WM-Duell: Das spricht für Verstappen bzw. Hamilton

WM-Duell: Das spricht für Verstappen bzw. Hamilton
 

Wer wird Formel-1-Weltmeister 2021?

Die Entscheidung rückt immer näher. Nur noch drei Rennen - in Katar, Saudi-Arabien und Abu Dhabi - stehen in der laufenden Saison auf dem Programm. Action, Drama, Crashs, Psychospielchen - all das haben wir in diesem Jahr schon erlebt und werden wir im Saisonfinish wohl auch noch erleben.

Im WM-Duell zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton ist Spannung garantiert. Der siebenfache Weltmeister hat zuletzt in Brasilien im Titel-Kampf eindrucksvoll zurückgeschlagen, Verstappen geht hingegen mit 14 Punkten Vorsprung in die abschließenden drei Rennen.

Wer macht am Ende das Rennen? Gibt es einen neuen Weltmeister oder einen alleinigen Rekordchampion?

Das spricht im Titelkampf für Max Verstappen bzw. Lewis Hamilton:

Darum wird Max Verstappen Weltmeister – von Maximilian Girschele

Es ist die jugendliche Unbekümmertheit, die Max Verstappen im Alter von 24 Jahren auszeichnet. Der WM-Führende scheißt sich auf gut Deutsch nichts, wenn es zu Rad-an-Rad-Duellen kommt - noch weniger, wenn es gegen Lewis Hamilton geht. So auch in Interlagos, wo der Niederländer seinen schärfsten Konkurrenten in Runde 48 einfach außen überließ. Eben jenes Manöver sorgte bei Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff für ordentlich Unmut, der Österreicher bezeichnete die von der FIA ungeahndete Szene als "absolute Sauerei" und "eigentlich peinlich für die Rennleitung" (Alle Infos >>>).

Nachdem eine Onboard-Aufnahme von Verstappens Boliden auftauchte, reagierte Mercedes sofort und legte Einspruch gegen das Urteil ein. Die Psychospielchen haben also schon längst begonnen, das Duell Verstappen gegen Hamilton bringt viel Brisanz mit sich. Zwei Mal kollidierten die Ausnahmekönner in dieser Saison bereits, der Crash von Verstappen in Silverstone bringt viele seiner Anhänger bis heute zur Weißglut. Auch Red Bull sah die aus ihrer Sicht unangemessene 10-Sekunden-Zeitstrafe als lächerlich an. Hamilton gelang hingegen just mit dem Sieg in seiner Heimat eine Trendwende in der Weltmeisterschaft, denn zuvor war gegen Verstappen und Red Bull kein Kraut gewachsen. Seitdem sind die Verhältnisse mehr oder weniger ausgeglichen, kein Pilot kann sich entscheidend absetzen. Verstappen hatte noch am vergangenen Wochenende in Brasilien die Chance, eine Vorentscheidung in der WM herbeizuführen - stattdessen beeindruckte Hamilton und Mercedes mit einem neuen "Wunder-Motor".

Während Helmut Marko und Christian Horner für die restlichen Saisonrennen schwarzsehen, bleibt Verstappen zuversichtlich. Immerhin hat er, vorbehaltlich einer nachträglichen Zeitstrafe für das Rennen in Brasilien, 14 Punkte Vorsprung auf Hamilton. In einer Saison mit vielen unerwarteten Wendungen ein schönes Polster. Verstappen liegt dadurch in der Pole-Position auf seinen ersten von wohl vielen WM-Titeln - auch, weil Hamilton weitaus mehr unter Druck steht, als er. Der Brite wird nicht jünger, will sich mit seinem achten WM-Titel unbedingt zum alleinigen Rekord-Champion küren. Doch viele sehen gerade hier das Problem, der 36-Jährige MUSS liefern! Mit George Russell bekommt er nächstes Jahr einen ebenso unbekümmerten wie talentierten Rennfahrer an seine Seite, der im Gegensatz zu Valtteri Bottas nicht klein beigeben wird. Zudem weiß niemand, wie das kommende Saison neu eingeführte Reglement die Kräfteverhältnisse in der Formel 1 ändern wird. Ebenso ein Vorteil für Verstappen: Ein Sieg oder eine Platzierung vor Hamilton und er ist so gut wie durch. Denn zwei zweite Plätze sind absolut im Bereich des Möglichen, noch dazu, wo Mercedes noch keinen (!) einzigen Doppelsieg feiern konnte. Und: Bei allen sechs Saisonsiegen von Hamilton fuhr Verstappen, wenn er ins Ziel kam, als Zweiter über den Zielstrich. Schlussendlich wird auch Verstappens bitterer Reifenplatzer in Baku nicht zum Tragen kommen. Ja, es wird ein Showdown bis zum Saisonabschluss in Abu Dhabi. Aus neutraler Sicht kann man sich gar nichts besseres wünschen. Noch besser wird es aber, wenn Max Verstappen sich erstmals zum Formel-1-Weltmeister kürt - und das wäre nach seinen erbrachten Saisonleistungen hochverdient.

