NEWS

Harte Prognose: 2026 wird umweltschädlichste WM aller Zeiten

Nachdem sich bei der Fußball-WM 2026 mehr Teilnehmer duellieren und das Turnier in drei Ländern stattfindet, erhöht sich der CO2-Ausstoß um ein Vielfaches.

Harte Prognose: 2026 wird umweltschädlichste WM aller Zeiten Foto: © IMAGO / Bildbyran

Der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika droht ein Negativrekord!

Die Aufstockung auf 48 Teams und Reisen über tausende Kilometer für die Fans bei der "Mammut"-WM in den USA, Kanada und Mexiko lassen Klimaschützer auf die Barrikaden gehen.

Fünf Millionen Fans aus aller Welt werden laut FIFA-Angaben beim Turnier erwartet. Klimatechnisch ist dies ein Desaster, monieren Umweltwissenschaftler. Laut einer britischen Studie wird es die bisher umweltschädlichste WM.

Rekord an CO2-Ausstoß bei WM

Neun Millionen Tonnen CO2 sollen laut Berechnungen der Organisation Scientists for Global Responsibility (SGR) in Summe durch die WM freigesetzt werden.

Zum Vergleich: Beim Turnier in Katar vor vier Jahren wurden laut einem FIFA-Bericht etwa 3,8 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen.

Die prognostizierten Werte für die Nordamerika-WM entsprächen einer Steigerung von 92 Prozent im Vergleich zu den durchschnittlichen Werten der WM-Turniere 2010 bis 2022, so die Studie.

Umweltschädlichste WM aller Zeiten

"Die FIFA muss für ihre wachsende Rolle in der Klimakrise Verantwortung übernehmen. Die Weltmeisterschaft 2026 wird voraussichtlich die umweltschädlichste aller Zeiten sein, und auch bei künftigen Turnieren ist weiterhin mit einer erheblichen Abhängigkeit vom Flugverkehr und anderen CO2-intensiven Aktivitäten zu rechnen", sagte Studienautor Stuart Parkinson.

Die Antreiber hinter den Zahlen liegen auf der Hand. Durch die Turnieraufstockung und die Ausrichtung in drei Ländern schnellen die Flugreisen in die Höhe.

Neben den Mannschaften werden auch viele Fans in die Flieger steigen. In den Berechnungen der SGR werden alleine 7,72 der neun Millionen Tonnen CO2-Ausstoß durch die Luftfahrt erreicht.

Fan "produziert" 18.000 Plastiksackerl

Setzt sich ein Fan des ÖFB-Teams in Wien in den Flieger und reist danach via Los Angeles zu allen Gruppenpartien in Santa Clara, Dallas und Kansas City, wird sein CO2-Fußabdruck für die drei Flüge bei rund 2,625 Tonnen liegen. Dies entspricht in etwa der Herstellung von 18.000 Plastiksackerl.

Weitere Partien im Aufstiegsfall sowie der Rückflug sind dabei noch nicht mitgerechnet. Steigt Österreich ins Sechzehntelfinale auf, geht es weiter nach Miami (als Erster), Los Angeles (als Zweiter), Vancouver, Atlanta, Seattle, San Francisco oder Kansas City (jeweils mögliche Spielorte als Dritter).

Die FIFA vernachlässigt laut der SGR-Studie noch weitere Umweltrisiken. Stadien wie das AT&T Stadium in Dallas - wo Österreich gegen Argentinien antritt - gehören zu den energieintensivsten Sportanlagen der Welt. Bei Spielen in der Hitze müssen sie aufwendig heruntergekühlt werden.

Wasserknappheit in Mexiko

Bei anderen Stadien wiederum könnte sich durch die Besucherströme die Waldbrandgefahr erhöhen. Die Weltmeisterschaft finde außerdem zur Hurrikansaison in den USA statt.

In Mexiko herrscht indes im Sommer chronische Wasserknappheit. Der WM-Besucherzustrom könne das noch verschärfen.

Vom Weltverband heißt es: "Die FIFA ist sich bewusst, dass die Auswirkungen auf das Klima ernst genommen werden müssen und begrüßt eine fundierte Überprüfung."

Stadion-Nachhaltigkeit

Die WM werde in Orten "mit bestehender Stadioninfrastruktur ausgetragen, wodurch der Bedarf an Neubauten und die damit verbundenen Emissionen erheblich reduziert werden. Generell hat sich die FIFA dazu verpflichtet, Nachhaltigkeit in die Ausrichtung des Turniers zu integrieren."

Der Fußballverband hat sich mit seiner eigenen Klimastrategie dazu verpflichtet, CO2-Emissionen bis 2030 auf 50 Prozent und bis 2040 auf netto null zu senken. Kritiker monieren, dass diese Zahlen unrealistisch erscheinen.

Rüge für FIFA nach WM 2022

Schon bei der WM 2022 in Katar hatte die FIFA angeführt, dass diese klimaneutral veranstaltet wird.

Dafür erhielt sie im Nachgang eine Rüge von der schweizerischen Lauterkeitskommission (SLK), nachdem es mehrere Beschwerden wegen Greenwashing gegeben hatte.

Der Weltverband konnte demnach keine stichhaltigen Beweise für ihre Behauptung anführen. Die FIFA betreibt hauptsächlich Emissionsreduzierung, indem sie auf Ausgleichsmechanismen wie den CO2-Zertifikatehandel setzt.

Sie erklärte zu dieser WM, in Projekte zu investieren, die für die Umwelt und zur Aufforstung in ganz Nordamerika eine Million Bäume pflanzen sollen.

Kontroverse Partnerschaft mit Saudi-Ölkonzern

Was den Klimaforschern darüber hinaus sauer aufstößt, ist die Partnerschaft des Weltverbands mit Aramco, dem staatlichen Ölkonzern Saudi-Arabiens.

Durch die damit verbundene Imagepflege für den größten Produzenten fossiler Energieträger könne die FIFA alleine 2026 zusätzliche 30 Millionen Tonnen CO2 induzieren.

"Es ist fast unvorstellbar, durch die Partnerschaft mit dem weltweit größten Ölkonzern hat die FIFA einen Sportsponsor gefunden, der noch schlimmer ist als die Tabakindustrie", meinte der in der SGR-Studie engagierte Ökonom Andrew Simms vom New Weather Institute.

WM-Tippspiel: Gewinne tolle Preise >>>

Kommentare