Playoff Monday: Schönen Urlaub, OBJ!

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Und da sind wir schon wieder!

Die Ergebnisse sind euch allen freilich bekannt, doch die größte und teuerste Profiliga der Welt hat viele Stories zu erzählen.

Wie gewohnt widmet sich LAOLA1 den Auffälligkeiten des Spieltages.

Wer ist Winner? Wer ist Loser? Wer oder was war awesome? Wer oder was war awful? Wer sorgte noch für Aufsehen?

Das ist der Playoff Monday - die Postseason-Endzone von LAOLA1 - dieses Mal nach den Wildcard-Games vom Wochenende:

Das Beste kommt zum Schluss! Was das Wildcard-Wochenende betrifft, ist das durchaus eine zulässige Aussage. Denn Green Bay gegen die New York Giants war mit Sicherheit das Beste, was die erste Playoff-Runde zu bieten hatte. Ein Postseason-Heimspiel der Packers ist ohnehin immer Kult, auch dieses Mal bei tiefen Minusgraden. Die Giants wärmten sich oben ohne auf und am Ende wurden ihnen von den Packers auch noch die Hosen ausgezogen. Green Bay lief nach Kaltstart so richtig heiß - und vor allem einer: Mr. "We can run the table" Aaron Rodgers. Der MVP-Kandidat ließ sich von der Giants-Defense nicht einfrieren, warf am Ende vier Touchdowns, drei zu Randall Cobb - und allen voran natürlich die Hail Mary zur Pause. Hail, yeah, die Packers sind on fire, frustrierten auch Odell Beckham jr. so dermaßen, dass dieser wieder seine Emotionen nicht im Griff hatte (Hier zur Story). Am Ende war es ein Statement-Sieg der Packers, die als Favorit sicher den schwierigsten Gegner in den Wildcards hatten. Auch defensiv war das gegen Eli Manning sehr in Ordnung. Der forced Fumble von Clay(maker) Matthews soll hier stellvertretend eine Würdigung erfahren. Nun geht die Reise von Green Bay nach Arlington, Texas, zu den Dallas Cowboys. Dorthin, wo die Packers zuletzt vor sechs Jahren die Super Bowl für sich entscheiden konnten. Wenn das mal kein gutes Omen ist...

Fun Fact PS: Aaron Rodgers hat jetzt auf jedem großen Network einen Hail-Mary-Pass samt TD geschafft: Erst CBS, dann NBC und jetzt FOX. "Unbelievable", würde Joe Buck sagen...

Ein Drop hier, ein Drop dort, ein Missgeschick hier, ein Unvermögen dort. Natürlich wäre es ein Leichtes, das allzu frühe Saisonende der Oakland Raiders Connor Cook in die Schuhe zu schieben. Als Rookie-QB und eigentliche Nummer drei ist er das schwächste Glied in der argumentativen Kette, und der Performance-Unterschied zum verletzten Starter Derek Carr ist einfach drastisch. Aber so leicht können und wollen wir es den Raiders nicht machen. Football ist bekanntlich der ultimative Teamsport, bei dem halt eine Position trotzdem alle anderen überragt - das muss kein Widerspruch sein. Übersetzt: Natürlich war die Chance auf einen Playoff-Sieg in Houston mit Cook geringer. Aber mit einer vernünftigen Teamleistung hätte man es den Texans wesentlich schwerer machen können. Allzu früh hatte man den Eindruck, als würden zu viele Oakland-Spieler selbst nicht an den Sieg glauben. Dabei hätte der junge QB jede Hilfe nötig gehabt, die er bekommen kann. Diesen Brei haben tatsächlich zu viele Köche verdorben und nicht nur ein Cook.

