ÖFB-U19-Stürmer Knollmüller: "Tut extrem weh"

ÖFB-U19-Stürmer Knollmüller:
 

Als LAOLA1 letztmals mit Jakob Knollmüller sprach, sprühte der junge Niederösterreicher vor Tatendrang.

Im Februar 2021, kurz nach seinem Wechsel aus der AKA St. Pölten NÖ zur U19 der TSG Hoffenheim, hoffte der talentierte Angreifer auf "so viele Einsatzminuten, Tore und Assists wie möglich".

Nun, rund 16 Monate später, stehen gerade mal 221 Einsatzminuten in der A-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest auf der Habenseite, zu einem Tor kommt ein Assist. Kurzum: Jakob Knollmüller hat ein Jahr zum Vergessen hinter sich.

Ein Rückschlag folgte dem nächsten

Der 18-Jährige musste nach seinem Wechsel in die Hoffenheimer Akademie zunächst eine Woche in Corona-Isolation, dann hieß es drei Wochen auf einen Herzbefund warten. Im März 2021 konnte der pfeilschnelle Stürmer endlich im Mannschaftraining der jungen Sinsheimer angreifen, zog sich aber prompt eine Verletzung des linken Knies zu, die ihn ein halbes Jahr außer Gefecht setzte.

Sein Comeback gab Knollmüller schließlich im Oktober 2021, ehe er sich auch am rechten Knie verletzte und erneut viele Monate zusehen musste. Schwere Rückschläge in der jungen Karriere des Stürmers, die einer Frohnatur wie Knollmüller aber nichts anhaben können.

"Es war schon eine harte, aber auch extrem lehrreiche Zeit. Ich glaube, dass mich diese Zeit geprägt hat und zu dem gemacht hat, was ich jetzt bin. Ich sag mal so: Jetzt kann mich nichts mehr so leicht aus der Bahn werfen", streicht Knollmüller gegenüber LAOLA1 die positiven Seiten seines Verletzungspechs hervor.

Comeback im U19-Nationalteam

Erst im März 2022 kehrte der Badener endlich auf den Fußballplatz zurück - und das gleich hocherfolgreich. Trotz seiner langen Verletzungspause wurde er von Teamchef Martin Scherb für die Eliterunde der U19-EM-Qualifikation einberufen, kam in den beiden Spielen gegen Spanien und Dänemark als Joker zum Einsatz und holte unter anderem den Freistoß zum wichtigen 2:0 gegen Dänemark heraus.

"Es hat extrem Spaß gemacht, wieder Spiele für die Nationalmannschaft zu machen, nachdem ich doch länger nicht mehr dabei war. Ich habe nur Positives mitgenommen und geschaut, dass ich im Verein wiedergeben kann, was ich an Selbstvertrauen mitbekommen habe", strahlt Knollmüller.

Tatsächlich konnte der beidfüßige Goalgetter kurz darauf auch bei der Hoffenheimer U19 endlich seine ersten beiden Scorerpunkte sammeln, zudem durfte er erstmals in der Startelf ran, der Gewinn des badischen A-Juniorenpokals gab ihm zusätzlichen Auftrieb.

Für Knollmüller eine wichtige Form der Selbstbestätigung: "Das Wichtigste für einen Stürmer ist, dass man sieht, dass man nach einer Verletzung Tore erzielen, der Mannschaft mit Assists weiterhelfen kann und einfach in irgendeiner Art und Weise gefährlich ist. Das habe ich unter Beweis stellen können, das freut mich extrem."

Ein Jahr keine Tore: "Hatte zu kämpfen"

Bereits 2019 erlitt die Sprintrakete eine schwere Knieverletzung, ansonsten war Knollmüller der Begriff "Rückschlag" in seiner bisherigen Karriere aber ein Fremdwort. Über 200 Tore erzielte die Tormaschine im österreichischen Nachwuchsfußball, torlose Durststrecken gab es quasi keine.

Umso schwieriger war es für Knollmüller deshalb, aufgrund seiner Verletzungen über ein Jahr keinen Torerfolg in einem Pflichtspiel verbucht zu haben: "Am Anfang habe ich damit zu kämpfen gehabt. Es ist für jeden Stürmer scheiße, drei, vier Spiele keinen Scorerpunkt zu machen. Nach der ersten Verletzung hat es auch lange gedauert, bis ich wieder in Schwung gekommen bin."

Mittlerweile strotzt der unbekümmerte Niederösterreicher aber wieder vor Selbstvertrauen: "Jetzt, als ich wieder das erste Tor geschossen habe, habe ich gemerkt, dass es wieder geht, dass ich wieder so bin wie früher."

