Tagger erhält Sonderlob von Judy Murray: "Großartige Rückhand!"
Der Tipp der Britin lautet: "Nimm dir Zeit, deine Waffen zu entwickeln." Außerdem warnt sie vor den Gefahren von Social Media.
Sie ist einflussreiche Tennistrainerin, Ex-Kapitänin des britischen Fed-Cup-Teams und Mutter des früheren Weltranglisten-Ersten Andy Murray.
Die mittlerweile 66-jährige Judy Murray setzt sich seit Jahren für die Gleichberechtigung der Frauen im Sport ein und war in Linz als Keynote-Speakerin im Rahmen des WTA-Turniers tätig. Die Schottin hält viel von Österreichs Jungstar Lilli Tagger.
Die Schottin gilt als eine der erfahrensten Trainerinnen im Tenniszirkus und hat Tagger schon in der Juniorenzeit beobachtet. "Sie hat eine sehr spannende Zukunftsperspektive. Sie ist groß, stark, eine gute Athletin und hat eine großartige, einhändige Rückhand. Und sie hat einen tollen Coach in ihrer Ecke", bezieht sich Murray auf Francesca Schiavone.
Ein Umstand, der Murray besonders freut, setzt sie sich doch seit Jahren dafür ein, dass auch mehr Trainerinnen in der Weltspitze eingesetzt werden sollen.
Tagger bei Schiavone "in guten Händen"
"Ich habe mit Francesca bei einem Mittagessen gesprochen. Sie ist eine sehr gute, erfahrene, ruhige und auch lustige Person", sagte die 66-Jährige. Und genau so jemanden brauche man an seiner Seite für die beschwerliche, sehr lange Reise im Profitennis.
"Sobald man beginnt, Erfolg zu haben in einem so jungen Alter, kommen Druck und Erwartungen von Fans, von den Medien, von dir selbst. Es ist gut, wenn du jemanden in deiner Ecke hast, der dir beim Navigieren hilft. Es ist sehr einfach, von vielen Dingen abgelenkt zu werden. Sie ist in guten Händen."
Rat an Tagger
Dazu befragt, welchen Rat Judy Murray einer jungen Spielerin wie Tagger geben würde, hat die Trainerin rasch eine Antwort parat.
"Nimm dir die Zeit, um alle Waffen zu entwickeln, die du brauchst. Waffen sind nicht immer nur aggressive Sachen. Manchmal ist es Stabilität, Konzentration und auch defensive Fähigkeiten. Je besser deine Gegnerinnen werden, desto mehr Waffen brauchst du, um mit ihnen umgehen zu können", weiß Murray.
Der Umstieg vom Jugend- und Juniorentennis auf die Tour der Erwachsenen sei brutal. "Wenn du Profi wirst, spielst du plötzlich gegen Leute, die für ihre Miete, ihre Kinder, ihr Auto oder ihren Trip zum nächsten Turnier spielen. Es ist ein ganz anderer Zugang. Deshalb ist es ein großer Vorteil, jemanden wie Schiavone zu haben."
Man reise rund zehneinhalb Monate im Jahr und durch Zeitzonen, habe sehr wenig Pausen und müsse auf verschiedenen Belägen spielen. Auch darum ihre Empfehlung: "Nimm dir die Zeit und entwickle dein Spiel."
Warnung vor Social Media
Im Vergleich zu jener Zeit, als ihre Buben, der spätere zweifache Olympiasieger und dreifache Major-Sieger Andy und der im Doppel sehr erfolgreiche Jamie, groß geworden sind, müsse man sich auch mit den sozialen Netzwerken herumschlagen.
"Die jungen Frauen und Männer sind damit aufgewachsen, es ist Teil ihrer Welt. Ich bin sehr dankbar, dass ich und meine Kinder nicht damit aufgewachsen sind. Du musst ein sehr starker, junger Mensch sein, um in der Lage zu sein, das zu ignorieren. Es ist ein so großer Teil ihres Lebens. Du musst wissen, wie du es für Gutes nutzt und wann du es ignorierst."
Sie selbst habe in ihrer Funktion im Fed Cup oft genug die dunklen Seiten der sozialen Netzwerke miterlebt. "Ich konnte sehen, wie sich die Einstellung und Laune von Spielerinnen geändert hat, weil sie etwas über sich in den sozialen Netzwerken gelesen haben. Die Jungen haben noch nicht die Lebenserfahrung und besonders bei Mädchen ist das Selbstvertrauen sehr leicht zerstört, wenn jemand das Falsche zur falschen Zeit sagt."
Daher ihr ganz klarer Tipp: "Schaut nicht am Tag vor oder nach dem Match auf eure Telefone!"
Sohn Andy geht als Vater und Golfer auf
Ihrem Sohn Andy geht es nach dem Karriereende nach den Olympischen Spielen in Paris 2024 ausgezeichnet. "Ich dachte, dass er es schwer finden würde, aufzuhören. Er liebt den Wettkampf, er liebt den Sport. Aber er ist direkt zum Golf übergegangen."
Dort ist er schon sehr gut geworden. Auch das Skifahren hat er entdeckt. "Er ist in Val d'Isere gleich die schwarzen Pisten runtergefahren, wenn auch mit einem Trainer. Ich war froh, als ich ihn unten im Ganzen wiedergesehen habe", erzählte sie lachend.