Was fehlte, war die Entlastung und jegliche Offensivaktionen.
"Wir waren nicht dazu in der Lage, das Spiel zu entscheiden." Gegenüber der "BBC" erklärt Kane: "Nachdem wir in Führung gegangen sind, haben wir nur noch versucht, das Ergebnis zu halten, was auf diesem Niveau nicht ausreicht."
Zwölf Prozent Ballbesitz nach der Führung
Was Kane als "ganz gutes Pressing" beschrieb, war nach dem 1:0 durch Gordon aber vor allem eines: passiv. Zwölf Prozent Ballbesitz hatten die Engländer in 37 Minuten zwischen dem eigenen Führungstreffer bis zum 1:2 durch Martinez.
In den ersten 17 Minuten nach dem Gordon-Tor spielte England noch mit der gleichen Grundformation wie davor. Doch in der 72. Minute kam Innenverteidiger Ezri Konsa für den am linken Flügel beheimateten Torschützen – und Tuchel stellte auf Fünferkette um.
Wir haben nichts geändert, aber das Spiel hat sich komplett verändert.
Warum eigentlich? "Weil die Lücken zu offen waren (...) Wir sind in unserem 4-4-2 gestanden und wurden immer passiver. Wir konnten keine Bälle gewinnen, den Ball nicht mehr halten und haben zu viele Flanken zugelassen", erklärt Tuchel.
Denn bis zur 72. Minute war das System eigentlich dasselbe. "Wir haben nach dem Tor nichts geändert, aber das Spiel hat sich komplett verändert. Das kann man mit einer Million Trainern diskutieren. Ich muss auf dem Platz eine Entscheidung treffen, so habe ich das Spiel analysiert und mich auf eine bestimmte Weise verhalten."
Tuchels Änderungen brachten aber nicht das erwartete Ergebnis – im Gegenteil. Sein Team wurde noch passiver, ließ noch mehr Flanken zu und verlor die Kontrolle komplett.
Dennoch betont der Deutsche, dass er im Moment "no regrets" (dt. keine Reue) habe. "Das Team hat alles gegeben und wir waren sehr, sehr nah dran." Vielleicht, so Tuchel, wäre es sogar das beste England-Match dieser WM gewesen – "unter diesen Umständen".
Am Ende würde allerdings er die Verantwortung tragen.