Franco Foda: Kein "Messias" wie Marcel Koller?

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Franco Foda steht kurz davor, Österreich zur EURO 2020 zu führen.

Von einer Heldenverehrung, wie sie etwa sein Vorgänger Marcel Koller erlebt hat, ist der ÖFB-Teamchef jedoch relativ weit entfernt. Ein Eindruck, den ÖFB-Präsident Leo Windtner im Gespräch mit LAOLA1 teilt:

"Ich werde sogar sehr oft darauf hingewiesen, dass Marcel Koller letztlich fast als Messias des österreichischen Fußballs apostrophiert wurde und Franco Foda eigentlich eher hinter der Kulisse steht. Das mag auf den ersten Blick optisch durchaus berechtigt sein, aber Fakt ist, dass Franco Foda unwahrscheinlich stark durch die Mannschaft wirkt. Ich glaube, das ist das Wesentliche und auch Wirksame."

Dass "nicht der Teamchef der Star" ist, hält der Oberösterreicher für erfreulich: "In unserem Nationalteam ist nicht ein Einzelner der Star, sondern letztlich die Mannschaft. Das haben wir gerade in heiklen Situationen gesehen, in denen Schlüsselspieler ausgefallen und vermeintliche Ersatzspieler aufgerückt sind, die dann tragende Rollen übernommen haben."

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Fodas Anteil

Den Anteil von Foda an dieser Entwicklung schätzt der ÖFB-Boss nichtsdestotrotz als "sehr groß" ein: "Er hat die Situation nach dem total verunglückten Auftakt beim ersten Doubleheader stabilisiert, kühlen Kopf bewahrt und es verstanden, im Dialog - durchaus auch mit mir - wirklich alle dort abzuholen, wo die Fehlerquellen gelegen sind. Er hat die Dinge ganz nüchtern und sachlich, ohne Emotion, angesprochen und aufgearbeitet. Das war die Grundlage, dass wir heute so weit sind."

Besonders gewürdigt wird Foda dafür bislang kaum.

In die andere Richtung ging es schneller. Nach dem verlorenen Auftakt-Spielen gegen Polen und Israel wurden beim folgenden Juni-Lehrgang schon Schicksalsspiele für den Deutschen ausgerufen. Nicht zu Unrecht, auch das gehört zum bisweilen beinharten Geschäft.

Dass Foda sein Konzept unbeirrt durchgezogen hat und sich nicht durch Zurufe von außen aus der Ruhe bringen ließ, stellte sich im Nachhinein indes als richtig heraus. Schon nach dem Fehlstart schloss er populistische Maßnahmen, wie sie vielerorts gefordert wurden, kategorisch aus.

Zwischen Normalität und Ausnahmesituation

Dass die Rolle des 53-Jährigen kaum diskutiert wird, liegt für Windtner jedoch auch an dessen Auftreten: "Er nimmt sich in der Öffentlichkeit zurück. Er ist präsent, aber er will nicht zwingend Aufsehen erregen. Das spricht absolut für ihn, denn er lässt quasi das Team nach vorne."

Koller wurde für seine hervorragende Arbeit mit einer immer besser werdenden Spielergeneration zurecht gefeiert.

Inzwischen könnte man es als Fortschritt betrachten, wenn eine Qualifikation, noch dazu in einer derart machbaren Gruppe, ein Stück weit als Normalität betrachtet und der verantwortliche Coach nicht alleine daran gemessen wird.

Dort will der ÖFB ja bekanntlich hin, dass die Nicht-Teilnahme die Ausnahmesituation ist. Die Basis für den Koller-Hype war nicht nur, aber auch, dass seine Arbeit in der damaligen Ausnahmesituation der ersten Turnier-Qualifikation aus eigener Kraft seit 18 Jahren mündete.

Wie geht es mit Foda weiter?

"Wir werden überlegen müssen: Will man schon von Haus aus nachhaltige Stabilität und Kontinuität reinbringen, oder will man die Dinge abwarten, um zu sehen, was die Erfolgskurve bringt."

