Saisonvorschau

HC Bozen: Mit einer runderneuerten Defensive in die Saison

Die Südtiroler sind in den letzten Jahren ein Dauergast in den Top 6. Heuer fiel der Umbruch doch größer aus als gewohnt. Saisonvorschau:

HC Bozen: Mit einer runderneuerten Defensive in die Saison Foto: © GEPA

Der HC Bozen spielte in den letzten Jahren in der win2day ICE Hockey League immer vorne mit. Für den großen Wurf reichte es dennoch zuletzt nie. Heuer gab es dann doch mehr Änderungen als in den letzten Jahren.

Doch was ist von den Südtirolern in der kommenden Spielzeit zu erwarten?

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller liefert die Antwort in seiner traditionellen Saisonvorschau:

Ein Blick zurück

Wie in jeder der letzten vier Saisonen sprang ein ungefährdeter Top-6-Platz heraus.

Danach folgte für den Vierplatzieren aber ein jähes Erwachen im Viertelfinale gegen Ljubljana – die Spiele waren zwar knapp, der Serien-Endstand von 1-4 allerdings nicht.

Im Sommer folgten dann mehr Änderungen als gewohnt: Neben den üblichen Legionärsrochaden und einem Trainerwechsel (in der letzten Saison verbrauchte GM Dieter Knoll mit Kurt Kleinendorst und Doug Shedden zwei Oldies) wurde auch der heimischen Stamm erneuert.

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Ausrufezeichen des Kaders

Auch wenn mit Jason Seed, Dylan Di Perna, Enrico Miglioranzi, Pascal Brunner und Kapitän Daniel Frank gleich fünf Einheimische abwanderten oder in Pension gingen, ist der Kern immer noch stark.

Dustin Gazley (mit 37 immer noch ein glänzender Skater), der neue Kapitän Luca Frigo, Daniel Mantenuto, Cristiano DiGiacinto und Bryce Misley sind schon seit Jahren in der Liga bewährte Einheimische, dazu spielt Matt Bradley (schlug Angebote aus Ljubljana und Wien aus)  heuer auch erstmals in der Liga als Italiener.

Das sind im Angriff schon sechs Routiners, bevor man über die Imports und neuen Einheimischen diskutiert.

Von den Legionären der Vorsaison wurden nur Brad McClure und Cole Schneider bestätigt. McClure, der auch privat sein Glück in Südtirol gefunden hat, präsentierte sich nach zwei verletzungsgeplagten Spielzeit wieder runderneuert, seine 31 Treffer im Grunddurchgang waren Ligabestwert.

Cole Schneider erwies sich als erwarteter Charakterspieler und Punktesammler – bedauerlich vielleicht auch für ihn, sicher aber für den HCB, dass der jetzt 36-jährige erst im höheren Alter den Weg nach Bozen (und das nach einem Umweg über Norwegen) fand. Mit Turner Elson (solider Zwei-Weg-Forward) und dem baumlangen Isaac Ratcliffe kamen zwei neue Nordamerikaner für die ersten beiden Linien.

Wenn man für zwei Goalies zwei Ausländerlizenzen opfert, müssen sie performen. Sam Harvey, dessen Leistungen etwas, aber nicht dramatisch, zurückgingen, musste gehen, Gianluca Vallini zog den Einserposten am Ritten dem Backup-Job in Bozen vor.

Da auch Jake Smith absagte, wanderte die eingesparte Bradley-Legionärlizenz quasi in den Kasten. Mit Louis Domingue kam ein Mann mit einer großen Vita, allerdings laborierte der 34-jährige in der Preseason unter Kniebeschwerden.

Backup Marco Costantini (24) spielte schon einmal kurz für Asiago, sein Einheimischen-Status in der Liga wird aber erst in zwei Jahren aktiv. Auf dem Papier ein gutes Duo (ein Routinier und ein jüngerer ECHLer).

Fragezeichen des Kaders

Fragezeichen des Kaders
Im vergangenen Jahr scheiterte man an Ljubljana.
Foto: ©GEPA

Die Defensive musste runderneuert werden, nicht ganz freiwillig – zumindest der bärenstarke Max Gildon wäre wieder willkommen gewesen. Auf dem Papier ergeben sich zwei Legionärspärchen – PP-Spezialist Zac Leslie bzw. Pucktransporter Teemu Kivihalme (ohne jegliche physische Präsenz) gepaart mit dem baumlangen Jackson van de Leest und AHL-Routinier Blake Hillman.

Der aus der AlpsHL gekommene WM-Teilnehmer Carmine Buono wäre dann das Bindeglied zu den Jungspunden Noah Frick und Enrico Larcher, der letzte Saison wenigstens ein wenig Erfahrung sammlen durfte. Mit der Tiefe der Vorjahre ist das nicht zu vergleichen.

Knoll wollte heuer offenbar die Versäumnisse der letzten Jahre in einem Aufwasch aufholen. Larcher und der 19-jährige Frick sowie Buono müssen in der Defensive performen, im Angriff mit AHL-Goalgetter Daniel Gellon, Jakob Fuchs und Nicolo Remolato drei weitere neue Einheimische.

Bis auf Buono alles sogar Südtiroler oder gar Bozner. Bei nur sieben Defendern und 13 Stürmern müssen sie auch spielen. Können sie alle Ligatauglichkeit nachweisen oder bringen sie gar frischen Wind in eine angegraute Truppe?

Erst im Anfang August wurde Antti Karhula als neuer Coach bekanntgegeben und das durchaus zeitnah zu seiner Unterschrift. Der Trainermarkt präsentiert sich überschaubar.

Kann Karhula, der in Szekesfehervar und Ljubljana durchaus attraktives Tempo-Eishockey spielen ließ, bestätigen, dass er nicht nur ein Überbleibsel der Trainerliste war?

Seine Hauptaufgabe wird sicher sein, die Routiniers auf seine Linie einzuschwören, gleichzeitig aber die jüngeren Spieler wirklich einzusetzen.

Hier könnte nachgerüstet werden

Hier könnte nachgerüstet werden
Headcoach Antti Karula.
Foto: ©IMAGO / Daniel Scharinger

Alle Legionärsplätze sind belegt. Nur Verletzungen (Domingue) oder schwache Leistungen könnten Täusche nötig machen, der Einheimischenmarkt wurde schon im Sommer abgegrast.

Theoretisch wäre auch eine Rochade 11. Legionär/einheimischer Backup-Goalie nur auf dem Papier möglich.

Ausblick

In zwölf der 13 EBEL- oder ICE-Saisonen fand sich der HC Bozen unter den Top-6-Teams wieder - eine unglaubliche Konstanz. Kann diese auch heuer mit geringerer Kadertiefe erreicht werden? erreicht werden? Von den Spitzenteams des Vorjahrs könnten die Füchse der größte Wackelkandidat sein...

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