Woran es in dieser EBEL-Saison beim VSV haperte

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Ein neuer Sponsor, der durch eine finanzielle Krise half, aus der Not eine Tugend gemacht und mit "österreichischer" Mannschaft in die EBEL-Saison 2018/19 gegangen: Am Ende gibt es beim VSV trotz positiver Herangehensweise an eine schwierige Spielzeit keine positive Überraschung.

Nach nur 36 Punkten aus den 44 Runden des Grunddurchgangs schnupperten die Adler in der Qualification-Round zwischenzeitlich doch noch leicht an den Playoff-Chancen, am Ende mussten erwartungsgemäß schon Mitte März die Urlaubsbuchungen erfolgen.

Woran der VSV zwischen Legionärs-Knappheit und viel Bewegung im Vorstand in diesem Jahr scheiterte, hat LAOLA1-Scout Bernd Freimüller zusammengefasst.

Woran fehlte es?

Quantität: Schon von Beginn an war das Personalkostüm sehr eng gestrickt, vier Linien waren nur bei Vollbesetzung aufzustellen. Kein Wunder, dass die besten Leistungen und Ergebnisse zu Beginn und nach später Aufstockung des Personals gegen Ende der Saison zu sehen waren.

Die Gründe für diesen Notstand? Die Legionärsanzahl lag weit unter der der Konkurrenz und das keineswegs freiwillig: Sie war eine Bedingung des Geldgebers, der den Verein im Sommer mit einer Finanzspritze vor dem Ende bewahrte. Daher auch immer die neckische Formulierung "8+1" bezüglich des Ausländer-Kontingents, selbst Goalie Dan Bakala musste nach dem Abgang von Lukas Herzog und David Kickert als zusätzlicher Legionär ausverhandelt werden.

Das kann nur gutgehen, wenn man über einen großen und guten Österreicher-Stamm verfügt – doch Spieler wie Markus Schlacher, Stefan Bacher, Nico Brunner und Patrick Spannring (öfters verletzt) sind halt keine offensiven Difference Maker. Die zugeholten Felix Maxa, Bernd Wolf und Alexander Lahoda erfüllten die Erwartungen, ohne natürlich den mit den ersten Verletzungen einsetzenden Negativtrend umdrehen zu können. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, der einst hochgepriesene Villacher Nachwuchs ist auch in den Junioren-Nationalteams eher spärlich und in Nebenrollen vertreten.

Qualität (der Legionäre): Es hätten schon alle Gastarbeiter einschlagen müssen, um eine erfolgreiche Saison zu spielen. Gute Noten verdienten sich aber nur Jamie Fraser, Jerry Pollastrone, Bakala (trotz eines Hängers zur Saisonmitte) und bereits mit größeren Abstrichen MacGregor Sharp. Matt Pelech erfüllte seine Rolle als Härtling, genau das Gegenteil zum die Ecken scheuenden Jason DeSantis. Am anderen Ende der Skala fanden sich Corey Trivino (bald aussortiert), Brandon Alderson (zu wenig dynamisch) und Blaine Down (das berühmte Jahr zu viel). Dass einige von ihnen ins Billigsegment fielen und da viel Glück gebraucht wird, war schnell vergessen, Alderson hätte aber nicht unbedingt passieren müssen.

Die Torausbeute: War logischerweise die Konsequenz dieser Faktoren – sowohl nach 44 Runden als auch nach der Qualifikationsrunde erzielte der VSV die wenigsten Tore, zu viele Spiele gingen knapp verloren. Einen unorganisierten oder willenlosen Eindruck hinterließ das Team aber nur selten.

Führungsrochaden: Auf Ulf Wallisch folgte Gerald Rauchenwald als Vereins-Capo, Vorstandmitglieder, Finanzreferenten und auch Nachwuchs-Chefs kamen und gingen – selbst Szenekenner brauchten einen Besetzungszettel, um den steten Änderungen folgen zu können. Erklärt das den Tabellenplatz? Nein. Doch die Saisonvorgaben waren schnell vergessen und zu wenig nach außen kommuniziert, die Rückholaktion von Publikumsliebling Kenny Strong hatte auch nur kurzfristigen Placebo-Effekt. Welche Stationen seiner Trainerkarriere einen großen Input versprochen hätten, ist bis heute nicht klar.

Die Konsequenzen

Der Volkszorn entlud sich schnell an Gerhard Unterluggauer, dessen Doppelfunktion als Coach und Sportdirektor ihn natürlich angreifbar machte, aber keineswegs ungewöhnlich war. Aber klarerweise stand er in der Verantwortung, sein guter Ruf aus Heilbronn war schnell vergessen. Die Konsequenz der Saison: Unterluggauer macht (vorläufig) als Sportmanager weiter, sondiert sowohl den Spieler- als auch den Trainermarkt und unterbreitet Rauchenwald seine Vorschläge. Agentenaussagen zufolge stehen zumindest für einige Legionäre bessere Mittel zur Verfügung, bei der Anzahl orientiert man sich an der Höchstgrenze von elf. Neben Fraser und Pollastrone haben auch DeSantis und Yann Sauve (für mich eine übereilte Verlängerung) noch Verträge. Der Österreicher-Stamm (im Laufe der Saison um Patrick Stückler, Kevin Szabad und Adis Alagic erweitert) bedarf aber auch noch einer Auffrischung. Erwarte als Coach eher einen routinierten Mann, diesmal ohne Villach-Bezug – abzuwarten, wie sehr dieser sich bei der Legionärsauswahl einbringt und wie.

Egal, wer hinter der Bande steht: Die Zeiten von Villach als österreichisches Top-Team sind schon lange vorbei, was nur unzureichend kommuniziert wurde. Natürlich sind Ausreißer wie bei Graz heuer (mit zwölf Legionären) immer möglich, aber Playoff-Einzüge werden auch in Zukunft selbst bei einer Budget-Aufstockung ein hohes Ziel bleiben. Unterluggauer – nie als "Everybody’s Darling" taugend - ist halt das nächste Opfer der "Brennenden Fackeln und Heugabeln"-Fraktion. Vielleicht hatte diese im Gegensatz zu Fällen wie Mike Stewart und Hannu Järvenpää (beide grüßen von Playoff-Teams) diesmal recht, ansonsten droht eine Wiederholung des heurigen Szenarios. Immerhin können Leute wie Wolf, Maxa, Benjamin Lanzinger und Christof Kromp auf die Eiszeit der heurigen Saison aufbauen, vor allem Kromp stagnierte aber schon unter Greg Holst. Bezüglich der Legionärsanzahl wird der VSV wenigstens gegenüber Mitstreitern wie Innsbruck, Dornbirn oder Fehervar nicht von Haus aus im Hintertreffen sein.

Fazit: Eine wenig erfreuliche, aber aufgrund der Vorgaben nicht unerwartete Saison, die in einem Eishockey-Markt wie Villach nicht so ruhig hingenommen wird wie etwa in Graz, Dornbirn oder Innsbruck. Der neue Coach wird jedenfalls eine dicke Haut mitbringen müssen...

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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