Vergebene Chance gegen Israel "tut extrem weh"

Knollmüller wurde daraufhin freilich auch für die U19-Europameisterschaft in der Slowakei einberufen. Im ersten Gruppenspiel gegen England kam er in der Schlussviertelstunde in die Partie, konnte aber keine Akzente setzen.

Im zweiten Gruppenspiel gegen Israel wurde dem 18-Jährigen ebenfalls eine Jokerrolle zuteil, diesmal wurde er allerdings bereits zur Halbzeit beim Stand von 1:2 eingewechselt und musste hautnah mitansehen, wie Israel mit zwei schnellen Treffern Österreichs Halbfinal-Träume platzen ließ.

Nach dem zwischenzeitlichen 2:4 durch Yusuf Demir hatte schließlich ausgerechnet Knollmüller die Chance, die Partie zehn Minuten vor Schluss nochmal spannend zu machen - doch der Niederösterreicher schloss alleine vor dem Tor zu überhastet und ungenau ab.

"Ich muss den Ball natürlich reinmachen, darüber müssen wir nicht diskutieren. Es tut schon extrem weh, weil ich glaube, dass es noch einmal richtig interessant geworden wäre, wenn ich das Ding gemacht hätte", trauert der Edeljoker der Top-Chance nach, die Österreichs vorzeitiges EM-Aus womöglich verhindern hätte können.

"Werden ins WM-Playoff einziehen"

Nun geht es für die hochtalentierte ÖFB-U19, die mit großen Erwartungen ins Turnier ging, "nur" mehr ums Trostpflaster WM-Qualifikation. Dazu müsste im ersten Schritt Serbien zum Gruppenabschluss am Mittwoch (20 Uhr im LIVE-Ticker) bezwungen werden, im zweiten Schritt gilt es Gastgeber Slowakei in einem möglichen WM-Playoff am 28. Juni zu schlagen.

Eine harte, aber sicher nicht unlösbare Aufgabe. Eine Teilnahme an der U20-WM in Indonesien im kommenden Jahr wäre für Österreichs 2003er-Jahrgang eine große Chance, sich nach einer bisher - vorsichtig ausgedrückt - unglücklich verlaufenen U19-EM zu rehabilitieren.

"Am Samstag haben wir noch einmal die Chance, allen zu zeigen, was wir drauf haben. Wir haben einen guten Matchplan und sind hungrig auf einen Sieg. Ich bin mir sicher, wenn jeder zu 100 Prozent seine Leistung abruft, werden wir mit drei Punkten mehr da stehen und ins WM-Playoff einziehen", prophezeit Knollmüller, der nach seiner auffälligen Leistung gegen Israel mit Sicherheit auch gegen Serbien wieder seine Chance bekommen wird - ob erstmals in der Startelf oder erneut als Joker, wird sich weisen.

Der Abschluss der Europameisterschaft bietet für den Niederösterreicher auch die große Chance, sich ins Rampenlicht zu spielen, nachdem seine Zukunft in Hoffenheim momentan ungewiss ist.

Entscheidung über Vereinszukunft nach der EURO

In die Regionalliga-Mannschaft der Sinsheimer wurde er nämlich anders als einige seiner U19-Kollegen (noch) nicht hochgezogen, für die A-Junioren-Bundesliga ist er in der kommenden Saison zu alt.

Sein Vertrag bei der TSG läuft noch bis Sommer 2023, ein Abgang aus dem Kraichgau in der kommenden Transferzeit ist aber nicht auszuschließen. "Nach der EM wird es Gespräche geben, dann werden wir schauen, was passiert", will sich Knollmüller nicht in die Karten blicken lassen.

Der Badener könnte das letzte Spiel der U19-EM-Gruppenphase plus ein mögliches WM-Playoff nochmals zur Eigenwerbung nutzen. Früher oder später sollte dem bald 19-Jährigen der Sprung in den Erwachsenenfußball gelingen.

Mittel- beziehungsweise langfristig könnte dadurch auch die Tür zum ÖFB-A-Team aufgehen. Spielertypen von Knollmüllers Art sind in Österreich momentan rar gesät, werden im System von Neo-Teamchef Ralf Rangnick aber dringend benötigt.

Knüpft der Stürmer in den nächsten Wochen und Monaten an seine Leistungen vor seinen schweren Verletzungen an, könnte auf das Jahr zum Vergessen ein absolut erinnerungswürdiges Jahr folgen. Es wäre ihm und Fußball-Österreich zu wünschen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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