Erniedrigung als Kind treibt Toto Wolff an

Erniedrigung als Kind treibt Toto Wolff an Foto: © GEPA
 

Toto Wolff erinnert sich an den Schmerz. Der Mercedes-Teamchef erzählte einmal eine Episode aus seiner Kindheit, um seinen besonderen Antrieb zu erklären. Von einem Ansporn ist die Rede, der den Boss von Lewis Hamilton zu einem der erfolgreichsten Teamchefs in der Motorsport-Königsklasse gemacht hat.

"Um erfolgreich zu sein, brauchst du extra Motivation, extra Energie. Sie kommt durch den Schmerz", sagte Wolff.

Sein Vater starb nach zehn Jahren Kampf an einem Gehirntumor. Seine Mutter, eine Ärztin, hielt die beiden Kinder und sich über Wasser. Sie versuchte, Toto Wolff und seiner Schwester eine Ausbildung in Wien an einer französischen Privatschule zu ermöglichen.

Wer da finanziell nicht mithalten kann, muss gehen. "Wir wurden aus dem Unterricht genommen, weil wir die Gebühren nicht mehr zahlen konnten", erzählte Wolff einmal. Er war damals zwölf, seine Schwester neun Jahre alt.

Nach dem Rapport beim Direktor mussten die beiden Kinder zurück in ihre Klassen, die Sachen packen und die Schule verlassen. "Die Erniedrigung sitzt tief in mir drin", gab Wolff zu. "Das versuche ich sicher zu überkompensieren."

Wolff: "Ich explodiere schnell"

Wolff hat dennoch, oder vermutlich deswegen, Karriere gemacht. Für eine abendliche Protestaktion gegen Rassismus 1990 in Wien, bei der mit Kerzen geleuchtet werden sollte, kaufte er vorab in einer Fabrik 125.000 Kerzen und setzte sie später vor Ort ab.

Das Geschäft lief, einen Teil des Gewinns bekamen die Organisatoren ab. "Wenn du Nachfrage für ein Produkt erzeugen kannst, verkauft es sich auch", sagte Wolff, der damals noch keine 20 Jahre alt war.

Er hat ein Näschen. Wolff, der eigentlich mit Vornamen Torger Christian heißt, studierte in Wien Wirtschaft und gründete schnell seine erste eigene Investmentfirma. Seine Karriere als Rennfahrer war überschaubar, dafür hatte er als Geschäftsmann, Fahrer-Manager und vor allem Teamchef bei den Silberpfeilen deutlich mehr Erfolg.

Seit Anfang 2013 als Nachfolger des ehemaligen Motorsportchefs Norbert Haug hat Wolff auch dank modernen Managements Mercedes um Superstar Lewis Hamilton zum Branchenprimus getrimmt.

"Ich kann Ja-Sager um mich herum nicht gebrauchen", betonte Wolff, der ein großes Laster hat: "Ich explodiere schnell. Das ist eine massive Schwäche und hat mich schon einige Male in die Bredouille gebracht."

In Brasilien zum Beispiel schimpfte der 49-Jährige nach einem harten Verteidigungsmanöver von Max Verstappen gegen Hamilton lauthals über die Rennleitung, die die Aktion des Red-Bull-Piloten gegen seinen Star nicht ahndete. Es sei eine "absolute Sauerei" gewesen, befand der Mercedes-Teamchef damals.

Wolff: "Das gibt Lewis die Chance, in den Olymp aufzusteigen"

Hamilton weiß die Abteilung Attacke zu schätzen. "Sein Kampfgeist macht mich glücklich", sagte der WM-Verfolger von Verstappen vor den letzten beiden Saisonrennen in Saudi-Arabien an diesem Wochenende und eine Woche darauf in Abu Dhabi.

Seit dem Tod des konfliktfreudigen Teamaufsichtsrats Niki Lauda 2019 ist Wolff der alleinige Innen- und Außenminister bei Mercedes, quasi eine Art Superminister.

Red Bull hat Teamchef Christian Horner und Motorsportberater Helmut Marko. Wolff nimmt es verbal mit beiden auf. Auch dafür gab es in dieser Saison genug Stoff.

Als Geschäftsführer, Teamchef und Miteigentümer des Rennstalls Mercedes hat Wolff überragendes Interesse am Erfolg. Zum achten Mal nacheinander will er mit Mercedes das Double aus Fahrer- und Konstrukteurs-WM holen. Das gab es noch nie in der Formel 1. Hamilton ist dafür der Schlüssel.

"Für mich gibt es in jeder Epoche herausragende Piloten", sagte Wolff über den Engländer, der mit Titel Nummer acht alleiniger Rekordchampion vor Michael Schumacher werden kann. "Das gibt Lewis die Chance, in den Olymp aufzusteigen."

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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