360 km/h und mehr: Ist die MotoGP zu schnell?

360 km/h und mehr: Ist die MotoGP zu schnell? Foto: © GEPA
 

Bevor die Motorrad-Weltmeisterschaft in eine fünfwöchige Sommerpause geht, wartet die "Cathedral of Speed".

Auf dem TT Circuit in Assen steht an diesem Wochenende der Grand Prix der Niederlande an. Die Strecke im nördlichen Teil des Landes zählt zu den Traditionsstrecken, ist die einzige im MotoGP-Kalender, auf der seit 1949 jedes Jahr ein Rennen der Motorrad-WM ausgetragen wurde.

Bei den Fahrern ist der Kurs allseits beliebt, besticht sie doch mit vielen flüssigen Kurven und einer hohen Durchschnittsgeschwindigkeit. Maverick Vinales fuhr bei seinem im Vorjahr aufgestellten Rundenrekord von 1:31,814 Minuten durchschnittlich 178,090 km/h.

Mit dem schnellsten Kurs im Motorrad-WM-Kalender auf dem Red Bull Ring in Spielberg - Durchschnittsgeschwindigkeit von 188,096 km/h - kann Assen nicht mithalten, ebenso wenig mit jener Strecke, auf der heuer ein neuer Geschwindigkeitsrekord aufgestellt wurde: Mugello.

MotoGP bekommt ähnliche Probleme wie die Formel 1

Im Grand Prix von Italien erreichte der Spanier Jorge Martin mit seiner Pramac-Ducati einen Topspeed von 363,9 km/h und war damit schneller als Johann Zarco und Brad Binder, die den Rekord mit jeweils 362,4 km/h gehalten haben.

Generell sind Geschwindigkeiten jenseits der 350 bis 360 km/h keine Seltenheit mehr in der MotoGP, begünstigt durch stetige Aerodynamik-Updates wie den Winglets an der Front des Bikes oder dem Ride-Height-Device, welches das Motorrad beim Rausbeschlunigen aus der Kurve absenkt und somit Wheelies verhindert.

Ähnlich wie in der Formel 1 gibt es mittlerweile auch in der Motorrad-Königsklasse ein unerbitterliches Wettrüsten, darunter leidet hier und da aber auch die Rennaction. Überholen wird wie bei den Kollegen auf vier Rädern immer mehr zum Problem, auch das Fahren hinter dem Kontrahenten wird schwieriger.

"Jenseits von 360 km/h sind wir einfach in einer unguten Situation"

Eine Entwicklung, die KTM-Motorsportdirektor Pit Beirer nachdenklich macht. Besonders die hohen Geschwindigkeiten machen dem Deutschen zu schaffen: "Für mich ist es über dem Limit", stellt er klar.

Beirer sieht viele Risiken für Fahrer und Maschine

Zwar rede er in der aktuellen Situation bei den Mattighofenern, die zunehmends ins Hintertreffen geraten, nur ungerne über "zu schnelle Bikes und Technologien. Aber es ändert an der Tatsache nichts. Jenseits von 360 km/h sind wir einfach in einer unguten Situation", sieht Beirer ein großes Risiko für Maschine und Fahrer.

Piloten würden auf jeder Runde ein "extremes Risiko" nehmen, "die Bremsen sind am Limit und die Sturzräume sind für die Geschwindigkeit einfach zu klein", so der 49-Jährige. 360 km/h und mehr "fahren wir jetzt schon die zweite Saison. Aber es darf nicht weitergehen", fordert er die Verantwortlichen zum Handeln auf.

Doch er selbst weiß: "Die Technologie in dieser Klasse wird trotzdem weiterentwickelt und die Bikes noch schneller werden." Kurt Trieb, Motorentwickler bei KTM, "wird uns wieder einen stärken Motor bauen, die Fahrwerke werden wieder besser und wir werden den Grip erhöhen", weiß Beirer.

Reifenhersteller Michelin strebt ebenfalls danach, wieder einen "besseren Reifen zubringen und dann fahren wir halt 370. Irgendwo ist ein Limit erreicht!"

KTM-Direktor fordert Einschränkungen

Der Motorsportdirektor fordert von den Bossen der Dorna - den Rechteinhabern der MotoGP - und dem Motorradweltverband FIM ein Umdenken und Einschränkungen: "Da muss man im Reglement nachdenken, wie wir es schaffen, den Deckel einzuziehen."

Man müsse im Reglement etwas finden, "damit die Mechaniker weiterhin erstklassige Technologie entwickeln können. Du kannst nicht sagen, man darf nur noch alte Technologie verwenden", sagt Beirer, der darauf hinweist, dass die MotoGP das Nonplusultra im Motorrad-Sport ist und eine gewisse Vorreiter-Rolle einnimmt. "Das ist Prototypen-Bau und technische Entwicklung auf allerhöchstem Niveau."

"Wir werden uns bestimmt nicht regulieren."

Pit Beirer fordert die FIM zum Handeln auf

Potenzielle Einschränkungen sieht der ehemalige Motorradrennfahrer bei den Reifen: "Es wäre für uns am allereinfachsten, wenn Michelin uns schlechtere Reifen liefern würde. Das will Michelin aber nicht, weil sie natürlich nicht mit schlechten Reifen in die Geschichte eingehen wollen", ist sich Beirer bewusst.

Dorna und FIM müssen etwas machen

Sowohl Dorna als auch FIM seien daher gefragt, "uns die Rahmenbedingungen schwieriger zu machen – denn wir werden uns bestimmt nicht regulieren. Unser Job ist, die Bikes weiterzuentwickeln und gegen die Konkurrenz anzukommen. Das muss das neutrale Organ über uns machen", so Beirer.

Für KTM "liegen die Argumente schon länger auf dem Tisch, seit mehr als zwei Jahren", erzählt er. "Wir hätten gerne auf Ride-Height und Aerodynamik-Entwicklungen in diesem Ausmaß verzichtet."

Warum? Beirer: "Weil es einfach zehn und zehn km/h zu viel waren."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..