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ÖHB-Team muss sich hinterfragen

Nach der EM 2018 muss der nächste Tiefschlag verdaut werden.

ÖHB-Team muss sich hinterfragen Foto: © GEPA

Das österreichische Handball-Nationalteam kann mit dem Ausgang der WM-Vorrunde ganz und gar nicht zufrieden sein.

Anstatt des geplanten Aufstiegs nach der Vorrunde kämpft das Team von Coach Patrekur Johannesson nun im "President's Cup" mit Argentinien (Samstag, 20:30 Uhr) bzw. Serbien oder Bahrain um die Plätze 17-20.

Höchste Zeit also, um an sich zu arbeiten, denn bereits in einem Jahr wartet mit der Heim-EM der nächste Höhepunkt: "Jeder muss sich selbst hinterfragen", erklärt Kapitän Nikola Bilyk nach der 27:32-Niederlage gegen Tunesien.

Bilyk: "Köpfe waren sehr weit unten"

Schon die zweite Partie mit dem 24:32 gegen Außenseiter Chile war völlig verkorkst. Ein unerwarteter Rückfall, der schonungslos das vielleicht größte Manko aufzeigte: Wer sich gegen einen solch "kleinen" Gegner nicht durchsetzen kann, darf von den Top-12 nicht träumen. Gift nicht zuletzt für das Selbstvertrauen. "Das hat uns die Kräfte geraubt, die Köpfe waren sehr weit unten", betonte Bilyk.

Die Spieler, die nach dem Vorrundenaus bei der EM 2018 den nächsten Tiefschlag verdauen müssen, übten sich in Selbstkritik. "Wir haben gesehen, dass wir 30 Minuten lang richtig geil Handball spielen können, aber Handball dauert eben 60 Minuten", gab Bilyk zu Protokoll.

"Jeder muss das Jahr nutzen, jeder muss ehrlich zu sich sein", sagte Goalie Thomas Bauer, der zwei Tage nach der Geburt seines Sohnes das erste Spiel bei der WM absolvierte. "Wir müssen auch an unserer Körpersprache, an der Einstellung arbeiten", erklärte der Routinier, der schon bei der Heim-EM 2010 an Bord war und es auch 2020 noch sein will.

Zu wenig Konstanz

"Wir liefern einerseits Sensationsspiele ab und dann auch so was wie gegen Chile. Das ist eine Entwicklung, die man im Kopf machen muss. Daran kann das Trainerteam nichts ändern", stellte Bauer fest. "Wir müssen ab jetzt jeden Tag für die Heim-EM brennen. Dann fällt es einem leicht, Extraeinheiten zu machen."

Eine Steigerung muss nicht zuletzt in puncto Athletik her, das wurde unter anderem gegen die körperlich überlegenen Tunesier sichtbar. "Wir brauchen einfach mehr Masse", sagte Johannesson. Er betone "schon seit Jahren", dass jeder an sich arbeiten müssen. "Es ist eigentlich das gleiche wie vor einem Jahr. Das ist ein bisschen wie im diesem Film, 'Und täglich grüßt das Murmeltier'."

Die Enttäuschung des 46-Jährigen dürfte umso größer ausgefallen sein, als er vor der WM "eigentlich ein gutes Gefühl" gehabt habe. "Für eine Quali sind wir bereit", stellte er angesichts der erfolgreichen Play-off-Partien gegen Weißrussland im vergangenen Juni fest. Für eine WM oder EM reiche es anscheinend nicht. Ähnlich sah Sportdirektor Patrick Fölser die zwar nicht mehr ganz junge, aber teilweise international unerfahrene Truppe: "Bei so einem Turnier haben wir nicht die Basis und die Durchschlagskraft, die wir früher schon hatten."

Schon wenige Ausfälle, wie jener des verletzungsanfälligen Rückraumakteurs Alexander Hermann, bringen das Gefüge durcheinander. Klar scheint freilich, dass der Kreis an Teamkandidaten unmittelbar nicht größer werden wird. "Ich muss mit den Leuten arbeiten, die es gibt", meinte Johannesson lapidar. Umso erfreulicher sind Auftritte wie jener des nachnominierten Debütanten und Graz-Protagonisten Daniel Dicker, der im Rückraum unbekümmert und mutig agierte.

Viel Arbeit für die nächsten Monate

Das bleibt ganz allgemein für die nächsten Auftritte des Teams zu hoffen. Abgesehen von den zwei abschließenden Partien im President's Cup am Wochenende stehen bei der Fortsetzung des Euro Cups im April und Juni weitere Partien gegen EM-Mitveranstalter Norwegen und Schweden beziehungsweise Titelverteidiger Spanien an - also auf höchstem Niveau. Im Juni ist zudem ein einwöchiges Teambuilding geplant.

Viel Arbeit jedenfalls, die auf den Sportdirektor und das auf vier Köpfe angewachsene Trainerteam wartet. Johanneson kann sich auf "Co" Erwin Gierlinger, Tormanncoach Mattias Anderson und Athletiktrainer Harald Horschinegg stützen. An dieser Konstellation soll sich nichts ändern. Auch Johannesson, der seit 2011 an der Spitze steht, bekräftigte seinen Wunsch, weiterzumachen. "Ich liebe diese Mannschaft", meinte der Isländer, der im Sommer beim dänischen Champions-League-Club Skjern anheuert. "Aber wenn jemand von oben sagt, dass man einen neuen Mann braucht, dann bin ich jederzeit bereit, zu gehen."

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