Straka: "Tom hat falsche Wortwahl getroffen"

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Nach den kritischen und angriffigen Aussagen von Thomas Muster am Sonntag in Melbourne hatten die österreichischen Tennis-Fans schon ein mulmiges Gefühl im Bauch.

Wie würde Dominic Thiem die Causa um den überraschend nach der zweiten Runde verabschiedeten Ex-Trainer mental verarbeiten können?

Würde sich der Weltranglisten-Fünfte ausgerechnet in der heißen Phase des Grand-Slam-Turniers aus der Konzentration reißen lassen?

Nach der beeindruckenden Darbietung im Achtelfinal-Match gegen Gael Monfils dürfen diese Befürchtungen getrost ad acta gelegt werden. Thiem spielte furios und lieferte seine bislang beste Leistung bei diesen Australian Open ab.

Thiem: "Es waren ein paar Nebengeräusche"

„Es waren ein paar Nebengeräusche, so störend war es aber gar nicht“, meinte Thiem nach dem glatten Drei-Satz-Sieg über den französischen Weltranglisten-Zehnten im Interview mit ServusTV, als er auf die aufgekommende Diskussion um seine Person angesprochen wurde.

Tags zuvor ließ Muster bei Eurosport-Experte Boris Becker mit einer kontroversen Formulierung über Thiem aufhorchen „Es gibt halt Häuser mit schönen Fassaden, ganz wunderbare Fassaden, aber man weiß halt sehr selten, wer drinnen wohnt."

Thiem wollte auf diese Metapher gar nicht näher eingehen und versuchte, die Diskussion zu beruhigen: „Es ist ein bisschen aufgebauscht worden. Wir haben es intern viel entspannter gesehen“, sagte der Lichtenwörther über die überraschende Trennung von Muster während des Turnierverlaufs.

Die ganze Geschichte sei für den Weltranglisten-Fünften schon wieder Schnee von gestern: „Es war ja schon vor dem letzten Match klar, dass die Zusammenarbeit zu Ende ist. Das ist also schon zu lange her, um mich zu beeinflussen. Ich habe heute gar nicht mehr drüber nachgedacht.“

Straka: "Er war anscheinend doch gekränkt"

In eine schwierige Situation geriet durch die Muster-Aussagen auch Herwig Straka, der schon seit vielen Jahren Manager des Steirers und seit letzter Saison auch Manager von Thiem ist.

„Warum er das gesagt hat, weiß ich selber nicht, wir waren alle überrascht“, sagte der Steirer, der auch im ATP-Board sitzt und Turnierdirektor der Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle ist. „Anscheinend war er (Anm.: Muster) doch mehr gekränkt, als er zugegeben hat. Wir hatten eigentlich den Eindruck, dass er das akzeptiert hat.“

So bekrittelte Muster auch, dass Thiem noch in vielen Bereichen Aufholbedarf hätte. „Im technischen Bereich nach wie vor, im körperlichen Bereich, aber vor allem im mentalen Bereich", meinte der ehemalige Weltranglisten-Erste noch viele Mankos bei Thiem zu erkennen.

"Völlig falsche Wortwahl"

Straka: „Tom hat da die völlig falsche Wortwahl getroffen. Dass es Möglichkeiten gibt, noch besser zu werden, ist uns allen klar. In diesem Zusammenhang von Schwächen zu sprechen ist aber natürlich falsch.“

Dass bei der Konstellation zwischen Thiem und Muster für Straka die Gefahr bestand, sich selbst zwischen zwei Stühle zu setzen, war dem Manager bewusst: „Es ist nicht leicht in meiner Situation. Ich habe aber viele Hüte auf und gelernt, immer das zu tun, wozu man steht.“ Er habe Muster engagiert, um Thiem besser zu machen. „Das hätte ich auch gemacht, wenn ich nicht Manager von Tom gewesen wäre.“

Zudem glaube er, dass Muster mittlerweile selbst eingesehen hätte, dass er sich am Sonntag im Gespräch mit Becker nicht perfekt verhalten habe. „Es war, glaube ich, für ihn zu emotional in der Sendung. Er war da ein bisschen aufgestachelt und ich glaube auch, dass er seine Aussagen inzwischen bereut.“

Keine Stellungnahme von Muster

Dementsprechend rechnet er auch mit einer baldigen Aussprache zwischen Muster und Thiem: „Sie werden sich zusammensetzen und das Ganze aus der Welt schaffen.“

Muster selbst wollte zur ganzen Causa am Montag übrigens keine weitere Stellungnahme mehr abgeben. Womit sich das Hauptaugenmerk wieder auf das sportliche Geschehen richten sollte.

Thiems Formkurve zeigt steil nach oben

Und diese Aussichten scheinen nach Thiems Glanzleistung gegen Monfils vielversprechender denn je zu sein. „Das war mein bislang bestes Spiel bei diesen Australian Open. Ich hatte schon gestern im Training ein unglaublich gutes Gefühl und das hatte ich auch heute“, zeigte sich Thiem mehr als glücklich über seinen Formanstieg, den er allerdings auch weiter benötigen wird.

Mit dem spanischen Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal oder dem australischen „Bad Boy“ Nick Kyrgios wartet am Mittwoch ein echtes Kaliber im Kampf um einen Platz im Halbfinale.

Auch Straka zeigt sich zuversichtlich: „Es ist toll, vor allem deshalb weil es die letzten Jahre auch nicht immer ideal war“, verweist der Manager auf die vergangenen Saisonstarts, bei denen Thiem meist mit körperlichen Problemen zu kämpfen hatte.

„Heuer hat er sich super reinspielen können. Es ist alles möglich. Wenn es gegen Rafa gehen sollte, hat er die Schläge drauf, die es benötigt, um ihn zu schlagen.“

Textquelle: © LAOLA1.at

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