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Lasst dieses Relikt endlich in der Geschichte der Formel 1 zurück

Monaco ist ein Grand Prix zum Abschalten - mit Ansage. Wenn andere Traditionsstrecken um ihre Zukunft kämpfen, müsste es diese schon seit Jahrzehnten.

Lasst dieses Relikt endlich in der Geschichte der Formel 1 zurück Foto: © IMAGO/PSnewZ

Wer den Grand Prix von Monaco ausgelassen hat, versäumte wieder einmal nichts.

Ja, dieses Prädikat bekommt die Formel 1 oft – aber kaum ein Rennen mit so zuverlässiger Trefferquote im Vorhinein.

Vor dem Wochenende ging ich kurz in mich, wann ich den letzten Monaco-GP nicht nur irgendwie nebenbei, sondern konzentriert verfolgte. Es muss in den 2000ern gewesen sein.

Nie hat sich die alternative Freizeitgestaltung als Fehler herausgestellt.

Nicht einmal künstliches Racing möglich

Müssen Überholmanöver schon anderswo einst durch DRS, nun durch "Push to Pass" künstlich unterstützt werden, helfen diese Mittel im Fürstentum auch nichts mehr. Nicht einmal das belächelte "Yoyo-Racing" gab es.

Schwierig war es schon immer, mittlerweile ist es unmöglich. Aus dem "Hubschrauber im Wohnzimmer", wie einst Nelson Piquet formulierte, ist ein Airbus geworden.

Die Autos sind seit zwei Jahrzehnten einfach zu groß, um grundlegende Prinzipien des Rennsports zwischen den Leitplanken noch existieren zu lassen.

Und zu schnell: 2026 musste die Batterieleistung gedrosselt werden, um die Durchführung gefahrlos zu ermöglichen.

Im Fahrerfeld ist nur Lewis Hamilton älter als der letzte Führungswechsel

In den letzten 20 Jahren gab es acht Rennen in Monaco mit weniger als fünf Überholmanövern, 2026 eingerechnet (die 20 Überholmanöver am Start gegen Max Verstappen zählen nicht).

Ernst Hausleitner leitete die Aufwärmrunde im "ORF" mit einer Statistik ein: Den letzten Führungswechsel auf der Strecke gab es bei trockenen Verhältnissen 1985, Michele Alboreto gegen Alain Prost. Vor 41 Jahren!

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Prost gewann 1985 übrigens trotzdem - wegen eines Boxenstopps Alboretos
Foto: ©IMAGO / ZUMA Press Wire

Seine Befürchtung, damit Leute vom Bildschirm zu verjagen, hatte seine Berechtigung. Sein Glück, dass mir für das French-Open-Finale ein zweiter zur Verfügung stand.

In Monaco steigt kein Autorennen, sondern eine Yachtbeschau, ein Auflauf von Reichen und teilweise zweifelhaften Berühmtheiten in Verbindung mit der schnellsten Prozession der Welt. Nach dem Qualifying eine sportlich wertlose Veranstaltung.

Wer Spa sagt, muss Monaco schreien

Das mag vor 50 Jahren noch anders gewesen sein, und eine lange Historie ist ein Argument für Traditionalisten. Als Sportromantiker teile ich es oft.

Wie in einer Beziehung sorgt Romantik allein nicht für eine sichere Zukunft. Anderswo reicht sie auch nicht aus, um dafür zu sorgen: Monza, Spa oder auch Hockenheim, alles Schauplätze mit langer Geschichte, die tatsächlich gute Rennen ermöglichen würden - und wiederkehrend um ihren Platz im Kalender bangen müssen, ging er nicht schon verloren.

Darum müsste eine Diskussion um Monacos Platz im Aufgebot längst erlaubt sein. Die wahren Gründe, warum das nicht passiert, kennen wir alle – werden Fans des Sports an sich auch zurecht egal sein.

Im schwierigen Dauerspagat zwischen Tradition und Moderne, Bewahrung ihres Kerns und notwendigem Fortschritt, sportlicher Integrität und Eventisierung überdehnen sich die Verantwortlichen mitunter.

Monaco fühlt sich darin wie ein Relikt an, dessen Abwesenheit mir nicht wehtun würde. Wo im Reglement ein Schritt zurück die Wohltat wäre, böten sich hier zwei nach vorn an.

Der Madring ist mir jetzt schon madig

Meine persönliche Abneigung lässt sich auf Stadtkurse an sich ausweiten: Ich bräuchte sie nicht.

Öde Rennen und bestenfalls unfreiwillig komische, schlimmstenfalls gefährliche Nebengeräusche wie der bröckelnde Asphalt oder lose Kanaldeckel sind auffällig häufig.

Dass der weniger motorsportbegeisterte Teil der Anwohner überschaubar viel Freude mit dem Tamtam hat, der ihre Städte für einige Tage lahmlegt, ist auch nachvollziehbar.

Die Entwicklung zeigt in die entgegengesetzte Richtung. Neben Monaco stehen 2026 Miami, Baku, Singapur, Las Vegas sowie der neue "Madring" (wurde bei diesem Namen zweimal nachgedacht?) im Programm.

Mit Vegas wurde langfristig verlängert, und gefühlt jede neue Strecke in der Diskussion dreht sich um einen Stadtkurs.

Diese Destinationen bieten einfach ein spektakuläreres Drumherum, mehr Prestige, mehr Event – da scheint weniger Sport egal.

Zumindest im Falle von Monaco bietet das Wetter Ende Mai, Anfang Juni wenigstens gute Voraussetzungen, sich anderweitig zu beschäftigen – und die "Königsklasse" ein Wochenende lang den Reichen zu überlassen.

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