Heute vor zehn Jahren präsentierte Apple sein erstes iPhone - und dennoch kommen die Seattle Seahawks immer noch davon. Gut, vielleicht werden wir etwas konkreter: Der einhändige Touchdown-Catch im Fallen von Paul Richardson war in erster Linie unglaublich geil, deswegen ist er auch zurecht das Play of the Week. Aber auf der anderen Seite war er auch regelwidrig, beging Richardson doch eine Facemask an Detroits Tavon Wilson. Das sahen die Offiziellen auch im Video - jeder Score wird bekanntlich im Nachhinein überprüft - aber das war nicht der Gegenstand der Untersuchung. Denn am Feld wurde der Touchdown gegeben - und es war ja auch einer. Doch eigentlich hätten die Refs dort schon die Facemask sehen sollen sowie die Pass Interference von Wilson. Beide Strafen hätten sich aufgehoben und Seattle wäre noch einmal mit dem vierten Versuch dran gekommen. Hätti, wari. Punkt 1: Es war ein geiler Touchdown. Punkt 2: Es war ein höchst verdienter Sieg der Seahawks, die das klar bessere Team an diesem Abend waren. Deswegen kein schaler Beigeschmack: Nur, warum eigentlich Videobeweis, wenn man doch nicht richtig entscheiden kann? Vielleicht wird das ja in zehn Jahren möglich sein...

Es gibt Horrorfilme, die sind so heftig, dass man nicht genau weiß, ob man hinschauen oder sich doch die Hände vor die Augen halten soll. So ähnlich erging es einem mit der Defense der Miami Dolphins über weite Strecken in Pittsburgh. Die war weit schlimmer als Oh Boy! Haaaaaaaaalloooooooo, das war ein Playoff-Spiel!!!! Wie seelenruhig man erst Ben Roethlisberger und Antonio Brown bei ihren beiden Touchdowns gewähren ließ und wie gemütlich Le'Veon Bell phasenweise durch die Reihen der Dolphins joggen konnte - sagenhaft! Tacklen ist in der NFL übrigens nicht verboten. Aber wir wollen natürlich auch unseren Hero des Wochenendes nicht vergessen. Matt Moore hat zwar wie ein Backup gespielt - also bisweilen eh ganz okay, aber spätestens bei seinen Fehlern wusste man, warum er kein Starter ist. Aber nach diesem Monster-Mega-Überdrüber-Hit erstens wieder aufzustehen und zweitens nur ein Play auszusetzen, verdient unseren allergrößten Respekt!

Künstlich einen auf Spannung zu machen, gelingt einem nach diesem Playoff-Auftakt zugegeben nicht. Eine einseitigere Wildcard-Runde gab es seit 1981 nicht mehr, wobei damals nach altem Format nur zwei anstatt von vier Partien ausgetragen wurden. Mit 19 Punkten Differenz endeten die vier Spiele im Schnitt. Gäääääähn! Gott sei Dank gab es jede Mege spektakulärer Plays und Randgeschichten, weshalb die NFL ja bekanntlich nie fad wird, auch wenn das Geschehen auf dem Feld ein wenig zu wünschen übrig lässt. So richtig überraschend kamen die relativ deutlichen Spiele ja nicht, was jedoch an der Konstellation der jeweiligen Spiele lag. Green Bay und Pittsburgh zählen zu den heißesten Teams, Seattle ist ohnehin eine Heimmacht und Oakland hat QB-Sorgen. Denn so ein Selbstläufer ist gerade die Wildcard-Runde für Heimteams normalerweise nicht. Seit die Divisions 2002 neu arrangiert wurden, lautete die Bilanz der Heim-Teams in der ersten Playoff-Runde nur 30-26 - vor diesem Wochenende wohlgemerkt. Wir erinnern uns: Vergangene Saison setzten sich noch alle vier Auswärtsteams durch! Auch das war nicht unlogisch: Die Wildcard geht oft an Teams, die zwar eine tolle Saison gespielt haben, jedoch innerhalb der eigenen Division einen noch stärkeren Kontrahenten vorgefunden haben - ohne die Verletzung von Derek Carr wäre der Zweite der AFC West in dieser Spielzeit ein klassisches Beispiel gewesen. Soll heißen: Bisweilen geht das Gäste-Team mit besserer Bilanz als das Heim-Team ins Match (heuer traf dies auf Oakland und die New York Giants zu). Von dem her halte ich es für Zufall, dass es in diesem Jahr so einseitig und langweilig gekommen ist und für keinen Trend. Wie gesagt: Diesmal war es absehbar, denn dass Kollege Kastler und ich im Vorfeld beide in jeder Partie den richtigen Sieger gepickt haben, fiele unter normalen Umständen unter die Kategorie Weltwunder und zeigt, dass es nicht allzu schwer war. Einen Vorteil haben die Favoritensiege: Jetzt duellieren sich mit den sieben würdigen Division-Siegern plus Houston sieben echte Super-Bowl-Kandidaten (plus Houston). Das heißt: Mit Ausnahme von New England gegen Houston erwarten uns in den Divisionals drei echte Kracher. Und ich bin beinahe geneigt, Hochspannung für das kommende Wochenende zu versprechen. Und weil ich mich jetzt so über die Texans lustig gemacht habe, sind sie auch ein Kandidat für eine Sensation, hahaha.

