gab den sechsten, Stapelfeldt den siebten Defender, rückte aber nach drei Playoff-Spielen aufgrund der Verletzung von Chay Genoway nach vorne. Lukas Hörl und Philipp Wimmer rutschten als Backup-Defender auf den Spielbericht.

2025/26 (sechs Legionäre)

Robertson, Lewington und Nienhuis blieben aus der Vorsaison, dazu kamen im Sommer Corcoran (guter Beginn, dann nachgelassen) und Stephens. Fünf Ausländerlizenzen waren damit durchgehend belegt, Krygier kam Anfang Februar dazu, rundete das Abwehr-Sextett ab.

Philip Sinn war im Sommer konzernintern nach München gewechselt, ist damit der einzige Akademie-Defender der letzte Jahre unter den Top-6-Defendern in Salzburg oder München. Zündel und Stapelfeldt hatten von dem Zirkus über Jahre genug, wechselten (über Umwege bei Zündel) nach Graz.

Was wird die Zukunft bringen?

Bei vier Meistertiteln in Folge hat man alles richtig gemacht, der Zweck dürfte die Mittel heiligen. Allerdings: Sowohl auf der Goalieposition (keiner der vier Top-Torhüter in Salzburg oder München entspringt der Akademie) als auch in der Defensive bildete man in den letzten Jahren fast nur für andere Teams aus.

Nash Nienhuis gilt eben ab Sommer als Österreicher – auch er kein Akademie-Spieler, aber immerhin kann er dann als Einheimischer als Feigenblatt herhalten. Fünf "echte" Legionäre neben ihm würden auch spätestens zu den Playoffs in den nächsten Jahren nicht überraschen.

Hörl, Wimmer (leider mit vielen Ausfällen), Rebernig, Fabian Baumann und Jakob Schnabl – allesamt ÖEHV-Nachwuchsteamspieler – werden natürlich eine rosige Zukunft vorgegaukelt bekommen.

Ob sie an diese wirklich glauben wollen, müssen sie selbst entscheiden. Maximilian Kirchebner – im U20-Nationalteam eine Stütze - hat jedenfalls schon genug gehört, verändert sich daher auch ligaintern in der nächsten Saison.

Der eine baut den Nachwuchs ein, der andere kassiert die ICE-Titel ein

So bleiben den Eigenbauspielern Spiele im Farmteam, dazu Teileinsätze in der Ersten (eben bis zu den Playoffs) und die gute Rundumbetreuung bei den Roten Bullen – nicht jeder Crack kann in Graz unterkommen. Jobs bei den Pioneers oder Innsbruck würden zwar mehr Eiszeit, aber auch schlechtere Rundum-Bedingungen garantieren. 

Da bleiben Cracks halt gerne solange in der Mozartstadt, bis ihnen der Stuhl vor die Tür gestellt wird und die nächste Generation mit großen Hoffnungen heranwächst.

Das Ganze ad nauseam, die einzigen beiden Akademie-Spieler, die gestern wirklich Eiszeit bekamen, waren Flo Baltram (mittlerweile 28) und Schreier (26). Defender-Spots sind in den Playoffs eben seit fünf Jahren Legionären oder Routiniers vorbehalten.

Ein frappanter Unterschied zum Finalgegner der letzten Jahre KAC, allerdings: Der eine baut den Nachwuchs ein, der andere kassiert die ICE-Titel ein...

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