Für den ÖFB geht es im Herbst um mehr als die erste WM-Teilnahme der Männer seit 1998. Man wolle Zuversicht weit über den Fußball hinaus verbreiten, erklärte Aufsichtsratschef Josef Pröll vor dem richtungsweisenden Quali-Doppel in Linz gegen Zypern (6. September) und in Bosnien (9. September).
"Wir wollen einen wirklich positiven Stimmungsbeitrag für die Republik Österreich bringen", betonte Pröll. Ziel ist und bleibt die WM kommenden Sommer in Nordamerika.
ÖFB plant Kampagne
"Für uns als ÖFB ist es viel mehr als die Frage, schaffen wir die WM-Teilnahme ja oder nein. Im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld sehen wir, dass viele Menschen nicht ratlos, aber doch defensiv sind", erklärte Pröll. Man wolle für Österreich einen "Triggerpoint" liefern, um die Stimmung zu drehen. "Wir sind ein Team - a Team - und können mit einer klaren Zielsetzung zeigen, was man schaffen kann." Eine entsprechende Kampagne soll das Vorhaben im Herbst unterstützen.
"Aus meiner Sicht ist es angerichtet", sagte Pröll über eine mögliche Turnierteilnahme der Auswahl von Teamchef Ralf Rangnick. "Natürlich, Fußball ist Fußball ist Fußball, aber wir haben ein klares Ziel und wollen am 18. November sehen, dass wir die große Herausforderung nach 30 Jahren voller Stolz auch erreicht haben." Dann steht im Wiener Happel-Stadion das abschließende WM-Quali-Gruppenspiel gegen Bosnien auf dem Programm.
Bosnien-Partie besonders im Fokus
Die Bosnier haben ihre drei bisherigen Quali-Partien, wenn auch jeweils knapp, gewonnen und führen die Gruppe vor den ebenfalls makellosen Österreichern an.
"Das Ergebnis, das wir dort erzielen, ist für uns ein ganz wichtiger Transformationsriemen, wo die Wege hingehen können."
Das Gastspiel in eineinhalb Wochen in Zenica scheint eine Zäsur auf dem angestrebten Weg zur WM zu sein. "Jede Partie, die jetzt kommt, ist eine Schnitt- und eine wichtige Partie", meinte Pröll. "Ganz besonders, wenn man sich den bosnischen Lauf der letzten Spiele anschaut. Das Ergebnis, das wir dort erzielen, ist für uns ein ganz wichtiger Transformationsriemen, wo die Wege hingehen können."
Der Verbandschef wird dem Team Anfang kommender Woche bei der Vorbereitung in Windischgarsten einen Besuch abstatten. Am Montagabend (17.00 Uhr) steht in Oberösterreich ein öffentliches Training auf dem Programm, die Partie in Linz gegen Zypern ist längst ausverkauft. Für die beiden weiteren Heimspiele in Wien gegen San Marino (9. Oktober) und Bosnien sind bereits 30.000 Zweier-Abos abgesetzt. Pröll: "Eine super Zahl, eine tolle Geschichte. Da sieht man, welcher Zuspruch und welche Dynamik da ist."
Grgic-Entscheidung schmerzt ÖFB
Weniger erfreulich war für den ÖFB zuletzt der Entschluss von Leon Grgic, künftig für Kroatien zu spielen. "Das ist schon eine der ganz großen Enttäuschungen. Wenn man über Monate und Jahre auch in offenen Gesprächen das Signal bekommt, es passt", schilderte Pröll.
Die Anfeindungen, denen der Sturm-Graz-Angreifer nach der vom ÖFB kommunizierten Entscheidung ausgesetzt war, verurteilte der Verbandschef als "falsch".

Es sei auch nicht die Intention der Kommunikation gewesen. Dass man sage, man sei enttäuscht, sei kein Urteil über den Spieler. "Aber als ÖFB in Deckung zu gehen und nichts dazu zu sagen, ist fatal auf Dauer."
Das sieht auch der zuständige Sportdirektor Peter Schöttel so. "Wir wollten nicht immer nur reagieren, sondern von uns aus kommunizieren. Dass er dann beschimpft wird, ist etwas, das wir nicht wollen. Umgekehrt werden wir permanent beschimpft, dass wir nichts tun. Wir wollten nur aufzeigen, dass wir uns intensivst um den Spieler bemüht haben und sehr, sehr viel investiert haben."
Braucht es neue Regeln für Doppelstaatsbürger?
In der Vergangenheit hätten sich auch viele wichtige Spieler für Österreich entschieden. "Es ist keine Einbahnstraße", betonte Pröll und erwähnte Marko Arnautovic oder Raul Florucz. Das Thema müsse aber auch in der neuen Gesamtstrategie für den österreichischen Fußball, die der Verband bis nächstes Jahr ausarbeiten will, ihren Niederschlag finden. "Das wird eine Debatte sein, die wir zu führen haben."
"Wir haben keine Möglichkeiten, steuernd einzugreifen, außer mit Soft-Faktoren."
In manchen Nachwuchsauswahlen habe man bereits zu zwei Dritteln Spieler mit Doppelstaatsbürgerschaften. "Wir haben keine Möglichkeiten, steuernd einzugreifen, außer mit Soft-Faktoren", schilderte Pröll. Der frühere ÖVP-Politiker stellte "angesichts dieser Entwicklung in Europa" die Frage in den Raum, ob man beim Weltverband FIFA oder anderen zuständigen Organisationen intervenieren müsse, "um neue Regeln aufzustellen".