Ich gestehe! Ich bin wohl einer der wenigen, die erst vergangene Woche "All or Nothing" fertig geschaut haben - und nein, nicht weil David Alaba diesen TV-Tipp abgegeben hat. Für diejenigen, die es nicht kennen: Dies ist eine achtteilige Dokumentation über die Saison 2015 der Arizona Cardinals. Das TV-Team ist überall, und mit überall meine ich ü-b-e-r-a-l-l, dabei. Ich möchte diese TV-Produktion etwas untertrieben als epochal bezeichnen, wobei dies möglicherweise aus dem Blickwinkel des NFL-Nerds geschieht, denn ich kenne auch jemanden, der dabei eingeschlafen ist. Eine meiner Lieblings-Szenen: Der Draft, der zeigt, welches Glück und wie viel Zufall mithalf, dass der heutige Superstar David Johnson überhaupt in Phoenix landete, denn eigentlich wollte man einen anderen RB (ich will nicht zu viel spoilern). Wer sich jetzt fragt, was das alles mit dem Playoff-Auftakt zu tun hat, dem sei dies hiermit - mit einem Spoiler - erklärt: Die "Hail Mary" von Aaron Rodgers gegen die New York Giants war ja bekanntlich kein singuläres Naturschauspiel, sondern nur die Vertiefung einer innigen Liebesbeziehung. Letzte Saison gelang Green Bays Superstar-QB eine gegen Detroit und in den Playoffs eine in - eben - Arizona. Die Folge zu diesem denkwürdigen Playoff-Thriller möchte ich in der Kategorie TV-Geschichte einordnen. Aus jedem Blickwinkel, und mit jedem Blickwinkel meine ich j-e-d-e-n B-l-i-c-k-w-i-n-k-e-l, also egal ob Spieler, Head Coach Bruce Arians, seine Frau, Owner oder diverse Spielerfrauen, werden die sich überschlagenden Ereignisse betrachtet - auch die Hail Mary von Rodgers und noch viel wichtiger: Die intensive Vorbereitung der Cardinals auf genau diese Hail Mary. Detailliert haben die Coaches ihren Schützlingen vermittelt, wie Rodgers diese Glücks-Würfe ansetzt. Trotzdem gestaltete er seinen Versuch erfolgreich. Jede Wette, dass auch die Giants-Coaches ihre Spieler in sich gebetsmühlenartig wiederholenden Predigten detailliert mit mit Aarons Liebe zur Hail Mary vertraut gemacht haben. Trotzdem hat er es wieder einmal geschafft. Erstaunlich! Natürlich ist und bleibt es am Ende bei allem Training dieser Spielzüge mehr Glück als Können (weil die Wahrscheinlichkeit, diesen langen Wurf in der Endzone zu verteidigen, einfach relativ hoch ist), aber bei Rodgers bin ich nahe dran, diese Meinung zu revidieren.