Der Vertrag des Schweizers wurde vom ÖFB zwei Mal verlängert. Eher früher als später wird sich die ÖFB-Spitze um Windtner nun auch bei Foda überlegen müssen, ob die Zusammenarbeit fortgesetzt wird.

Der Vertrag läuft mit Jahresende aus und verlängert sich, sollte bei diesem Lehrgang nicht alles komplett schiefgehen, bis zur Europameisterschaft.

Windtner: "Das Wichtigste ist, dass wir diesen Doubleheader so absolvieren, wie wir es uns vorgenommen haben. Dann wird sicherlich die Frage anzudenken sein, wie es weitergeht. Aber ich glaube, dann haben wir auch genügend Zeit, darüber nachzudenken."

Was bei diesen Überlegungen herauskommt, wird spannend zu beobachten sein. Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten.

Vertragsverlängerung: Welche Strategie wählt der ÖFB?

Option eins ist, dieses auf der Hand liegende Dauer-Thema bereits vor der EURO vom Tisch zu bekommen, gar nicht erst die Gefahr einer Ablenkung aufkommen zu lassen und spätestens im Frühjahr für die kommende WM-Qualifikation zu verlängern. Diesen Weg ging man 2016 mit Koller.

Option zwei ist, das Abschneiden beim Turnier abzuwarten - allerdings mit der Gefahr, dass bei einer starken Performance der Teamchef abgeworben wird.

"Es trifft absolut zu, dass man seinerzeit unter einem gewaltigen öffentlichen Druck die Verlängerung noch vor der EURO realisiert hat. Im Nachhinein betrachtet, kann man darüber natürlich geteilter Meinung sein", meint Windtner im Hinblick auf die Herangehensweise vor vier Jahren mit Koller.

"Auch Jogi Löw ist vor der WM 2018 bis 2022 verlängert worden, was natürlich schon ein gewisses Risiko bedeutet", blickt der ÖFB-Boss zum Nachbar aus Deutschland und verdeutlicht: "Wir werden überlegen müssen: Will man schon von Haus aus nachhaltige Stabilität und Kontinuität reinbringen, oder will man die Dinge abwarten, um zu sehen, was die Erfolgskurve bringt."

Diesmal ohne "aalglatten Manager"

Argumente gibt es wohl für beide Optionen. Letztlich reduziert es sich aber wohl auf die Kernfrage, ob man Foda langfristig für den richtigen Trainer hält, die Weiterentwicklung dieses Nationalteams zu leiten. Alles andere ließe sich tendenziell mit Vertragsklauseln steuern.

"Mit Franco Foda geht das in der Direttissima. Das war überhaupt das erste Mal in der Geschichte des ÖFB der Fall, dass ein Trainer mit einem, man kann sagen, aalglatten Manager aufkreuzt."

Dass eine ähnliche Drucksituation für den ÖFB entsteht, den Vertrag zwingend vor der EM zu verlängern, wie vor vier Jahren bei Koller, erwartet Windtner übrigens interessanterweise nicht:

"Das hängt einfach damit zusammen, dass Franco Foda hier ein wesentlich anderes Rollenverständnis aufbringt als sein Vorgänger. Natürlich ist das auch mit seinem durchaus gefinkelten Manager in Zusammenhang gestanden."

Weniger ein Seitenhieb auf Koller als auf dessen Berater Dino Lamberti, der die ÖFB-Spitze bei den Verhandlungen offenkundig ins Schwitzen brachte. Eine Erfahrung, die Windtner in den anstehenden Gesprächen mit Foda erspart bleiben wird:

"Mit Franco Foda geht das in der Direttissima. Das war überhaupt das erste Mal in der Geschichte des ÖFB der Fall, dass ein Trainer mit einem, man kann sagen, aalglatten Manager aufkreuzt."

Textquelle: © LAOLA1.at

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