Formel E: Österreichische Akzente werden mehr

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"Wir sind die Bundesliga des Motorsports."

So nennt Audi-Teamchef Allan McNish, Ex-F1-Pilot, Langstrecken-Weltmeister und dreifacher Le-Mans-Gesamtsieger, die Freitag und Samstag auf dem Kurs von Ad Diriyah außerhalb der saudischen Hauptstadt Riad beginnende sechste Saison der ABB Formel E.

Denn erstmals in der jüngeren Motorsportgeschichte treten vier deutsche Premiummarken in einer Serie gegeneinander werkseitig an: Zu den etablierten Teams Audi und BMW-Andretti kommen die Neueinsteiger Porsche und Mercedes (übernimmt den Platz von HWA), womit das Feld erstmals die Maximalgröße von zwölf Teams (24 Autos) erreicht. Nicht weniger als zehn sind Hersteller-Mannschaften, lediglich Envision Virgin (Audi) und Venturi (Mercedes) mit der Halb-Wiener Teamchefin Susie Wolff sind „Kunden“.

Neu ist in Saison sechs mit 14 Rennen in zwölf Städten einiges im Kalender: Hongkong und Bern flogen raus, Premieren gibt es in Seoul und Jakarta, London kehrt mit dem Finale Ende Juli 2020 mit einem „Doubleheader“ in den Docklands (zum Teil in einer Halle!) zurück. Ob Santiago angesichts der aktuellen Unruhen plangemäß (18. Jänner) stattfinden wird, muss auch erst abgewartet werden.

Datum Ort
22./23.11.2019 Ad Diriyah
18.1.2020 Santiago de Chile
15.2.2020 Mexiko-Stadt
29.2.2020 Marrakesh
21.3.2020 Sanya/Hainan (China)
4.4.2020 Rom
18.4.2020 Paris
3.5.2020 Seoul
6.6.2020 Jakarta
21.6.2020 Berlin
11.7.2020 New York
25./26.7.2020 London

Die interessantesten Fahrer-Transfers

Der Deutsch-Österreicher Max Günther wechselte von Dragon-Penske zu BMW (der Allgäuer machte sich bei den Tests in Valencia mit Topzeiten gleich zu einem Mitfavoriten), Ex-Langstrecken-Champion Andre Lotterer kehrte von DS Techeetah in seine jüngste Heimat Porsche zurück, und Antonio Felix da Costa ging von BMW zum Champion DS Techeetah.

Der frühere WEC-Champion und F1-Pilot Brendon Hartley steigt in Günthers verlassenes Cockpit bei Dragon, wo DTM-Vizemeister Nico Müller den Platz von Jose-Maria Lopez einnimmt. Neu bei Jaguar ist James Calado neben Mitch Evans, Porsche holt Neel Jani in die Formel E zurück, und Mercedes übernimmt Ex-McLaren-Pilot Stoffel Vandoorne von HWA und gibt F2-Meister Nyck de Vries eine Chance.

Neun der 24 Fahrer haben F1-Rennerfahrung. Neu ist auch, dass das Energiemanagement noch schwieriger wird, weil bei Neutralisationsphasen in Langsamfahrt Energie abgezogen wird und es kein "Sparen" fürs Finish mehr gibt.

Österreichische Akzente werden mehr

Nicht nur, dass der Salzburger Christoph Sieder (Ex-Ford, -Jaguar, -Lanxess) als Kommunikationschef von ABB schon vor zwei Jahren wesentlich am Titelsponsoring des Schweizer Technologiekonzerns (für fünf Jahre) beteiligt war, auch die voestalpine ist mit ihrer Subwertung der Europa-Rennen, die einen "Fahrer-Europameister" hervorbringen wird, zum zweiten Mal an Bord. Ebenso ist Magna Steyr wieder als Sponsor von BMW-Andretti dabei.

Mit dem Einstieg Porsches verantwortet auch der Steirer Fritz Enzinger als Gesamtsportchef dieses Projekt der Weissacher, dazu wurde der Linzer „Young Professional“ Thomas Preining als Test- und Simulatorfahrer in Porsches FE-Team geholt. Ob es in näherer Zukunft (also frühestens in Saison sieben) ein Rennen in Österreich und/oder die Vorsaisontests hier geben wird, ist noch im Gespräch. Dem Vernehmen nach war FE-Gründer Alejandro Agag kürzlich in Wien

Vergne geht auf Hattrick los

Der Titelverteidiger bei den „voestalpine European Races“ ist derselbe wie in der WM, Jean-Eric Vergne: Der Ex-Toro-Rosso-Fahrer strebt den Formel-E-Hattrick und das Double in der Europawertung an – doch auch er meint wie fast alle anderen: „Es wird härter und enger als je zuvor.“ Die Tests in Valencia zeigten: Bei 18 von 24 Fahrern innerhalb einer Sekunde ist wohl alles möglich. Und in der Vorsaison gab es in den ersten acht Rennen acht verschiedene Sieger aus sieben Teams.

Während DS Techeetah den Team-Titel verteidigen will, BMW, Audi (seit FE-Start mit der gleichen Fahrerpaarung di Grassi/Abt) und Jaguar Titelhoffnungen hegen, geben sich die Einsteiger bescheiden: „Wir wollen Spitzenplätze, aber an den Titel im ersten Jahr denken wir nicht“, sagt Mercedes-Teamchef Ian James. Sein Porsche-Kollege Pascal Zurlinden meint: „Die Formel E ist eine einzigartige Serie mit kompaktem Format. Da muss man einen ordentlichen Plan haben und vor allem fokussiert sein.“

Angesichts der Ungewissheit um neue Basisverträge in der Formel 1 und Sparmaßnahmen auch bei Daimler wird interessant, ob sich der Motorsport-Schwerpunkt der Stuttgarter mehr und mehr zur ABB Formel E verlagern könnte. Geht es nach Sportboss Toto Wolff, sind beide Engagements „sinnvoll und wichtig“.

Textquelle: © LAOLA1.at

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