NEWS

ÖTTV-Vorstand kritisiert Rücktritt von Liu Jia

Die vormalige Vizepräsidentin habe "ihre Verantwortung abgegeben" und eine ordnungsgemäße Übergabe laut Vorstand ist nicht erfolgt.

ÖTTV-Vorstand kritisiert Rücktritt von Liu Jia Foto: © GEPA

Der in der aktuellen Krise unter Druck stehende Vorstand des Österreichischen Tischtennis-Verbandes (ÖTTV) hat den Rücktritt von Liu Jia als Vizepräsidentin mit Bedauern, aber auch kritischen Tönen kommentiert.

"Mit Bedauern deshalb, weil Liu Jia durch ihren Rücktritt nicht nur ihr Amt, sondern gleichzeitig ihre Verantwortung im Sport abgegeben hat", so der ÖTTV. Ein Rücktritt sei jederzeit legitim, eine ordnungsgemäße Übergabe der Agenden wäre aber wünschenswert gewesen.

Liu Jia hatte am Samstag ihr Amt zurückgelegt und betont, dass sie unter den gegebenen Umständen nicht mehr daran glaube, in der aktuellen Konstellation positive Veränderungen bewirken zu können. "Es gibt Situationen, in denen ein Weiterwirken nicht mehr Ausdruck von Stärke ist, sondern bedeuten würde, Verantwortung für Entwicklungen zu tragen, hinter denen man nicht mehr stehen kann."

Sie könne Athletinnen und Athleten, den Trainerinnen und Trainern, den Eltern, den vielen freiwillig Engagierten und all jenen, die ihr das Vertrauen geschenkt hätten, nicht mehr mit voller Überzeugung als Teil dieses Vorstands gegenübertreten, sagte die auch für die ÖTTV-Nachwuchsarbeit zuständig gewesene Ex-Weltklassespielerin.

Rücktrittsforderungen und Förderstopp

Am Freitag hatten heimische Bundesligisten als Reaktion auf den Umgang des Verbandes mit schweren Vorwürfen gegen einen ehemaligen Jugendtrainer den Rücktritt von ÖTTV-Präsident Wolfgang Gotschke und Vizepräsident Conrad Miller gefordert. Gotschke sagte dazu in der Sendung "Sport am Sonntag" zu einem ORF-Redakteur: "Wenn ich zurücktrete, werden Sie es als Erster erfahren."

Davor hatte das Sportministerium die Förderungen an den ÖTTV gestoppt, bis mögliche Verfehlungen des Verbandes aufgeklärt sind. Der Vorstand betonte am Sonntag, dass man um eine restlose, transparente Aufklärung dieser Causa bemüht sei.

Dazu habe man auch einen Care & Compliance-Ausschuss eingesetzt, über dessen Ergebnisse werde man transparent berichten. Die nächste Vorstandssitzung sei für Mittwoch angesetzt worden.

Verbandsspitze will transparent über Aufklärungsschritte informieren

Der ÖTTV-Vorstand stellte seine Sichtweise in der Causa wie folgt dar: Der Verband habe die Zusammenarbeit mit dem Nachwuchscoach 2024, als die Vorwürfe gemeldet wurden, sofort beendet.

Im November 2025 habe man nach neuerlichen, medial berichteten Vorwürfen gegen den Trainer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Die damalige Vizepräsidentin und auch für den Nachwuchs zuständige Sportdirektorin Liu Jia habe die Vorgangsweise mitgetragen.

Einsicht in den Akt der Staatsanwaltschaft habe man erstmals am 12. März 2026 erhalten. Darin würden dem Trainer von Athletinnen verschiedene Verhaltensweisen vorgeworfen, welche - ungeachtet einer von der Staatsanwaltschaft bzw. Gericht zu beurteilenden Strafwürdigkeit - nicht mit den Werten des ÖTTV vereinbar seien.

Die größten Sportler-Comebacks aller Zeiten

Kommentare