So ganz verstanden habe ich die Gerüchte um Houstons Head Coach Bill O'Brien vor dem Oakland-Spiel nicht. Bei einer Niederlage wäre sein Job offenkundig ernsthaft in Gefahr gewesen. Irgendein anderes Team hätte bestimmt artig Danke gesagt. Nun weiß man aus der Ferne natürlich nicht, ob es interne Probleme gibt und wenn ja welche (wobei die Vermutung, dass Brock Osweiler im Fall der Fälle Anlass für Streit bietet, keine gewagte ist), aber die Sonne scheint in der Beziehung zu GM Rick Smith nicht zu scheinen. Eine Trennung wäre aus Texans-Sicht jedoch ein Fehler, denn immerhin hat O'Brien Houston nun bereits zum zweiten Mal in Folge "ohne" Quarterback in die Playoffs gecoacht. So enttäuschend die Leistungen in der laufenden Saison gewesen sein mögen und so kostspielig Transferflop Osweiler sein mag, das muss man erst einmal hinbekommen. Und, ja, der Traum von der Heim-Super-Bowl ist für die Texaner nach wie vor nicht geplatzt, wenngleich mir nur wenige Argumente einfallen, warum sie in New England siegreich bleiben sollten. Ich denke, im Falle einer Niederlage wird das Wichtigste an dieser Partie sein, dass Osweiler abermals eine vernünftige Leistung bringt, damit man vielleicht doch noch auf einen Turnaround des Spielmachers im Jahr 2017 hoffen kann. Sicher, auch die Defense ist nicht so schlecht und könnte Tom Brady ärgern, aber der größte Hoffnungsträger ist für mich O'Brien selbst. Er hat über viele Jahre an der Seite von Bill Belichick in New England gearbeitet, weiß also ganz genau, wie der Patriots-Guru tickt. So richtig durchgestartet sind die Mitglieder von Belichicks "Coaching Tree" außerhalb von New England bisher bekanntlich noch nicht. Angesichts der vielen Enttäuschungen wie Eric Mangini, Romeo Crennel oder Josh McDaniels (zumindest im ersten Versuch) und Co. als Head Coaches, könnte man fast auf die Idee kommen, dass alleine die Genialität von Belichick und Brady den Patriots-Erfolg garantiert. Aber gut, vielleicht durchbricht O'Brien diesen Trend ja mit konstanterem Erfolg.

Ich wette, dass Odell Beckham Jr. im Verlauf seiner Karriere noch großartige Playoff-Leistungen bringen wird, er ist und bleibt einer der aufregendsten Spieler auf diesem Planeten. Aber sein Postseason-Debüt fällt natürlich unter die Kategorie Totalausfall - und sein offenkundiger Ausraster nach dem Spiel passt diesbezüglich ins Bild. Aber dazu gleich mehr. Zuerst zum Thema der Stunde in New York: Nein, übertrieben schlau war der Yacht-Ausflug in Miami nicht. OBJ und diverse Kollegen feierten am Montag in Florida mit Justin Bieber und ließen sich auch auf einem Boot ablichten. Das größte Problem: Wer zum Teufel will mit Bieber feiern? Aber Spaß beiseite: Ich glaube nicht, dass dieser Ausflug in die Sonne die Vorbereitung auf das Green Bay-Spiel gestört hat, ich nehme an, Head Coach Ben McAdoo wusste Bescheid, aber auch und gerade diese Herrschaften sind Teil des modernen Zeitalters, in dem einem dieser Spaß sehr schnell negativ ausgelegt wird, wenn man danach nicht abliefert. Ich sage nicht dass das fair ist, aber das gehört leider zu den Spielregeln im Jahr 2016. So perfekt sich die aktuelle Generation heutzutage vermarkten kann und auch dadurch Millionen casht, so groß ist der Nachteil, dass man in der Freizeit eben nicht mehr alles unbeobachtet tun und lassen kann, was frühere Sportler-Generation ja angeblich noch gemacht haben. Hört man. Beckhams größtes Problem: Er hat nicht abgeliefert. Und das wird ihn eine Offseason lang verfolgen, das sagt er selbst. Und es ist nicht so, dass ihn die Packers-Secondary stets perfekt zugedeckt hat, da waren einige bittere Drops dabei. Kurzum: 28 Receiving-Yards sind für ein Kaliber wie Beckham Jr. natürlich viel zu wenig. Gerade in solchen Showdowns müssen die Star-Spieler in den Vordergrund drängen. Womit wir wieder bei den negativen Emotionen des Giants-Superstars wären. Vor der Partie fielen Aussagen von Carolina-Linebacker Thomas Davis auf. Der meinte, dass Beckham zwar ein spezieller Spieler sein, aber: "Es ist wichtig für ihn, dass er seine Emotionen kontrolliert. Wenn er die im Griff hat, ist er großartig für das Team. Aber wenn er sie nicht im Griff hat und ihn seine Emotionen übermannen, ist er für dieses Football-Team ein Krebsgeschwür." Nun ist der Krebs-Ausdruck im Englischen (lockerroom cancer) in meinen Augen eine Spur weniger heftig als im Deutschen, aber inhaltlich kann man diese Kritik so schon stehen lassen. Beckham Jr. muss ganz, ganz dringend an diesem mentalen Problem arbeiten. Er kann nicht bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit seinen Kopf gegen diverse Utensilien und Wände knallen. Dann, wenn es gerade nicht läuft, cool zu bleiben und doch noch zuzuschlagen, ist der nächste Schritt. Aaron Rodgers gab ihm diesbezüglich Nachhilfeunterricht. Wenn der Packers-QB angesichts der lange Zeit trostlosen ersten Hälfte die Nerven geschmissen hätte, wäre es eher eng geworden für Green Bay.

