Dominic Thiems perfekter Tennis-Spieler

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Jeder Tennis-Spieler hat seine Eigenheiten, die ihn besonders auszeichnen. Ein hammerharter Vorhand-Winner? Die präzise Rückhand? Ein unretournierbares Service? Oder doch der Kampfgeist?

Aber wie würde eigentlich der "perfekte Tennis-Spieler" aussehen? Welcher Top-Akteur ist in seinem Spezialgebiet der absolut Beste?

Dominic Thiem hat gegen (fast) alle gespielt - und gibt im JM*Pions TALK, dem Interview-Format von Jürgen Melzer am Instagram-Channel von LAOLA1 (@laola1at), seine Einschätzung ab.

Das ist Thiems "perfekter Tennis-Spieler" (Text unter dem VIDEO):

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Vorhand: Rafael Nadal

Der Sandplatz-König, an dem sich Thiem bei seinen beiden French-Open-Finali bislang (noch) die Zähne ausbiss, glänzt vor allem mit seinem flachen und schnellen Vorhand-Topspin - eine Meinung, mit der Österreichs Nummer eins nicht alleine dasteht. Auch Novak Djokovic bezeichnete sie schon als "eine der besten aller Zeiten". In Kombination mit seiner Beweglichkeit gibt es für Nadal kaum einen Punkt am Spielfeld, von wo er seine Vorhand nicht einsetzen kann. Als Linkshänder hat Nadal auch hier andere Voraussetzungen als der Großteil der anderen Spieler, auf die sich der Gegner erst einstellen muss. Dazu kommt eine gewisse Unberechenbarkeit der Platzierung, weil Nadals Ausholbewegung spät verrät, in welche Ecke er den Ball spielen wird.

Rückhand: Stan Wawrinka

"Ich muss eine einhändige Rückhand nehmen und Wawrinka hat die schönste, sie ist unglaublich ästhetisch", meint Thiem, dessen eigene einhändige Rückhand in dieser Kategorie sicherlich auch weit vorne zu finden ist. Der Schweizer, der im Gegensatz zu Österreichs Star drei Grand-Slam-Titel in der Bilanz stehen hat, hat die seltenere Variante des Rückhand-Spiels zu seinem Markenzeichen gemacht - sie ist schnörkellos und effektiv. Mit der Rückhand Winner zu schlagen, ist bei schlechter Ausführung mit mehr Risiko behaftet, aber Wawrinka hat damit vergleichsweise wenig Mühe.

Aufschlag: Milos Raonic

Wer den Aufschlag diktiert, diktiert den Ballwechsel. Und Milos Raonic stellt die Retournierer vor harte Aufgaben. "Es ist eine Katastrophe, gegen ihn zu retournieren", sagt Thiem, dem auch John Isner einfällt. "Wenn ich nur den Aufschlag hernehmen würde, würde ich vielleicht Isner nehmen, aber für mich gehört auch ein bisschen das 'Danach' dazu. Raonic spielt besser weiter, dadurch hat man beim Return noch mehr Druck." Der Kanadier, dessen Aufschläge regelmäßig über 220 km/h erreichen, hatte in den vergangenen Jahren stets die höchste Rate an gewonnenen Punkten bei eigenem Aufschlag - sei es der erste oder der zweite.

Return: Novak Djokovic

"Das ist ganz klar für mich. Er ist so oft dran, leider", geht diese Kategorie für Thiem an die momentane Nummer eins der Welt, die ihm bei den Australian Open im dritten Anlauf wieder den ersten Grand-Slam-Sieg verwehrte. Egal, wie hart der Gegner serviert: Djokovic bringt den Ball in der Regel zurück. Und das nicht mit übertriebener Härte: Der Erfolgsschlüssel des Serben ist die Platzierung des Returns, weniger mit Risiko an die Seitenlinien, sondern eher auf unangenehme Positionen für den Gegner. Damit gewinnt er rund ein Drittel aller Games als Return-Spieler - einsame Spitze. Charakteristisch ist die Platzierung und der tiefe Schwerpunkt, die der "Djoker" beim Service seines Gegners einnimmt. Aus dieser Position reagiert Djokovic schnell auf diverse Service-Variationen.

