"Fans feiern in Melbourne großes Tennis-Fest"

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Mit den Australian Open steigt in diesen Wochen das erste große Tennis-Highlight des Jahres.

Die meistens Fans werden sich wohl schon umgestellt haben: Erstmals überhaupt überträgt ServusTV ein Grand-Slam-Turnier. Der Salzburger Sender zeigt täglich ein Top-Spiel, inklusive der Partien mit Dominic Thiem, sowie die Halbfinali und Finali.

Mit dabei ist neben Kommentator Christian Nehiba auch der ehemalige Profi und bewährte „Co“ Alexander Antonitsch, der nach seinem Engagements beim ORF und Eurosport bereits auf einige Erfahrungen als Experte vorweisen kann.

Im LAOLA1-Interview spricht der Kärntner, der auch Herausgeber der Tennis-Plattform tennisnet.com ist, über die Besonderheiten des „Happy Slams“, seine Erwartungen an Dominic Thiem, die Titel-Favoriten und über seine neue Aufgabe als Touring-Coach der eigenen Tochter sowie die Probleme im heimischen Damen-Tennis.

LAOLA1: Du bist heuer erstmals bei ServusTV als Co-Kommentator im Einsatz. Wie kam es dazu?



Alex Antonitsch: ServusTV will in Zukunft mehr Tennis machen und rund um Dominic Thiem glaube ich, dass da etwas Großes entstehen wird. Ich bin happy, dass ich dabei sein kann. Obwohl es natürlich auch bei Eurosport eine sehr schöne Zeit war. Jetzt bin ich aber froh, dass ich Dominic – hoffentlich – zwei Wochen lang verfolgen darf.

LAOLA1: Wird es zukünftig noch mehr Tennis auf ServusTV geben?

Antonitsch: Es ist noch nichts fixiert, ServusTV hat aber großes Interesse in Zukunft noch mehr zu machen.

LAOLA1: Tennis-Fans stehen wieder einige durchwachte Nächte bevor. Hast du Tipps für alle tennisbegeisterten Nachteulen?

Antonitsch: Das sind nun mal die Australian Open. Lange Nächte oder bis in die Früh rein, wenn es gute Night Sessions gibt. Das Turnier hat auch deshalb einen ganz besonderen Reiz, weil es dort so schön und heiß ist, während bei uns noch der tiefste Winter regiert.

Babsi Schett genießt den australischen Sommer in Melbourne. Die schönsten Bilder:

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LAOLA1: Was macht Australien für dich sonst noch so besonders im Vergleich zu den anderen Majors?

Antonitsch: Der Begriff „Happy Slam“ passt im Grunde voll und ganz. Für die Spieler, Fans und Medien vor Ort ist es einfach ein Traum. Alles ist in Gehweite, trotzdem ist es mitten in der Stadt. Die Area vom Turnier ist einfach riesig – in zwei Wochen haben die um 700.000 Menschen auf dem Gelände. Dazu gibt es überdachte Plätze, die auch verregnete Tage keinen großen Schaden anrichten lassen. Die Stimmung ist dort einfach fantastisch. Fans aus der ganzen Welt feiern hier ein riesiges Tennis-Fest. Brutal kann für die Spieler allerdings das Wetter sein. Wenn es zu heiß wird, müssen die Profis richtig ans Limit gehen.

LAOLA1: Die rot-weiß-roten Augen sind natürlich in erster Linie auf Dominic Thiem gerichtet. Wie beurteilst du seinen etwas verpatzten Start in die Saison bzw. seine Chancen in Melbourne?

Antonitsch: Natürlich willst du gleich zu Beginn der Saison Matches gewinnen. Mit Günter Bresnik hat er jetzt aber eine gute und lange Vorbereitung in Melbourne auf das Turnier machen können. Dort können sie Trainingsmatches mit den besten Spielern der Welt unter den Bedingungen vor Ort spielen.

LAOLA1: Die Auslosung meinte es zumindest relativ gut mit ihm. Wie schätzt du seine Chancen ein?

Antonitsch: Mit Benoit Paire hat er einen unangenehmen Gegner in der ersten Runde. Über Best-of-Five sehe ich aber Thiem klar im Vorteil, da Paire nicht gerade für seine Konstanz bekannt ist. Er kann genial spielen, meistens hält er das aber nicht über die ganze Spielzeit durch. Dominic hat ja schon einmal gegen ihn in Melbourne gewonnen. Er weiß also ganz genau, was da auf ihn zukommt. In Runde zwei hätte er wahrscheinlich Mischa Zverev, der zwar auch unangenehm ist, aber auf jeden Fall zu packen sein sollte. Zverev fühlt sich vor allem auf den schnelleren Außenplätzen wohl. Mit zwei Siegen im Rücken kommt Dominic nomalerweise erst so richtig in Fahrt. Bei einem Grand-Slam-Turnier kommt es auch immer darauf an, wie viel Energie man schon in der ersten Woche verbraucht hat.

