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ICE-Halbfinale: Ein Blick auf die Schlüsselspieler

Vier Teams aus vier verschiedenen Ländern duellieren sich um den Finaleinzug. LAOLA1-Scout Bernd Freimüller analysiert und gibt erste Einblicke.

ICE-Halbfinale: Ein Blick auf die Schlüsselspieler Foto: © GEPA

Weiter geht's in der Win2day ICE Hockey League!

Es ist der Auftakt zu den Semifinali, mit einem überraschenden und so internationalen Teilnehmerfeld wie noch nie.

Ein Blick auf einige Schlüsselspieler der beiden Serien: 

Graz 99ers (1. im Grunddurchgang) gegen Fehervar AV19 (10.)

Graz 99ers (1. im Grunddurchgang) gegen Fehervar AV19 (10.)

Der gesamte Grazer Kader

Hört sich zwar nichtssagend an, ist aber ein großes Plus gegenüber allen anderen Teilnehmern: Die 99ers haben sich im Lauf der Saison Fett angefressen und verfügen nunmehr über einen Überhang von zwei Imports und einem Domestic Player. 

Verletzungen oder Formschwächen spielen daher für sie kaum eine Rolle. Schon im Viertelfinale rotierten Marcus Vela, Nick Bailen (nach langer Verletzung wieder fit), Anders Koch, Kilian Zündel, Lukas Kainz oder Kevin Conley in oder aus dem Lineup, ohne dass ein Qualitätsunterschied zu bemerken war. 

Bei Fehervar fehlen dagegen Martin Stajnoch, Istvan Bartalis, Drake Rymsha oder Balazs Varga schon seit langem. Sieben Defendern stehen genau noch die letzten zwölf Stürmer gegenüber, weitere Ausfälle würden wohl ein verkürztes Lineup bedeuten. 

Maxime Legace vs. Rasmus Reijola 

Graz gibt ohnehin wenig Großchancen an die Gegner her, dazu kommt noch, dass im Gegensatz zur Vorsaison Maxime Legace zu Key Saves in der Lage ist. Technisch solide, kompakt, aber auch beweglich – es macht Spaß ihm zuzusehen. 

Rasmus Reijola muss schon seit Wochen das Fort alleine halten, sein heuer überaus verletzungsanfälliger Stellvertreter Dominik Horvath spielte zuletzt am 21. Februar. In der Serie gegen den KAC rettete er sich mitunter mit seiner Größe und seinem Stellungsspiel (viel reverse VH) über große Druckphasen. Aber vor allem im Laufe einer längeren Serie könnten ihn die zusätzlichen Playoff-Spiele (neun gegenüber vier der Grazer) weiter an seine körperlichen Grenzen bringen. 

Offensivträger 

Fehervar überstand die Serien gegen die Caps und den KAC vor allem deshalb, weil Cracks wie Janos Hari oder Trevor Cheek nach überschaubaren Grunddurchgängen wieder zum Leben erwachten. Aber die 50 Treffer Unterschied nach 48 Runden kamen nicht von ungefähr. Fehervar tut sich immer noch schwer, Offensive zu kreieren, während die 99ers unter Dan Lacrois zielgerichteter auftreten als zuvor. 

Von Highscorer Lukas Haudum, Top-Torjäger Chris Collins (nicht immer unumstritten) bis tief ins Lineup (drei starke Linien) hinunter – die 99ers bekommen von überall genug Offensive. Sogar ein Defensiv-Defender wie Nachverpflichtung Kasper Kotkansalo macht aus den ihm aus der Liiga und SHL völlig unbekannten Offensivfreiheiten das Maximum und scort jetzt sogar tief im gegnerischen Drittel.   

Teamspeed

Spät, aber doch lernten die Ungarn unter Ted Dent ihr Manko besser zu kaschieren: Sie machten die Mittelzone besser zu, ließen die Gegner mit weniger Speed ins Drittel kommen. Umgekehrt profitierten sie von Überraschungsangriffen sowie einem erstarkten Powerplay. 

