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Kommentar
Cristiano Ronaldo: Ist seine Zeit vorbei?
Der Superstar blieb gegen den Kongo blass und wartet bei WM- und EM-Endrunden seit zehn Spielen auf einen Torerfolg. Ist "CR7" noch gut genug für die Weltspitze?
Textquelle: © LAOLA1
33 Schüsse. Elf davon aufs Tor. Kein Treffer.
Cristiano Ronaldo wartet bei Welt- und Europameisterschaften seit zehn Spielen auf einen Torerfolg. Die längste Durststrecke seiner internationalen Karriere setzte sich bei Portugals 1:1 zum WM-Auftakt gegen den Kongo fort. Zum Spielbericht >>>
Mit seinem Startelf-Einsatz sicherte sich der 41-Jährige einen weiteren Eintrag in den Fußball-Geschichtsbüchern. Das war es an diesem Nachmittag in Houston aber auch mit glanzvollen Momenten des Superstars.
Nicht mehr die Leitfigur von einst
"CR7" blieb - wie das gesamte portugiesische Team - gegen die Nummer 46 der FIFA-Weltrangliste völlig blass, verbuchte nur 25 Ballberührungen. So wenige hatte Ronaldo in einem Turnierspiel für die "Selecao" noch nie, wenn er über die volle Spielzeit auf dem Rasen stand.
Es wirkt so, als sei Ronaldo innerhalb der Mannschaft nicht mehr die unumstrittene Leitfigur vergangener Jahre. Symbolisch dafür stand eine Szene in der 68. Spielminute, als Ronaldo nach einer Hereingabe von der rechten Seite den besser postierten Bruno Fernandes in seinem Rücken übersah.
Der Mittelfeld-Star von Manchester United sank sofort auf seine Knie und gestikulierte verzweifelt in Richtung der lebenden Legende. Statt des möglichen Führungstors zum 2:1 blieb es schließlich beim 1:1.
Skepsis bereits vor der WM
Wie angespannt Ronaldos Stimmung war, offenbarte sich nach Spielende. Während die Mannschaft versammelt vor die nach Houston gereisten Fans trat und sich verabschiedete, verschwand der Angreifer sofort in den Katakomben.
Schon vor der WM hatten sich die Zweifel gemehrt, ob Ronaldo auf Portugals Titelmission noch mehr helfen als schaden würde. Auslöser waren zwei torlose Vorbereitungsspiele, in denen der Mann aus Madeira mehrere Topchancen liegen ließ.
Verzwickte Situation für den Teamchef
Für Teamchef Roberto Martinez ist die Situation verzwickt.
Auch dem Spanier dürfte nicht entgangen sein, dass der 143-fache Torschütze Portugals nicht mehr jene Explosivität, Dribbling-Stärke und Leichtigkeit in seinem Spiel hat, die ihn über zwei Jahrzehnte ausgezeichnet hat.
Seine Aufgabe sollte es daher sein, die noch verbliebenen Stärken Ronaldos - das Stellungsspiel und seinen Torriecher - auszureizen. Doch mit Spielen wie jenem gegen den Kongo, in dem Portugal lethargisch und ideenlos wirkte, nimmt der Druck auf ihn zu.
Der Moment rückt näher, in dem Martinez ein Zeichen setzen muss. Ronaldo wird nicht von selbst auf seinen Stammplatz verzichten. Das Feuer in ihm brennt wie eh und je. Er will spielen. Er will Rekorde jagen. Er will vor allem eines: Weltmeister werden.
Auch 2026 noch ein Ausnahmekönner?
Ronaldo ist zweifelsohne auch heute noch ein Ausnahmekönner, vermag dem Europameister von 2016 aber nicht mehr annähernd so sehr zu helfen wie es Lionel Messi für Argentinien gelingt.
Der ewig junge Quervergleich mit "La Pulga" flammt bei der WM in Nordamerika neuerlich auf, spätestens nach Messis Hattrick gegen Algerien. Im Schatten von Kylian Mbappe, Erling Haaland oder Harry Kane droht Ronaldo von der nächsten Generation endgültig den Anschluss zu verlieren.
Schon im nächsten WM-Spiel gegen Usbekistan (Dienstag, 19:00 Uhr im LIVE-Ticker >>>) kann "CR7" beweisen, dass es noch nicht so weit ist.
Doch die Messlatte liegt immens hoch. Und wenn er sie nicht mehr überspringen kann, stellt sich die Frage: Ist die Zeit von Cristiano Ronaldo vorbei?