Red Bull Racing sieht im WM-Kampf schwarz

Red Bull Racing sieht im WM-Kampf schwarz Foto: © getty
 

Alles war für eine kleine Vorentscheidung in der Fahrer-Weltmeisterschaft angerichtet.

Zwar holte Lewis Hamilton am Freitag im Sprint-Qualifying die Pole Position, diese erbte WM-Leader Max Verstappen nach der Disqualifkation des Briten aber am nächsten Tag. Doch schon der Sprint verlief wenig verheißungsvoll, Valtteri Bottas schnappte dem Niederländer am Start die Führung weg und fuhr die Pole für das tatsächliche Rennen am Sonntag ein.

Dort erwischten sowohl Verstappen als auch Sergio Perez einen perfekten Start, setzten sich am Mercedes vorbei und hatten die Position eins und zwei inne. Am Ende des Tages gehörte dieses Wochenende aber dem direkten Konkurrenten, der durch Hamilton den Rennsieg holte und Bottas auf Rang drei ins Ziel brachte.

Damit verkürzte Hamilton den Rückstand in der Fahrer-WM zu Verstappen auf 14 Punkte, zudem baute der Mercedes den Vorsprung in der Konstrukteurs-WM auf elf Punkte aus. Und der neue Motor im Heck des amtierenden Titelträgers sorgt bei Red Bull für reichlich Rätselraten.

"Wir haben im Sprint zum ersten Mal die unglaubliche Power im Motor von Hamilton gesehen. Da war bereits klar, dass alles zusammenpassen muss, wenn wir im Rennen eine Chance haben wollen. So einen Motor haben wir von Mercedes in den letzten Jahren nicht gesehen. Unglaublich!", zollte Helmut Marko bei "Sky" Respekt.

Verstappen zuversichtlich, Marko und Horner verwundert

(Artikel wird unter dem VIDEO fortgesetzt)

Verstappen sei im Mittelsektor zwar konstant drei bis vier Zehntel schneller gefahren als Hamilton, meinte der Motorsportberater. "Das ging natürlich auf die Reifen. Das war die einzige Möglichkeit, um auf den Geraden nicht sofort geschnupft zu werden."

"Wir haben heute alles probiert", sagte Verstappen kurz nach dem Rennen. "Es war ein sehr gutes Duell mit Lewis, aber wir haben zu wenig Pace gehabt. Wir haben immer noch gute Punkte gemacht, das war Schadensbegrenzung. Es war ein schwieriges Rennen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir in den kommenden Rennen zurückschlagen."

Mit dieser Zuversicht steht der WM-Führende aber ziemlich alleine da, denn sowohl Marko als auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner sehen für die letzten drei Rennen in dieser Saison schwarz. Verwunderung herrscht speziell angesichts der Tatsache, dass nur der Motor von Hamilton diese Power rausholen kann.

"Es ist nur der Motor von Hamilton, alle anderen bewegen sich im normalen Bereich. Mercedes ist da ein Meisterwerk gelungen, so eine Rakete in dieser Phase der WM herbeizuzaubern", so Marko.

"Schadensbegrenzung" und "Speed von einem anderen Planeten"

Horner erklärte nach dem Grand Prix, dass "die Performance von Hamilton auf den Geraden zu viel, Platz zwei das Maximum war." Auch der Engländer muss die "sehr beeindruckende" Motorleistung des Mercedes neidlos anerkennen. "Da können wir nicht mithalten."

Man habe schon am Freitag gesehen, "dass es hart wird, das Rennen zu gewinnen. Max hat über die zwei Tage 20 Punkte geholt, Lewis aber 25 - das war Schadensbegrenzung. Wenn das so weitergeht, wird es sehr hart", hat Horner für die Rennen in Katar, Saudi-Arabien und Abu-Dhabi düstere Aussichten.