Die 99ers sollten aber individuell und als Gesamteinheit eine höhere Pace anschlagen können, lediglich das erste Spiel nach langer Untätigkeit könnte hier etwas zäh werden. Auch gegen den VSV war das die einzige Zitterpartie.

HC Pustertal (5.)– Olympija Ljubljana (6.)

HC Pustertal (5.)– Olympija Ljubljana (6.)
Olimpija Ljubljana hat sich zuvor souverän gegen Bozen durchgesetzt.
Foto: ©GEPA

Routine im Kasten 

HCP-Goalie Eddie Pasquale tat die lange Pause seit dem Viertelfinale sicher gut, er konnte sich von den knappen Spielen gegen Salzburg körperlich und mental erholen.

Dustin Tokarski wirkte nach seinem Spätengagement noch etwas rostig (wie in Frankfurt), steigerte sich im Verlauf der Serie aber und war vor allem im letzten Spiel in Bozen der Siegesgarant.

Ein 35-jähriger (Pasquale) trifft auf einen 36-jährigen (Tokarski), die Backups Rabanser und Kolin werden wohl nur bei Verletzungen oder klaren Spielständen zum Einsatz kommen. 

Jason Jaspers vs. Ben Cooper

In Bruneck gab die Führungsriege in der letzten Saison für einmal dem geifernden Mob nicht nach und behielt Jaspers und seinen gewichtigen Co Kohl Schultz im Amt. Das Resultat ist das Halbfinale heuer und ein langfristiger Vertrag für beide Coaches.

Jaspers gehört nicht zu den großen Philosophen der ICE, die sich gerne selbst reden hören. Er schafft es aber, aus seiner routinierten Truppe vor allem jetzt das Maximum herauszuholen. 

Der in Salzburg sträflich unterschätzte Cooper schaffte die Umstellung vom Assistant zum Headcoach (mit zwei Jahren Erfahrung in Dänemark allerdings) spielend und zeigte sich auch anpassungsfähig.

Zwar spielt er gerne aggressives Hockey, doch bei Personalknappheit wie zum Schluss gegen Bozen kann sich seine Truppe auch in ein passiveres System zurückziehen.  Die Wagenburgtaktik in Spiel fünf ging dann auch dank eines überragenden Tokarski auf. 

Genügend Firepower bei den Drachen?

Marcel Mahkovec steigerte sich bei Olympija von Jahr zu Jahr, war in der Serie gegen Bozen auch der Siegesgarant. Doch neben ihm müssen auch andere Leute treffen, sonst wird die Suppe schnell dünn. Zach Boychuk, Jan Drozg (versäumte das letzte Spiel), Nicolai Mayer und Alex Petan sind die weiteren offensiven Hoffnungsträger, die Arbeit des verletzten Evan Polei um das Tor herum wird aber abgehen. 

Der HCP könnte vielleicht etwas breiter aufgestellt sein - drei Linien sollten für Tore gut sein, zuletzt erzielte auch der offensiv limitierte Viertlinien-Center Raphael Andergassen ein wichtiges Overtime-Tor.

Tommy Purdeller, Cole Bardreau und der pfeilschnelle Henry Bowlby sind die potentiellen Torschützen, Austin Rueschhoff, Nick Saracino und Mikael Frycklund (Gerüchte um eine Heimkehr nach Schweden stehen im Raum) haben noch Luft nach oben. 

Herren der blauen Linie

T. J.  Brennan, gerade erst zum Liga-MVP gewählt, wird das Eis nur selten verlassen, vor allem im Powerplay ist er für mindestens 90 Sekunden gut. Seine Firepower bringt auf der anderen Seite Jon Blum nicht mit, der wurde dafür von Greg DiTomaso im Saisonverlauf immer besser im PP entlastet. 

Ein zusätzliches Trumpfass für Olympija, die auf Bine Masic und Clayton Kirichenko verzichten müssen: Reid McNeill, zur Deadline aus Frankfurt gekommen – dort ein Defensiv-Defender, hier ohne Anpassungsprobleme auch mit einigen offensiven Beiträgen. 

Übersicht: Die ersten Drehungen des ICE-Transfer-Karussells

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