Ich bin schon gespannt, wie "Neo" seine Detroit Lions verabschieden wird. So blöd es klingt nach einem 6:26, aber irgendwie war die Partie in Seattle noch die offenste an diesem Wochenende, da die Seahawks erst im Schlussviertel entscheidend weggezogen sind. Das Finish einer Partie ist ja bekanntlich eigentlich die Domäne der Lions, aber seit seiner Fingerverletzung war QB Matthew Stafford nicht mehr derselbe. Ich bleibe dabei: Die Defense der Seahawks ist verwundbarer, als es in der Nacht auf Sonntag den Anschein machte. Leider aus Sicht der Lions passte auch das Stärke-Schwächen-Profil der beiden Teams nicht wirklich aufeinander. Die miese O-Line Seattles kann man bekanntlich challengen, dafür bräuchte man jedoch einen besseren Pass Rush. Und wenn man Thomas Rawls derart glänzen lässt, wird es eben schwierig. Und ja, Glück mit den Refs hatte Detroit auch keines. Ich denke, man kann sich darauf einigen, dass man sich nach diesem Spiel nicht darauf ausreden kann, aber um auswärts die Bastion CenturyLink Field zu stürmen, müssen eben die berühmten Kleinigkeiten stimmen. Apropos auswärts und Lions. Seit 1957, als man bei den San Francisco 49ers siegte, wartet Detroit auf einen Auswärtssieg in der Postseason. Damals war die Super Bowl vermutlich noch nicht einmal eine kühne Idee und Dwight D. Eisenhower Präsident der USA. Das ist schon lange, lange her. Angesichts der beinahe jahrzehntelangen Pleiten, Pech und Pannen in Michigan darf man vielleicht nicht zu viel auf einmal verlangen, aber mit Stafford im besten Karrierealter hat man ein sehr gutes Fundament. Die Erkenntnis, dass der Franchise-QB in dieser Saison einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht hat und auch ohne "Megatron" funktioniert, gilt es in die Offseason mitzunehmen und dort zu versuchen, die nach wie vor vorhandenen Lücken zu schließen. Einerseits in der Defensive, andererseits im Laufspiel - gerade bei Letzterem wäre eine konstante Lösung - endlich - wünschenswert. Und irgendwann wird man beginnen müssen, eine Art Aura des Erfolgs aufzubauen. Denn unabhängig der Auswärts-Durststrecke von Detroit glaube ich, dass solche generationenübergreifenden Fails mitunter kein Zufall sind.