Darum wird Lewis Hamilton Weltmeister – von Daniela Kulovits

Die besten Argumente, die für einen neuerlichen WM-Triumph von Lewis Hamilton sprechen, sind seine sieben WM-Titel. Der Rekordchampion hat in seiner Formel-1-Karriere schon viele Titel ausgefochten, ist Rivalität gewöhnt. Für Hamilton ist der WM-Kampf gegen Max Verstappen bereits der elfte seiner Laufbahn, in der Vergangenheit duellierte er sich unter anderem mit namhaften Gegnern wie Fernando Alonso oder Kimi Räikkönen. Sein letzter verlorener Titel-Kampf liegt fünf Jahre zurück, 2016 musste sich Hamilton Nico Rosberg geschlagen geben, obwohl er mehr Saisonsiege eingefahren hatte. Ob Psychospielchen im Duell mit dem Teamkollegen, dominante Triumphfahrt oder WM-Entscheidung in der letzten Runde - Hamilton hat bei seinen sieben Titeln schon fast alles erlebt. Ganz im Gegensatz zu Verstappen, der heuer erstmals ernsthaft um den WM-Titel mitkämpft.

Die Erfahrung spricht hier ganz klar für Hamilton, der Punktestand in der WM zugegeben nicht. Der Brite steht unter Druck, muss liefern. Verstappen, dessen Talent unumstritten ist, geht mit einem Vorsprung von 14 Punkten und einem exzellenten Auto in das Saisonfinish, genau diese Jägerrolle lässt Hamilton aber nochmal alles aus sich und seinem Boliden herausholen. Der Grand Prix von Brasilien hat gezeigt, wie viel Entschlossenheit und Stärke in Hamilton und dem Mercedes-Team steckt. Nachzulassen ist keine Option. Nach Hamiltons Aufholjagd in Interlagos, wo er sich von zwei Strafen nicht aus der Ruhe bringen ließ und vom letzten Platz im Sprint bis zum Rennsieg am Sonntag nach vorne katapultierte, zog man sogar bei Konkurrent Red Bull den Hut. "Mercedes ist da ein Meisterwerk gelungen, so eine Rakete noch in dieser entscheidenden Phase herbeizuzaubern", meinte Helmut Marko in Bezug auf den "Wunder-Motor" der Silberpfeile, der in Brasilien erstmals zum Einsatz kam. Mit diesem Topspeed sollte Mercedes auch auf den kommenden Strecken im Vorteil sein. Und wer weiß, welches Ass das Weltmeister-Team noch im Ärmel hat. Während im "Bullenstall" erste Zweifel aufkommen, ob Verstappens Punkte-Polster bis zum Ende reicht, sind Hamilton und Mercedes wieder obenauf.

Genau dieser mentale Faktor könnte am Ende entscheidend sein. Klar, beide Teams schenken sich nichts, sticheln jeweils gegen den anderen. Auch das will gelernt sein. Am Ende kommt es aber hoffentlich auf die Leistung der beiden Piloten im Auto an und nicht auf eine Entscheidung am grünen Tisch, wer Weltmeister wird. Bei Verstappen besteht in Drucksituationen immer die Gefahr, dass er in alte Muster zurückfällt und zum ungestümen, kompromisslosen "Mad Max" mutiert. Hamilton hat hingegen im Laufe seiner Karriere einen Weg gefunden, um mit dem psychischen Druck umzugehen. Er ist in jedem Rennen fokussiert und in der Lage, sein ganzes Können und Talent abzurufen. All das macht in wichtigen Entscheidungen den Unterschied. Abschreiben darf man Hamilton nie. Diese Mentalität, sein Können, die Erfahrung und die Mercedes-Power werden Hamilton zu seinem achten WM-Titel führen und damit zum alleinigen F1-Rekordchampion machen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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