Ex-ÖFB-Spieler Pfeffer warnt vor WM-Euphorie
Der zweifache WM-Teilnehmer traut dem ÖFB-Team bei der kommenden WM dennoch einiges zu.
Anton "Toni" Pfeffer gehört mit seinen zwei WM-Teilnahmen einem erlesenen Kreis österreichischer Fußballer an. Für die Austria-Legende waren die Turniere 1990 und 1998 auch die Karriere-Highlights.
"Für mich war es das Größte, im Endeffekt ist das eine Weltbühne", sagte der 60-Jährige im APA-Gespräch. Für die aktuellen ÖFB-Kicker hat er zwei Tipps parat: "Pass auf deinen Körper auf. Und lies keine Zeitungen, wenn du schlecht gespielt hast. Das ist ein Selbstschutz."
Pfeffer betonte, dass eine Weltmeisterschaft das Höchste der Gefühle sei. "Das muss man sich in einer ruhigen Minute schon mal auf der Zunge zergehen lassen, dass du eigentlich von der ganzen Welt beobachtet wirst. Das ist nicht so selbstverständlich."
Als Druck oder gar Belastung habe er das nie empfunden. "Im Gegenteil. Für mich war es ein Ansporn, zu beweisen: 'Euch zeige ich es jetzt, dass wir nicht so schlecht sind, wie wir dargestellt werden!'", erzählte der einstige Innenverteidiger.
Euphorie-Warnung und ein Gullit-Appell
Die Euphorie, die das Nationalteam unter Ralf Rangnick entfacht hat, samt den damit verbundenen Erwartungen kennt auch Pfeffer. Auch 1990 vor Italien und acht Jahre später vor dem Turnier in Frankreich war die Begeisterung groß.
Vor 36 Jahren war diese durch starke Testspielresultate vor der WM ausgelöst worden. Damals waren Spanien und Europameister Niederlande jeweils 3:2 besiegt worden, gegen die argentinische Weltmeisterelf um Diego Maradona gab es ein 1:1.
"Die Öffentlichkeit war natürlich enthusiasmiert. Die haben gesagt, wer soll die schlagen?", sagte Pfeffer und berichtete von einer Begebenheit nach der "Oranje"-Partie.
"Ich kann mich noch an eine Wortspende von Ruud Gullit erinnern, der nach dem Spiel gesagt hat: 'Weltmeisterschaft ist ein bissl was anderes.' Und im Endeffekt war es dann auch so."
Pfeffer traut ÖFB-Team viel zu
Mit all den Erfahrungen bei beiden Weltmeisterschaften, wo das ÖFB-Team jeweils in der Vorrunde gescheitert war, plädierte der Niederösterreicher für etwas Demut.
"Das kann sonst schnell wieder in die Hosen gehen." Grundsätzlich traut er Alaba, Laimer und Co. aber viel zu.
"Die Qualität ist natürlich da, die Mannschaft ist gefestigt. Wir haben große Chancen, dass wir da weiterkommen", meinte Pfeffer mit Blick auf die Gruppe mit Argentinien, Algerien und Jordanien.
Augenscheinlich ist für den 63-fachen Teamspieler, wie sehr sich der Fußball und das Drumherum geändert haben. "Wenn ich heute in einen Bus hineinschaue, dann haben alle Kopfhörer drin. Wir haben noch - das kann sich heute keiner mehr vorstellen - gesungen im Autobus."
Auch soziale Medien waren damals noch kein Thema. "Ich bin so froh, dass wir das damals noch nicht hatten. Es wäre undenkbar gewesen bei einem Andi Ogris, der halt auch seine Eskapaden gehabt hat. Wenn da schon Social Media und Handyfotos State of the Art gewesen wäre, da hätten wir geschaut." Jetzt sei man via Handy "ständig auf Abruf. Das finde ich sehr schade".
Kein Groll über Kultsager
Untrennbar mit dem Fußballer Anton Pfeffer verbunden ist der Kultsager "Hoch werd' ma's nimma g'winna", der 1999 in der Halbzeitpause der 0:9-Pleite des ÖFB-Teams gegen Spanien beim Stand von 0:5 fiel.
"Ich sehe das nicht negativ. Dieser Sager ist mir halt ausgekommen. Ich war selber überrascht. Aber im Endeffekt gehört das heute zu mir dazu", meinte der Urheber schmunzelnd.
"Und wurscht auf welchem Fußballplatz es zur Pause 0:5 steht, kommt irgendwann dieser Spruch." Apropos Spanien: Für Pfeffer sind die Iberer gemeinsam mit Frankreich in Nordamerika WM-Favoriten.