Ja, Connor Cook war fürchterlich. Nein, es war nicht alleine seine Schuld (siehe oben). So sehr es mich nach wie vor ärgert, dass nicht Derek Carr dieses spannende Team der Oakland Raiders in den Playoffs anführen konnte, so tröstlich ist es irgendwie, dass nicht jeder x-beliebige Quarterback aufs Feld kommen und mal eben so im Vorbeigehen ohne genügend Reps mit den Startern ein Postseason-Spiel gewinnen kann. Meine Meinung über die allzu oft zu dürftige Qualität der Backup-QBs in der NFL ist bekannt, aber Spielmacher Nummer drei will ich einfach keinen Vorwurf machen, noch dazu wenn er ein Rookie ist. Vor dem Draft 2016 meinte er, er sei der beste QB, der zur Auswahl stünde. Das notwendige Selbstbewusstsein hat er also, und vielleicht muss er das auch sagen - soll er sagen, nein, ich bin mieser als Spieler X oder Spieler Y? Vielleicht wäre in diesem Moment aber halt doch eine nichtssagende Floskel schlauer gewesen, wenngleich ich als Journalist der Letzte bin, der diesen Rat geben sollte. Aber spannend ist diese Personalie definitiv, weil sie wieder einmal zeigt, welch Lotterie der Draft ist. Cook wurde in Runde vier gezogen - 35 Spots vor einem gewissen Dak Prescott. Dazwischen wurde kein weiterer QB gewählt. Man stelle sich einfach einmal vor, die Raiders hätte ihre offene Planstelle des Backup-QBs der Zukunft hinter Carr mit Prescott besetzt. Gar nicht auszudenken. Dann wäre er in dieser Saison erst jetzt am Feld gestanden und niemand wüsste, welch spezielles Talent der Jungstar der Dallas Cowboys ist. Vielleicht hätte er keine bessere Figur als Cook gemacht. Solche Karriere-Kreuzungen sind oft ebenso erstaunlich wie spannend. Und möglicherweise schlägt ja auch Cook noch einen Weg zum Erfolg ein. Lehrreich war sein Debüt als Starter - und er feierte selbiges als erster Spielmacher in den Playoffs - allemal.

Jadeveon Clowney ist seit drei Jahren in der NFL - und in dieser Saison wird der Defensive End erstmals seinem Status als Nummer-1-Draft-Pick der Houston Texans 2014 so richtig gerecht. Gut, in der ersten Saison war er verletzungsbedingt fast komplett außer Gefecht, in der zweiten schnupperte sich Clowney in die Liga und in der dritten ist der 23-Jährige angekommen. Man kann es ruhig sagen: Clowney ist der beste Verteidiger der Texans, die nach Yards gemessen die beste Verteidigung haben. Natürlich auch weil J.J. Watt verletzt ist, aber nicht nur. Clowney ist eine Gefahr und das musste auch Oakland am Samstag erleben. Seine Interception war ein früher Momentumgewinn für die Gastgeber, schließlich ermöglichte es einen lockeren TD-Lauf von Lamar Miller. Eine 10:0-Führung hilft in einem Playoff-Spiel immer (v.a. Brock Osweiler). Clowney wird den Erwartungen an seine Person in dieser Saison gerecht. Das merkt man vor allem dann, wenn man in einer Postseason zu einem Playmaker wird.

Die Seattle Seahawks haben eindrucksvoll gezeigt, warum ich sie in den Playoffs immer auf der Rechnung habe. "Es fühlte sich wie in alten Zeiten an", sagte Richard Sherman nicht zu Unrecht. Ich durfte ihrem Super-Bowl-Triumph 2014 beiwohnen, als Seattle Denver samt Peyton Manning nach einem offensiven Rekord-Jahr auseinandernahm. 43:8 - diese Defensiv-Leistung hinterließ bei mir mächtig Eindruck und war auch an diesem Wochenende auf ähnliche Weise so. Bärenstarke Defense, tolles Laufspiel - Thomas Rawls agierte ähnlich wie früher Marshawn Lynch - und ein Russell Wilson, der sich auch für einen Block nicht zu schade ist. Auch wenn das folgende keine hochkarätige Analyse über viele Zeilen ist, aber es stimmt einfach: Es braucht die Mentalität, solche Playoff-Spiele für sich zu entscheiden. Die Seahawks haben sich die unter Pete Carroll in den vergangenen sechs Jahren zugelegt.