Stopp: Jürgen Melzer

Eine kleine Hommage baut Thiem auch an seinen Landsmann ein: Den besten Stopp-Ball gibt er Jürgen Melzer. "Ich habe es in den letzten Tagen wieder gesehen bei der Wiederholung deines Matches gegen Djokovic 2010", grinst der Lichtenwörther. Im Viertelfinale von Roland Garros setzte Melzer, auf dem Höhepunkt seiner Einzel-Karriere, auch den Stopp gekonnt ein, um den Serben niederzuringen. Insbesondere dem Rückhand-Dropshot von Melzer, der es auch deshalb hinauf auf Weltranglisten-Platz acht schaffte, wurde in der auffälligsten Phase seiner Laufbahn besondere Effektivität attestiert. "Das Schöne am Dropshot: Er kann sowohl ein Zeichen von Schwäche, als auch von Stärke sein", meinte Melzer einst über den Schlag, der den Rhythmus aus dem Spiel nimmt.

Volley: Roger Federer

Der Volley hat in der Regel eine Aufgabe: Den Ballwechsel erfolgreich zu beenden. Dafür wird auch ein höheres Risiko in Kauf genommen. Nicht so bei Roger Federer: "Sein Volley ist kompakt und er macht eigentlich jeden weg, den er machen muss", fasst Thiem das Spiel der Schweizer Legende zusammen. Die Schnörkellosigkeit seiner Technik macht die Ausführung konsistent und weniger fehleranfälllig. Der Volley gehört vor allem psychologisch zu den schweren Aufgaben, denn jeder verkorkste Volley ist in der Regel ein verschenkter Punkt - bei Federer sieht man derartige Fehler aber kaum.

Spielverständnis: Andy Murray

Unterstützt von seinem kompletten Spiel, zeichnet sich für Thiem vor allem der Schotte durch Spielverständnis aus. Murray ist auch anpassungsfähig und stellt seine Herangehensweise gut auf die Stärken des Gegners ein. Das stört den Rhythmus des Kontrahenten - wohl die herausragendste Eigenschaft des dreifachen Grand-Slam-Siegers.

Fitness: Rafael Nadal

Zwar ist Thiem bei diesem Punkt selbst gut im Rennen, aber dieser Punkt geht für ihn an Nadal: "Bei ihm gibt es keinen körperlichen Einbruch, egal, wie lang es dauert, egal, was für Bedingungen sind. Ich habe noch nie gesehen, dass er körperlich nachlässt", so der Österreicher, der dem Spanier zweimal im Finale der French Open unterlag - beim zweiten Anlauf 2019 schlichen sich aber sehr wohl kleine Probleme bei "Rafa" ein. Den Titel kostete ihn das aber nicht. Die überdurchschnittliche Physis sah man Nadal im Laufe seiner Karriere auch immer äußerlich als Stärke an.

Kampfgeist: Rafael Nadal

Nadal ist für Thiem nicht nur ein körperliches, sondern auch ein mentales Monster. Der Kampfgeist des heißblütigen Mallorquiners steht seinem körperlichen Level in der Regel um nichts nach. Einen Nadal hat man so schnell nicht niedergerungen - der Sandplatz-König kommt auch aus scheinbar aussichtslosen Situationen wieder zurück. Das gilt auch abseits des Platzes, wenn sich der Spanier von Verletzungen zurückkämpfen musste. Dabei sind negative Gefühlsausbrüche - wie sie sich bei anderen Spielern häufig in zetrümmerten Rackets äußern - eine absolute Seltenheit bei Nadal.

Textquelle: © LAOLA1.at

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