Die Doppel-Profis warnen vor den finanziellen Schwierigkeiten, die Spieler zu befürchten haben. In einem gemeinsamen Statement mehrerer Doppelspezialisten heißt es:
"Rechnen Sie selbst aus, was das für alle bedeutet, die nicht unter den Top 30 sind: Es wird unmöglich sein, davon zu leben. Es ist ein Plan, Doppel als tragfähigen Beruf abzuschaffen – getarnt als Kosteneinsparungsmaßnahme."
Es beginnt ja im Normalfall niemand Tennis zu spielen und sagt, ich will Doppelspieler werden.
Antonitsch, der selbst zwischen 1985 und 1994 fünf Doppel-Titel auf der ATP-Tour feiern konnte, versucht in dieser Debatte die Gemüter etwas zu beruhigen:
"Es wird Veränderungen geben. Es wird auch vom Preisgeld Umschichtungen geben. Ein Teil der jetzigen Doppel-Preisgelder soll auf die Qualifikation und die ersten Runden aufgeteilt werden. Das, was von der ATP jetzt gekommen ist, war ein Ausblick, in welche Richtung es gehen könnte. Ich behaupte mal, es wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Wir lieben das Doppel, aber ich erkenne auch die Probleme, die es damit gibt."
Doppel ist "separate Sportart geworden"
Ein Problem sei außerdem, dass sich Einzel und Doppel in den vergangenen Jahren immer mehr voneinander entfremdet haben. Immer mehr Spieler spezialisieren sich bereits früh auf das Doppel und versuchen nicht, eine Karriere im Einzel zu verfolgen.
"Ich bin dafür, dass man da offen spricht. Dass es eine Verlängerung einer Karriere gibt, wie bei Bolelli, Zeballos oder Granollers, ist supercool. Oder Spieler, die sich zumindest auf Challenger-Level im Einzel hochgearbeitet haben und dann zum Doppel-Spezialisten werden - das ist definitiv auch ok. Es gibt aber auch Spieler mit einem Career High im Einzel von über 800 und im Doppel sind sie in den Top 30. Mittlerweile hat sich das als komplett separate Sportart entwickelt. Es beginnt im Normalfall niemand Tennis zu spielen und sagt, ich will Doppel-Spieler werden. Davon gehe ich mal aus."
Einen möglichen Lösungsansatz könnte man laut Antonitsch schon in frühen Stadien der Spielerkarrieren setzen.
"Der Pathway für das Doppel sollte definitiv geändert werden. Es wäre eine Idee, wenn man z.B. nur mit einem gewissen Einzel-Ranking (keinem Doppel-Ranking) bei ITF-Futures oder Challenger-Turnieren im Doppel an den Start gehen kann", so der Vorschlag.
In der Tat konnten einige Spieler der aktuellen Doppel-Elite keine nennenswerten Erfolge im Einzel feiern. Die frischgebackenen Wimbledon-Sieger und Führenden in der ATP-Doppel-Weltrangliste, Harri Heliövaara und Henry Patton, haben als höchste Platzierungen in der Einzel-Weltrangliste 194 beziehungsweise 462 stehen.
Auch der viermalige Grand-Slam-Sieger und aktuell Fünfte der Doppel-Weltrangliste Neil Skupski hat als Career-High im Einzel nur Position 932 stehen. In seiner Statistik scheint kein einziges dokumentiertes Spiel auf ATP-Ebene im Einzel auf.
"Wir haben Leute, die wollen kein Einzel mehr spielen und probieren es gar nicht, im Einzel hochzukommen - nicht so, wie es früher war. Auch unsere besten Doppel-Spieler haben alle Einzel gespielt. Julian Knowle, Alex Peya, Oliver Marach - die waren alle Top 100. Von Jürgen Melzer brauchen wir gar nicht reden, der war in beiden Rankings Top Ten", lobt Antonitsch die österreichische Doppel-Elite.
"Dann gibt es Doppel-Spezialisten, die - ich bin da vorsichtig - relativ einfach nach oben kommen. Ich verstehe jeden Tennisspieler, der das als Business sieht, versucht, sich im Einzel durchzusetzen und irgendwann bei Platz 200 oder 250 stehen bleibt. Das sind super Tennisspieler, die dann sagen: 'Ich probiere es im Doppel'. Auf einmal verdienen sie Geld, haben ein Einkommen", veranschaulicht Antonitsch.
"Bekommen keine Abnehmer fürs Doppel"
Ein Problem sei auch die Vermarktung des Doppels. Die ATP sieht den Bewerb als weniger attraktiv an.
Hier spielen auch die Fernsehrechte eine Rolle, wie Antonitsch meint: "Wir hatten teilweise ein Problem, als Dominic Thiem Doppel gespielt hat, ob wir das im TV herzeigen dürfen. International sind nur die Einzelpartien verkauft. Wir kriegen anscheinend keinen Abnehmer fürs Doppel, da sind wir Passagier."
"Veränderungen wird es geben, aber ich glaube nicht, dass sie in der Auswirkung so radikal sind."
Kommunikationsprobleme
In einer Aussendung haben sich die Doppel-Profis zudem über eine fehlende und intransparente Kommunikation beschwert.
"Diese Vorhaben werden fast ohne jegliche Transparenz und fast ohne Rücksprache mit den Akteuren durchgesetzt, deren Karrieren und Lebensgrundlagen auf dem Spiel stehen."
Dieser Kritik entgegnet der Turnierdirektor der Generali Open: "Es ist nicht so, dass die Doppel-Spieler nicht involviert waren, nur nicht alle. Es waren die Vertreter der Doppel-Spieler informiert. In der ATP wird es keine Entscheidung geben, die ohne Spieler gefällt wird. Das ist noch immer 50/50 verteilt. 50 Prozent die Spieler, 50 Prozent die Turniere. Die Vertreter im Players Council sind definitiv informiert worden, dass was passieren wird."
Es bleibt mit Spannung zu erwarten, wie sich diese Thematik in den kommenden Monaten und Jahren entwickelt. Definitiv bleibt es für viele Profis eine sehr emotional geführte Diskussion. Laut Antonitsch sind Veränderungen notwendig, in welcher Form und wie umfangreich bleibt allerdings abzuwarten:
"Für mich ist das Doppel nach wie vor, vor allem auf Sand, supercool und wunderschön. Man muss aber einen Weg finden, wie man das adaptiert. Von 16 auf acht Paare kann ich mir im ersten Schritt nicht vorstellen, wahrscheinlich wird man mal auf zwölf gehen. Veränderungen wird es geben, aber ich glaube nicht, dass sie in der Auswirkung so radikal sind."