Ich muss sagen, ich freue mich jetzt einfach schon sehr auf die Divisionals. Die Wildcards haben mich im Jahr 2017 nicht wirklich vom Hocker gerissen. Die Divisionals werden hingegen - was ist nur das passende Wort? - ja, richtig, epochal! Lassen wir mal Houston zu Gast bei New England außen vor, haben wir drei Super-Bowl-mäßige Matchups. Dallas gegen Green Bay, Atlanta gegen Seattle und Kansas City gegen Pittsburgh. Frei nach Hans Krankl: "Lacht da nicht am jeden des Herz?" (oder so...) Die Super-Rookies gegen Super-A-Rod, die beste Offense gegen stahlharte Playoff-Seahawks, die vielseitigen Chiefs gegen "The Big Three". Kurzum: Jupeidi! Abgesehen von Green Bay gegen Giants waren die Wildcards leider eine maue Angelegenheit - so ehrlich muss man sein. Das hatte unterschiedliche Gründe. Oakland ohne Derek Carr - einfach nicht dasselbe. Wenn man die ersten elf Third Downs nicht verwertet, dann wird es schwierig. Mag nicht nur am Rookie gelegen haben, aber sicherlich auch. Gegen die beste Defense der Liga nach Yards reicht das dann auch nicht. Miami hatte dasselbe Problem mit Ryan Tannehill bzw. Matt Moore, doch das war in diesem Fall weniger ausschlaggebend - weil die Defense gegen die Monster-Offense der Steelers nicht standhielt. Auch weil die Verletztenliste nicht gerade kurz war auf Seiten der Dolphins-Defense. Doch solch eine Playoff-Erfahrung kann nicht schaden. Die Lions haben mich indes nicht enttäuscht, sondern die Seahawks im Gefühl bestätigt. So war auch das eine klare Angelegenheit wie letztlich Green Bay gegen die Giants. Dass die Partien dann doch so klar ausgehen, hat mich dann doch ein wenig überrascht. Gewiss werden die Partien am kommenden Wochenende enger und spannender. Das geilste Football-Wochenende des Jahres wartet auf uns!

Bye, bye Giants! Grundsätzlich habe ich nichts gegen die New York Giants, aber ihr Ausscheiden tut mir in diesem Jahr ganz und gar nicht weh. Das Gehabe von Odell Beckham jr. ging mir in dieser Saison so etwas von auf den Senkel - ich kann es euch gar nicht beschreiben. Der Gipfel war der Ausflug nach Miami. OBJ war mit Sterling Shepard, Victor Cruz und Roger Lewis in Florida, sie gingen in die Clubs und waren oben ohne auf einer Yacht zu sehen. #LivingLife Ja, eh schön und gut (Und wer hat eigentlich Timberlands in Miami an?) Aber das eine Woche vor dem ersten Playoff-Spiel der Giants seit fünf Jahren (und OBJs erstes überhaupt)? Auch wenn Eli Manning darüber scherzte, das kann es doch nicht sein. Man hat die gesamte Offseason Zeit, einen drauf zu machen - vor allem als Super-Bowl-Sieger. Ich halte es wie Kurt Warner: "Ich hätte jede Minute darauf verwendet, mich auf Green Bay vorzubereiten." Es hat schon einen Grund, warum Tom Brady und Peyton Manning abseits des Feldes nicht wirklich auffallen (okay, TB12 ist nun auch auf Instagram, aber das und facebook war's dann schon...) und trotzdem super erfolgreich waren oder sind. Und wenn man schon einen auf dicke Hose macht, sollte man auch erfolgreich sein. 28 Yards und zwei Drops - schöne Offseason, OBJ!

So gut die Pittsburgh Steelers gegen Miami auch unterwegs waren, eines verstehe ich dann auch nicht: Warum Big Ben Roethlisberger und Le'Veon Bell nicht am Ende geschont wurden? Der Quarterback verletzte sich im vorletzten Spielzug am Knöchel und verließ das Heinz Field zur Sicherheit mit einer Schiene am Bein. Meiner Meinung nach völlig unnötig, seine besten Spieler in den Playoffs durchspielen zu lassen, wenn es nicht mehr notwendig ist. Die Partie war im vierten Viertel entschieden, Pittsburgh führte 30:6. Da kann man für die letzten Drives, die nur noch dem Zeit runterspielen dienen, auch die Backups ran lassen. Landry Jones gibt den Ball an DeAngelo Williams, der die Partie nach Hause läuft. Der ist ja auch nicht der untalentierteste Running Back in der NFL. Und bei Roethlisberger könnte sich das ja noch rächen...

Zum Abschluss noch ein Blick in die restliche NFL-Welt. Da gibt es bekanntlich Teams, die ordentlich ausgeschüttet haben in dieser Saison - und so mussten wie immer am "Black Monday" nach der Regular Season einige Head Coaches ihren Platz räumen. Aber es wurde noch keine Stelle nachbesetzt! Da es auch innerhalb meiner Football-Welt Diskussionen darüber gibt, stelle ich auch gerne hier die Frage: Welchen vakanten Head-Coach-Posten würdest du wählen, wenn du die Wahl hättest? Einfach unten kommentieren und vielleicht kurz begründen. Wer einfach nur abstimmen will, dafür ist der Trend unten da! PS: Auch wenn es eine offensichtliche Antwort gibt (ja, Denver), würde mich auch ein anderer Job sehr reizen. Die Antwort gibt es nächste Woche an dieser Stelle. Nun bin ich aber mal auf eure Antworten gespannt!

