Pavao Pervan: Versuch einer richtigen Einordnung

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Nach einer 0:1-Niederlage in Lettland wird man bei der Suche nach Gewinnern im ÖFB-Team eher weniger fündig.

Am ehesten noch bei Pavao Pervan, der seine Länderspiel-Premiere feierte, beim Gegentor machtlos war, die eine oder andere gute Parade zeigte und sich folglich Lob von Teamchef Franco Foda abholte.

Dass in den ÖFB-Geschichtsbüchern neben seinem Namen bezüglich Debüt nun das Ergebnis dieser Blamage verewigt ist, trübt die Freude darüber natürlich.

"Gewisse Dinge kann man nicht so beeinflussen, wie man es gerne würde. Ich habe mir das natürlich auch ganz anders vorgestellt. Es ist eine Tatsache, dass es dann so dasteht, aber auch mit dem möchte ich umgehen und es richtig einordnen."

Ergebnis hin oder her: Ein Traum ging in Erfüllung

Betrachtet man das große Ganze, ist Pervan nun offiziell Nationalspieler, und das ist nicht selbstverständlich, wenn man seinen Karriere-Weg bedenkt.

Acht Jahre lang stand er beim LASK unter Vertrag und ging mit den Oberösterreichern den steinigen Weg von der Regionalliga in die Bundesliga, ehe im Sommer 2018 der Wechsel nach Deutschland zum VfL Wolfsburg erfolgte.

Sechs Tage nach seinem 32. Geburtstag hütete er erstmals das ÖFB-Tor und damit ging - Ergebnis hin oder her - ein Traum in Erfüllung:

"Ich freue mich wahnsinnig, es ist tatsächlich ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Wahnsinnig viele Jungs, die genauso die Qualität hätten, träumen davon. Also bin ich sehr dankbar und weiß zu schätzen, dass ich hier sein darf und mir der Teamchef das Vertrauen schenkt. Ich wollte es natürlich mit einer guten Leistung und am besten mit einem Sieg samt zu Null zurückzahlen, leider ist es anders ausgegangen. Aber ich hoffe, dass ich vielleicht irgendwann wieder einmal die Chance bekomme."

Ergebnisunabhängige Analyse

Ob Sieg oder Niederlage, Pervan versucht seine Leistung stets ergebnisunabhängig einzuordnen, so auch diesmal: "Ich analysiere mein Spiel immer sehr genau und schaue mir an, was ich gut gemacht habe und was ich besser hätte machen müssen. Wenn wir 6:0 gewonnen hätten, wäre ich genauso selbstkritisch gewesen."

Im Verlauf der Qualifikation gab es einige Spiele, in denen der jeweilige ÖFB-Goalie kaum einen schwierigen Ball auf sein Tor bekommen hat. So kurios es nach solch einem Spiel ist, hatte der Wiener so gesehen durchaus die Chance, Eigenwerbung zu betreiben.

"Jeder Torhüter weiß, dass du immer auch die richtigen Spiele brauchst", findet Pervan, "wenn du gewinnst und es ein ganz wichtiges Spiel ist, sieht natürlich alles viel positiver aus. Heute, wenn wir als Mannschaft nicht so auftreten, wie es die Fans in den anderen Quali-Spielen von uns gewohnt waren, trübt das natürlich die Stimmung und vielleicht auch die Benotung. Aber auch das muss man sachlich einordnen. Das Wichtigste ist, dass man selbstkritisch bleibt."

Die Rangliste des Teamchefs

Nach Heinz Lindner, Cican Stankovic und Alexander Schlager ist er der vierte Keeper, der in der EM-Qualifikation zum Einsatz gekommen ist. Im Hinblick auf den EURO-Kader ist Spannung vorprogrammiert.

"Ich gehe davon aus, dass der Trainer bestimmt eine Hierarchie oder Rangliste im Kopf hat, aber ich muss ehrlich sagen, das ist für mich total uninteressant. Denn ich konzentriere mich wirklich nur auf jene Dinge, die ich beeinflussen kann."

"Ich gehe davon aus, dass der Trainer bestimmt eine Hierarchie oder Rangliste im Kopf hat, aber ich muss ehrlich sagen, das ist für mich total uninteressant. Denn ich konzentriere mich wirklich nur auf jene Dinge, die ich beeinflussen kann und das ist jeden Tag meine Leistung auf dem Fußballplatz. Ich möchte weiterhin an mir arbeiten und mich für den EM-Kader qualifizieren", betont Pervan.

Es ist davon auszugehen, dass bezüglich der EURO-Chancen des Routiniers viel von seiner Situation in Wolfsburg im Frühjahr abhängen wird. Zuletzt ersetzte er beim VfL Koen Casteels, der nun jedoch vor seinem Comeback steht.

"Ich verstehe natürlich den Teamchef, wenn er sagen würde, er möchte einen Torhüter haben, der regelmäßig spielt", meint Pervan, betont jedoch gleichzeitig: "Ich glaube, es ist aber auch wichtig zu wissen, dass du jemanden hast, auf den du dich verlassen kannst - und das möchte ich erfüllen."

Das Verhältnis zu Casteels

Pervan weiß inzwischen genau, wie schnell es im Fußball gehen kann, weshalb es Stand jetzt müßig ist darüber zu spekulieren, ob er im Frühjahr in Wolfsburg zu Einsätzen kommt oder nicht.

Dass Casteels als Nummer eins zurückkehrt, akzeptiert er jedenfalls: "Ich wünsche ihm wirklich nichts Schlechtes, sondern habe mit ihm gelitten, so sehr ich mich für mich gefreut habe. Wir verstehen uns wirklich wahnsinnig gut, also hat es mir für ihn Leid getan, weil er schon letzte Saison zum Schluss eine schwere Verletzung hatte. Aber so ist das Geschäft, man muss halt die Chance nützen, wenn man sie bekommt. Ich hoffe, das habe ich getan."

Sein Standing in Wolfsburg und folglich auch im Nationalteam ist 2019 auf jeden Fall gestiegen. Mit diesem Wissen fällt es nun möglicherweise leichter, sich wieder in Geduld zu üben:

"Ich bin mir dessen bewusst, dass er spielt, wenn er fit ist und ich auf die Bank gehe. Aber auch das sind Dinge, die ich nicht beeinflussen kann - ich wünsche niemandem eine Verletzung. Ich werde genauso wie in letzter Zeit auf meine Chance warten."

Textquelle: © LAOLA1.at

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