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Wann nervt eine große Rad-Tour, Felix Gall?

Drei Mal landete Felix Gall in den letzten drei Jahren bei den großen Rad-Touren in den Top 10. Um noch eines draufzusetzen, lässt er die Tour de France 2026 aus. Das steckt dahinter:

Wann nervt eine große Rad-Tour, Felix Gall? Foto: © GEPA

Im Alter von 28 Jahren soll 2026 der erste Podestplatz bei einer der großen Radrundfahrten gelingen.

Den Auftakt macht im Mai (9.-31.) traditionell der Giro d'Italia. Die im Juli stattfindende Tour de France lässt Felix Gall dieses Jahr aus. Neben der Italienrundfahrt will er bei der Vuelta a España antreten, die von 22. August bis 13. September stattfindet.

Vergangenes Jahr schaffte Gall mit Rang fünf in Frankreich und Platz acht bei der Vuelta schon Außergewöhnliches. Die Siege holten sich mit dem Slowenen Tadej Pogačar und dem Dänen Jonas Vingegaard genau die Sportler, die in den letzten Jahren dominierten.

Beim Österreicher hat sich zuletzt einiges getan. Im Herbst zog er mit seiner US-Freundin Maya nach Salzburg. Die klassische Musikerin hatte ihn vor Jahren im Fernsehen gesehen und ihm eine Direktnachricht geschickt. Sie kam nach Europa, er zog für sie von Lienz nach Salzburg. Dort ist auch sein Freund und neuer Teamkollege bei Decathlon CMA CGM, Gregor Mühlberger, zuhause.

Im Interview mit LAOLA1 blickt Gall kurz vor der ersten großen Tour in Italien (Topplatzierung: 50. Platz beim Grand-Tour-Debüt 2022) auf die letzten beiden Jahre zurück, erklärt, was seine Ziele für 2027 und 2028 sind, und verrät auch, wann so eine Dreiwochen-Tour richtig zu nerven beginnt.

Galls Abschneiden bei den großen Rundfahrten:

Grand Tour

2022

2023

2024

2025

Giro d'Italia

50

-

-

-

Tour de France

-

8

14

5

Vuelta a España

-

-

29

8

LAOLA1: Nach drei Jahren Tour de France mit dem Höhepunkt einer gewonnenen Etappe 2023 sowie Rang fünf im Jahr 2025 und dem achten Platz bei der Vuelta zum Drüberstreuen lässt du Frankreich dieses Jahr aus. Die Hintergründe für diese Entscheidung reichen bis ins Jahr 2024 zurück. Was war passiert?

Felix Gall: 2024 war ich immer an den Top 10 dran. Die letzten paar Prozenterl für einen Tagessieg haben aber gefehlt. Also wollte ich 2025 offensiver fahren. Ich konnte den Fitnesszustand über den Winter herstellen und war im Frühjahr topfit. Ich habe mich als stark genug erachtet, in den Rennen mehr zu probieren. Allerdings hatte ich dann Pech und es lief nicht so wie erwartet.

Nach dem dritten Platz auf der dritten Etappe der Tour in den Vereinigten Arabischen Emiraten bin ich gestürzt. Damit war ein Sieg in der Gesamtwertung nicht mehr möglich. So ging es weiter. Bei Paris-Nizza im März war ich zunächst krank, am Ende bin ich auf der dritten Etappe noch Dritter geworden. Ende März war die Katalonien-Rundfahrt, bei der ich ebenfalls erkrankte. 

Beim Giro gibt es, wenn es blöd läuft, auf den hohen Bergen noch Schnee. Die Vuelta ist eben heiß und steil. Aber die Tour in Frankreich ist noch einmal verrückter.

Felix Gall

LAOLA1: Danach lief es besser.

Gall: Ich wusste ja, dass ich stark bin, aber es kam früh in der Saison eben immer etwas dazwischen. Zunächst gab es Ende April die Tour of the Alps in Österreich, ein extrem cooles Erlebnis vor heimischem Publikum mit Endrang fünf. Bei der Tour de Suisse danach ist mir dann erstmals alles gelungen, was ich mir vorgenommen hatte. Am Ende war ich Gesamt-Vierter. Wenn man sich auf die großen Touren vorbereitet, ist es in diesem ersten Rennblock des Jahres immer ein bisschen schwierig, mit den Besten mitzufahren, und ich konnte meine Stärken nicht so ummünzen. Mit den erwähnten Topplatzierungen war es dann unterm Strich eine gute Saison und ein Schritt nach vorne. 

LAOLA1: Giro und Vuelta liegen traditionell weiter auseinander. Das bedeutet mehr Regeneration bzw. Vorbereitung, oder?

Gall: Das ist genau die Idee dahinter, zwei der drei Grand Tours zu fahren: Ich will mehr Zeit haben. Die Vuelta bin ich nun zwei Mal gefahren und das Rennen mit den steilen Anstiegen und der Hitze taugt und liegt mir extrem. Beide Male bin ich aber zuvor die Tour de France gefahren und diese Vorbelastung bzw. die Müdigkeit spürt man schon. Beim Giro anzutreten, dann eine Pause zu haben und sich in der rennfreien Zeit ideal vorzubereiten, ist eine bewusste Entscheidung. 

LAOLA1: Wie unterscheiden sich die drei großen Touren voneinander?

