Freundschaft gekündigt?
Nach dem entscheidenden Punktgewinn tauchte Nosková erst einmal ab, unter ihr Handtuch. Kurz für sich sein, die Menge ausblenden, sammeln. Es klappte nur kurz. Nach dem Lauf auf die Tribüne und der Umarmung für den Papa und die Liebsten nahmen die Emotionen erst an Fahrt auf.
Erst war es Muchová, die im Anschluss an die Partie ihre Doppel-Partnerin und Finalgegnerin als "meine ehemalige Freundin" bezeichnete und Lacher erntete. Muchová, der der Schmerz der Niederlage anzusehen war, und die dennoch die richtigen Worte fand. "Du bist so jung, es war unglaublich. Du bist ein so guter Mensch, Gratulation an dich und dein Team. Du verdienst es."
Sie sei froh, hier zu stehen - obwohl die Enttäuschung sehr groß sei, so Muchová. "Es ist ein spezielles Turnier, das beste der Welt." Beim Blick in die eigene Ecke brach sie dann endgültig in Tränen aus. "Ich kämpfe weiter, ich werde zurückkommen und hoffe, noch eine Chance auf die Trophäe zu bekommen."
"Wir sind Freundinnen"
Nosková schien noch gar nicht wirklich glauben zu können, den Rasen-Klassiker tatsächlich gewonnen zu haben. "Ich weiß nicht, wie ich sie halten soll", sagte sie, die Trophäe in den Händen haltend. "Es fühlt sich unglaublich an. Alle Matches waren physisch und mental so hart. Besonders heute."
Den letzten Punkt zu machen, sei nie einfach, sagte Nosková. Besonders an diesem Tag kämpfte sie damit zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. "Ich werde dir das nicht vergeben", sagte sie an Muchová gerichtet. Und präzisierte: "Wir sind Freundinnen. Ich bin so froh, mein erstes Grand-Slam-Finale mit dir gespielt zu haben."
Es war ein großer Tag für das tschechische Tennis, erstmals standen sich in Wimbledon in einem der vier großen Turniere zwei Tschechinnen im Endspiel gegenüber. "Ich glaube, alle Fans zuhause sind stolz auf uns", sagte Nosková. "Heute haben wir Geschichte geschrieben."
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Tränen der Freude und des Schmerzes
Nosková hatte Dankesworte an alle. An die, die da waren. An ihren Papa und die Familienmitglieder, die nicht gerne fliegen würden und trotzdem gekommen waren, an Coach Tomáš Krupa. Und an die, die nicht da war. "Ich möchte meiner Mum danken. Ich würde ohne sie nicht hierstehen", sagte Nosková und zeigte gen Himmel.
Spätestens da weinte Nosková nicht alleine, sondern auch das Publikum mit ihr. Noskovás Mutter Ivana verstarb vor Wimbledon 2024 an Krebs.
"Ich habe diese zwei Wochen so genossen. All die Tränen und die Freudentränen, den Schweiß und das Blut. Ich kann es nicht erwarten, nächstes Jahr wieder zurückzukommen."