Der zweite Red-Bull-Pilot Sergio Perez verdeutlichte die Leistung von Hamilton und Mercedes. "Der Speed auf den Geraden war von einem anderen Planeten", berichtet er und ergänzt: "Ich sah im Kurvenausgang in den Spiegel und fühlte mich sicher. Dann sah ich noch einmal hinein und plötzlich ist er schon neben mir. Das war ziemlich beeindruckend."

"...dann sieht es nicht mehr gut aus"

So beeindruckend, dass Helmut Marko und Christian Horner umgehen die Honda-Ingenieure zu sich "gerufen haben. Wir sitzen momentan und rätseln", sagte Marko. "Wir würden gerne wissen, wie das sein kann, können es aber nicht über unseren Motor ausgleichen. Ein neuer Motor bringt bei uns vielleicht drei bis fünf Kilowatt."

"Bei Mercedes reden wir aber von ganz anderen Zahlen - im Bereich von 15 Kilowatt." Marko fügte an: "Wenn das so weitergeht, dann sieht es für uns in der WM nicht mehr gut aus."

Der gebürtige Grazer fuhr fort: "Mit dem Motor sind sie eigentlich auf jeden Kurs unschlagbar. In Doha haben wir vielleicht eine Chance, die Strecke kennt aber niemand. In Jeddah haben wir mit der langen Gerade keine Chance, in Abu Dhabi gibt es nach dem Umbau ein neues Layout."

Zwar kämpfe Mercedes über die gesamte Saison hinweg mit einem hohen Motor-Verschleiß, wie auch Motorsportchef Toto Wolff nach dem Rennen in Brasilien anmerkte. Doch Marko weiß: "Der tritt immer erst nach zwei bis drei Rennen ein. Das bringt uns nichts, da ist die WM schon vorbei."

Flexible Heckflügel? "Nicht genug Fakten" für einen RB-Protest

Somit bleibt für die "Bullen" zu hoffen, dass sich in puncto "Flexiwings" noch etwas tut. Der flexible Heckflügel ist Red Bull schon seit längerem ein Dorn im Auge, handfeste Beweise für einen Regelverstoß gibt es aber keine.

"Wir haben nicht genug Fakten, um gegen den flexiblen Heckflügel von Mercedes zu protestieren. Das ist das allerletzte Mittel. Wir würden zuerst versuchen, dass das von der FIA entsprechend vorgebracht wird und man einfach die Teile, wo wir glauben, dass sie nicht konform sind, wechselt", hat Marko wenig Hoffnungen auf Änderung.

Ein Protest stand dennoch schon in Interlagos an, Christian Horner erläutert aber: "Wir werden nach diesem Rennen nicht protestieren. Es ist wichtig, dass wir verstehen, wo dieser Speed herkommt. Als er (Hamilton, Anm.) Max überholt hat, war er in dieser Runde fast 30 km/h schneller. Das müssen wir verstehen."

Horner: "Strafe gegen Verstappen wäre unfair gewesen"

Und auch zum Rennvorfall zwischen Hamilton und Verstappen, über den Toto Wolff regelrecht wütete (Alle Infos >>>), hatte der RB-Teamchef klare Worte. "Max hat spät gebremst und sie sind beide von der Strecke abgekommen. Daher wäre es wirklich unfair gewesen, eine Strafe auszusprechen."

Er gestand zwar, dass Red Bull sich im umgekehrten Fall auch beschwert hätte. "Aber ich hätte mir nichts davon erwartet", so Horner, der klarstellt, Verstappen habe durch die Aktion seiner Meinung nach "keinen Vorteil" gehabt, und es habe auch "keinen Kontakt" gegeben. Es sei einfach hartes Racing gewesen. "Die Stewards haben die richtige Entscheidung getroffen."

Nun gilt es im Hause Red Bull die richtigen Entscheidung in den finalen Rennen zu treffen. 14 Punkte beträgt der Abstand von Hamilton zu Verstappen noch, dem neutralen Zuschauer steht ein atemberaubender WM-Showdown bevor.


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..