Welchen Head-Coach-Job würdest du wählen?

Wir picken jede Woche die Teilnehmer der Super Bowl LI, die am 5. Februar dieses Jahres in Houston, Texas, stattfinden wird.

Das NRG Stadium war bereits einmal Schauplatz eines NFL-Endspiels - die New England Patriots bezwangen dort 2004 die Carolina Panthers mit 32:29.

Wir sind wie immer zuversichtlich, in irgendeiner Woche mit einem Pick richtig zu liegen - spätestens nach den Conference Finals...

BERNHARD KASTLER und sein Wildcard-Pick:

Seattle Seahawks vs. New England Patriots

Tja, eigentlich müsste ich an meinem letztwöchtigen Tipp nichts ändern. Und tue es auch nicht! Wie oben schon beschrieben, bringt Seattle ein sehr gutes Paket mit, um es wieder in die Super Bowl zu schaffen. Und New England ist New England. Die haben sowieso das beste Package aller Zeiten namens Bill Belichick und Tom Brady. Mit Houston ein leichtes Los in den Divisionals und dann zu Hause gegen Kansas City oder Pittsburgh. Wir wissen, dass diese Patriots in Foxborough einfach alle und jeden schlagen können.

Week

NFC-Team AFC-Team
01 Arizona Cardinals Pittsburgh Steelers
02 Seattle Seahawks Denver Broncos
03 Philadelphia Eagles New England Patriots
04 Minnesota Vikings Denver Broncos
05 Dallas Cowboys New England Patriots
06 Atlanta Falcons New England Patriots
07 New York Giants San Diego Chargers
08 Green Bay Packers Kansas City Chiefs
09 Seattle Seahawks Buffalo Bills
10 Seattle Seahawks Kansas City Chiefs
11 New York Giants Oakland Raiders
12 Tampa Bay Buccaneers Oakland Raiders
13 Tampa Bay Buccaneers New England Patriots
14 Green Bay Packers Pittsburgh Steelers
15 Green Bay Packers Oakland Raiders
16 Dallas Cowboys Miami Dolphins
17 Seattle Seahawks New England Patriots

PETER ALTMANN und sein Wildcard-Pick:
Seattle Seahawks vs. Pittsburgh Steelers
Nach der Wildcard-Runde möchte ich hier zwei Wildcard-Teams stehen haben. Die Steelers sind heiß und in dieser Form ist ihnen auch ein Triumph bei den Patriots zuzutrauen. Wenn Seattle in Atlanta gewinnt, könnte es zu Hause eventuell zur Mega-Revanche gegen Green Bay kommen. Die Packers werden sich dabei bereits wie der sichere Sieger fühlen, aber letztlich aufgrund eines Onside-Kicks und diverser anderer göttlicher Eingriffe doch noch verlieren. Zu viel Fantasie? Ja, eh, so etwas kann ja gar nicht vorkommen. Völlig undenkbar. Aber so habe ich wenigstens charmant eine "Bold" Prediction untergebracht.

Week

NFC-Team AFC-Team
01 Green Bay Packers New England Patriots
02 Carolina Panthers New England Patriots
03 Minnesota Vikings New England Patriots
04 Seattle Seahawks New England Patriots
05 Arizona Cardinals New England Patriots
06 Atlanta Falcons New England Patriots
07 Green Bay Packers Denver Broncos
08 Seattle Seahawks Oakland Raiders
09 Dallas Cowboys Oakland Raiders
10 Seattle Seahawks New England Patriots
11 Dallas Cowboys Kansas City Chiefs
12 New York Giants New England Patriots
13 Seattle Seahawks Baltimore Ravens
14 Detroit Lions New England Patriots
15 New York Giants Pittsburgh Steelers
16 Dallas Cowboys Pittsburgh Steelers
17 Dallas Cowboys New England Patriots

Textquelle: © LAOLA1.at

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