Gall: Beim Giro gibt es, wenn es blöd läuft, auf den hohen Bergen noch Schnee. Die Vuelta ist eben heiß und steil. Aber die Tour in Frankreich ist noch einmal verrückter, es gibt viel mehr Stress im Fahrerfeld und das Drumherum ist noch einmal größer. Daraus ergibt sich eine ganz andere Energie. Wenn du danach zur Vuelta kommst, ist es einigermaßen "entspannter" und ein Riesenunterschied. Damit meine ich gar nicht so sehr das sportliche Level. Um in Spanien und Italien vorn mitzufahren, musst du genauso fit sein und dich an den Besten messen: Pogačar und Vingegaard.

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Im Zweifelsfall ist er zu schlagen: Tadej Pogačar
Foto: ©GEPA

LAOLA1: Welche Ziele setzt du dir konkret?

Gall: Das Ziel für die heurige Saison ist ein Podestplatz bei einer der beiden Touren. Das ist ein hochgestecktes Ziel, das mir gefällt. Wenn alles perfekt läuft, ist das der nächste logische Schritt in meiner Karriere. Und ich habe eben zwei Möglichkeiten.

LAOLA1: Mit Gregor Mühlberger gibt es bei Decathlon CMA CGM einen rot-weiß-roten Mitstreiter. Welche Rolle spielt es, einen weiteren Österreicher bei sich zu haben?

Gall: Es geht einem wirklich besser, und es war auch mein großer Wunsch, dass er zu uns ins Team kommt. Die Idee hat ihm auch getaugt und er wollte unbedingt mit mir gemeinsam Radfahren. Es ist eine große Unterstützung, um gemeinsam den nächsten Schritt zu machen. Er ist ein erfahrener Bergfahrer, und wir verbringen als Zimmerkollegen viel Zeit miteinander. Weil wir beide mittlerweile in Salzburg wohnen, können wir auch gemeinsam trainieren. Insgesamt ist das ein großer Vorteil.

LAOLA1: Womit wir beim Mentalen sind. Bei drei Wochen langen Touren kann man wohl nicht von einer Tagesform sprechen - wie viel Prozent des Erfolgs finden im Kopf statt?

Gall: Irgendwas passiert in drei Wochen immer. Das ist eine lange Zeit. Ich habe auch für mich herausgefunden, dass man manchmal unerklärlich schlechte Tage hat. Du wachst mit einer Erkältung oder Kopfschmerzen auf. Wenn man kein Fieber hat, also wirklich krank ist, muss man das akzeptieren und darf sich nicht verrückt machen lassen, wenn man dadurch ein paar Sekunden liegen lässt. Ignoriere diese Tage, mach' dein Ding, akzeptiere, dass Zeit verloren geht - du darfst nur nicht aufgeben, sondern den Schaden eben begrenzen. 

Pogačar und ich sind derselbe Jahrgang und sind die gleichen Nachwuchsrennen gefahren. Damals waren wir gleich stark, bei den Junioren war sogar ich stärker. Und dann hat er sich rasch entwickelt.

Felix Gall über Tadej Pogačar

LAOLA1: 2027 soll es auf die Tour zurückgehen. Wie stehst du zu den Olympischen Spielen in LA 2028?

Gall: Ich habe die angebliche Strecke gesehen, es kann auch ein Leak gewesen sein. Sie schaut schwer aus und es ist schon interessant, dort dabei zu sein - aber nicht nur um des Dabeisein-Willens. Ich beabsichtige, mich von meiner besten Seite zu zeigen. Allerdings dauert es noch einige Zeit bis dahin. 

LAOLA1: Kinder brauchen Vorbilder, um sich möglichst früh an einen sportlichen und somit gesünderen Lebensstil zu gewöhnen. Als Österreichs bester Mann am Rad bist du natürlich ein Vorbild. In einem Interview hast du aber einmal erzählt, dass du als Kind gar nicht vorhattest, Radprofi zu werden. Welchen Tipp gibst du jungen Sportlern, die Profi werden wollen?

Gall: Ich kann nur meine Perspektive schildern. Ich habe erst im Alter von 16 Jahren mit dem Radeln angefangen und alle möglichen Sportarten ausprobiert. Wenn du jung bist, schaut die große Radwelt leicht aus. Aber die Entwicklung ist unterschiedlich, und du darfst dich nicht stressen lassen, wenn einer dann schneller ist. 

Pogačar und ich sind derselbe Jahrgang und sind die gleichen Nachwuchsrennen gefahren. Damals waren wir gleich stark, bei den Junioren war sogar ich stärker. Und dann hat er sich rasch entwickelt und war auf einmal zwei Level über mir. Das ist einfach so. Du darfst aber einfach nicht den Spaß verlieren.

LAOLA1: Letzte Frage: Marathonläufer sagen oft, dass einem das Laufen nach 30 oder 35 Kilometern auf die Nerven geht. Wann nervt eine Grand Tour?

Gall: Ich würde sagen, am Ende der zweiten Woche, spätestens am Anfang der dritten. Da ist die Müdigkeit sehr groß. Wenn dann eine mittelschwere Etappe nach einer schweren kommt, sind alle müde, niemand hat Geduld. Letztlich musst du da einfach von Tag zu Tag schauen.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch!

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