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Herzog fordert ein Umdenken im österreichischen Fußball

"Arbeiten wir so weiter oder brauchen wir schon mal ein paar Kicker drinnen, wo es nicht um Wucht geht, sondern Spielintelligenz an oberster Stelle steht?"

Herzog fordert ein Umdenken im österreichischen Fußball Foto: © GEPA

Eine WM-Teilnahme ist immer auch eine Standort-Bestimmung.

Jene des österreichischen Fußballs fällt nach der WM 2026 eher mittelmäßig aus.

So sieht das auch Andreas Herzog.

Nur keine Zufriedenheit!

"Ein richtiger sportlicher Erfolg war es nicht. Ich glaube, wir haben uns alle ein bisschen mehr erhofft. Die K.o.-Phase wurde erreicht, deswegen war es okay, aber nicht mehr oder weniger", sagt der 57-Jährige bei einem Event von "Sky Österreich".

Wichtiger Nachsatz: "Es wäre ein Fehler, wenn wir jetzt zufrieden sind." Deswegen will der 103-fache ÖFB-Teamspieler auch über Grundsätzliches sprechen: "Wir müssen unsere Herangehensweise an den Fußball hinterfragen."

Zwei verschiedene Welten

Der österreichische Fußball und jener von Weltmeister Spanien sind zwei verschiedene Welten. Hier das Spiel gegen den Ball, dort das Spiel mit dem Ball.

"Die Spanier haben eine ganz andere Auffassung vom Fußball – da geht es um Spielintelligenz, um das Erkennen von Räumen, um den ersten Kontakt, um eine super Technik, um Positions- und Passspiel", sagt Herzog.

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Kritischer Beobachter aktueller Entwicklungen
Foto: ©GEPA

Österreichs Fußball definiere sich "schon seit Jahrzehnten über etwas anderes". Deswegen fehle "extrem viel, um mit Argentinien und Spanien mithalten zu können".

Wie soll es weitergehen?

Wenngleich der Wiener zugibt, dass der Abstand in den letzten Jahren gar nicht so groß gewesen sei. "Weil wir von der Intensität und vom Spiel gegen den Ball her richtig super waren, hat es gut ausgeschaut", sagt der Mann, der die ADMIRAL Bundesliga bei "Sky" auch in der neuen Saison als Experte begleiten wird.

Die Frage, die sich Herzog stellt: "Arbeiten wir so weiter oder brauchen wir schon mal ein paar Kicker drinnen, wo es nicht um die Größe und die Wucht geht, sondern die Spielintelligenz an oberster Stelle steht?"

"Harry Kane erzählt, er hat in jedem Training 100 Mal aufs Tor geschossen. Unsere Kinder machen das halt nicht, weil die Schwerpunkte woanders liegen."

Geht es nach ihm, braucht es einen Paradigmenwechsel.

"Du kannst die Hebel nur im Nachwuchs ansetzen. Die Kinder müssen mehr dribbeln, mehr Abschlüsse haben. Das Entscheidende ist: es muss viel mehr individuell trainiert werden. Es geht um die Detailarbeit in der Position. Du kannst einen Außenverteidiger nicht das gleiche trainieren lassen wie einen Mittelstürmer oder einen Sechser", sagt Herzog.

Mehr Mut mit dem Ball

Apropos Stürmer. Dass sich aktuell nicht einmal eine Handvoll österreichischer Stürmer ernsthaft für das Nationalteam aufdrängen, ist Fakt.

Herzog dazu: "Wir bilden die Stürmer nicht richtig gut aus. Harry Kane erzählt, er hat in jedem Training 100 Mal aufs Tor geschossen. Von alleine legt sich der die Bälle nicht auf. Da geht’s um üben, üben, üben. Unsere Kinder machen das halt nicht, weil die Schwerpunkte woanders liegen."

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Herzog mit ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel
Foto: ©GEPA

Ganz allgemein sei Mut gefragt. "Viele haben Angst, dass sie einen Fehler machen, dann spielen sie passiv nach hinten. Wir müssen schauen, dass wir uns mit jedem ersten Kontakt gleich nach vorne aufdrehen, um das Spiel fortsetzen zu können. Wir müssen den Mut fördern, Fehler zulassen", fordert der Ex-Profi, der in seiner aktiven Karriere neun Titel gesammelt hat.

Sind die Ergebnisse zu wichtig?

Das Problem: Im Nachwuchs-Fußball geht es auch um Ergebnisse. Trainer wollen sich beweisen, müssen kurzfristige Leistungsnachweise erbringen. Talententwicklung ist aber ein langfristiges Projekt.

Herzog ist sich dieser Crux bewusst: "Es wird im Nachwuchs zu hundert Prozent zu viel Wert auf Ergebnisse gelegt. Da sind viele junge Trainer, die erfolgreich sein wollen, weil sie auch Karriere machen wollen. Da muss ich als Verein hinterfragen, ob das die richtigen Trainer sind. Vielleicht ist es besser, einen älteren Trainer zu nehmen, der diese Ziele nicht mehr hat."

Auch Positives

Der 57-Jährige will aber nicht alles schlechtreden, sieht sehr wohl auch positive Entwicklungen im Nachwuchsbereich.

"Es gibt beim ÖFB gute Ansätze. Konstantin Breuer (Anm.: Leiter ÖFB-Ausbildungskonzept) und Martin Stranzl machen teilweise richtig gute Sachen, aber es fehlt mir dann die Umsetzung bei den Vereinen. Es geht nur miteinander. Das gemeinsame Ziel muss sein, bessere Spieler rauszubringen."

Welche Vorschläge hast du?
Muss sich im österreichischen Fußball etwas Grundlegendes ändern? Wo sollen die Hebel angesetzt werden? Wir sind auf deine Meinung gespannt!