LAOLA1: Wer sind deine Favoriten auf den Titel?

Antonitsch: Kurz nach der Auslosung eine Prognose abzugeben, ist extrem schwierig – es passiert einfach so viel in diesen zwei Wochen. Vor allem in Melbourne ist es kompliziert, weil man an einem Tag drei Jahreszeiten haben kann. Für mich bleiben die üblichen Verdächtigen. Das einzige große Fragezeichen steht hinter der Fitness von Rafael Nadal – ich weiß nicht, ob er in der zweiten Woche lange Fünf-Satz-Partien durchhält. Djokovic und Federer schätze ich am stärksten ein. Ich glaube nicht, dass es heuer einen Überraschungsmann wie Chung im Vorjahr gibt (Anm.: Halbfinale). Viele vergessen immer auf Marin Cilic, der hat auch schon einige Grand-Slam-Finali erreicht.

LAOLA1: Du bist jetzt selbst Coach, trainierst seit ein paar Wochen gemeinsam mit Michael Oberleitner deine Tochter Mira? Wie ist deine Aufgabe definiert?

Antonitsch: Gemeinsam mit meinem Schwager Michael Oberleitner kümmere ich mich jetzt um Mira. Oberleitner hat eine Akademie in Wien, in der auch die Doppelspieler Peya und Knowle trainieren. Wenn ich nicht da bin, übernimmt er. Mira wollte das und da sie mit so viel Ehrgeiz und Biss bei der Sache ist, haben wir entschieden, dass sie sich das verdient hat, dass ich mich bei anderen Sachen zurücknehme und ich mich mehr um sie kümmern werde. Ich werde den Großteil meiner Zeit ihr widmen – sowohl am Platz als auch 15-20 Wochen auf der Tour. Richtig losgehen tut’s Mitte Februar. Dann werden wir auch mehr über die neue Transition Tour wissen.

LAOLA1: Das ist für dich wahrscheinlich auch eine ganz neue Erfahrung, als Coach der eigenen Tochter auf der Tour zu sein.

Antonitsch: Ich war ja schon öfters mal mit ihr unterwegs. Diesmal ist es aber explizit auf Miras Wunsch so. Ich bleibe allerdings in erster Linie Vater. Wenn es da einmal ein Problem geben sollte, dann muss ich mich als Coach zurücknehmen.

LAOLA1: Was habt ihr heuer für Ziele?

Antonitsch: Wir sind noch mitten im Aufbau. Ziele kann ich erst nennen, wenn wir wissen, wo und wie wir spielen können. Wir können ja noch nicht mal einen Turnierplan machen. In den ersten drei Monaten des Jahres gibt es heuer aufgrund der neuen Regelung 30 (!) Turniere weniger. ATP und WTA wollen jeweils 1000 Spieler weniger im Ranking haben. Das Signal, dass du in der Jugend schon in den Top 100 stehen musst, um später einmal eine vernünftige Chance zu haben, ist aber natürlich ein Wahnsinn für die jungen Spieler. Ich habe schon mit ein paar Offiziellen geredet, so richtig weiß aber keiner, wie man damit in Zukunft umgehen soll.

LAOLA1: Keine guten Aussichten für junge Spieler – und gerade bei den heimischen Tennis-Mädchen würden wir uns ja baldigen Nachwuchs wünschen, damit Grand-Slam-Turniere aus österreichischer Sicht nicht auch weiterhin nach der ersten Qualifikations-Runde zu Ende sind. Warum stecken die ÖTV-Damen in so einer großen Krise?

Antonitsch: Es gibt nicht den einen Grund. Das muss man ganz klar sagen. Es ist aber definitiv so, dass sich nie jemand darum gekümmert hat. Die Spielerinnen, die wir hatten, hatten wir Einzel-Initiativen zu verdanken. In erster Linie brauchen wir einmal Turniere, damit die Talente im eigenen Land die Chance auf Punkte haben. Das WTA-Turnier in Linz ist zwar schön, aber viel zu stark für unsere aktuellen Spielerinnen. Wir haben das erst kürzlich mit Deutschland verglichen: Ähnliche Spielerinnen wie Mira aus Deutschland waren vor einem Jahr im Ranking noch alle hinter Mira, haben aber im Saisonverlauf jeweils um die sechs Wild Cards bei kleineren Turnieren in Deutschland bekommen und sich dadurch hochspielen können. Die stehen jetzt alle zwischen 300 und 500.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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