Martin Hintereggers "turbulenter" Sommer

 

Martin Hinteregger war in der Sommerpause medial dauerpräsent.

Ob Rucksack-Affäre, Alkohol-Video oder zuletzt der unbegründete Verdacht eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Bestimmungen - der Kärntner lieferte Schlagzeilen en masse.

Und dabei ist jene Schlagzeile, die der Innenverteidiger vermutlich am meisten herbeigesehnt hat, noch gar nicht eingerechnet. Erst nach wochenlangem Poker wurde sein endgültiger Wechsel vom FC Augsburg zu Eintracht Frankfurt fixiert.

"Ich habe es ebenfalls als turbulent empfunden. Deswegen ist es jetzt umso wichtiger, dass wieder Ruhe einkehrt", wünscht sich Hinteregger.

Nicht lange mit Halbwahrheiten aufhalten

Basis für besagte Ruhe soll der bis 2024 laufende Vertrag, den der 26-Jährige bei der Eintracht unterschrieben hat, sein.

"Wenn man weiß, dass man in Frankfurt, wo gerade richtig etwas am Entstehen ist, für fünf Jahre unterschrieben hat, ist das ein sehr gutes Gefühl."

"Wenn man weiß, dass man in Frankfurt, wo gerade richtig etwas am Entstehen ist, für fünf Jahre unterschrieben hat, ist das ein sehr gutes Gefühl. Man kennt sich aus, was in der nächsten Zeit passiert. Wenn man sieht, was in Frankfurt gerade entsteht, ist man natürlich richtig froh, dabei zu sein", so Hinteregger.

Das Bild, das im Sommer teilweise von ihm entstanden ist, ist naturgemäß nicht jenes, für das der Kärntner stehen möchte. Allzu lange aufhalten möchte er sich mit den damaligen Schlagzeilen jedoch auch nicht.

Vieles sei ohnehin überzeichnet worden: "Jene, die ein bisschen Ahnung von den Zeitungen haben, wissen, dass das großteils Halbwahrheiten waren. Darum sehe ich das nicht so schlimm. Alle, die mich persönlich kennen, wissen, was wirklich Fakt war."

Das Video und die "Doping-Causa"

So sei es zum Beispiel aus seiner Sicht Fakt, dass das feuchtfröhliche Video seinen Transfer nicht beschleunigt habe: "Natürlich nicht. Da war nur der finanzielle Aspekt ausschlaggebend. Dass das Video entstanden ist, war natürlich blöd, darüber brauchen wir gar nicht reden. Aber es war sicher nicht ausschlaggebend, dass es schneller gegangen ist."

Besonders unlustig empfand Hinteregger indes die "Doping-Causa".

"Wenn ein Journalist aus einer Nadel eine Spritze macht und aus einem Gummibärchen eine Tablette, obwohl jeder vernünftige Mensch weiß, dass eine Schmerztablette nicht binnen sieben Minuten wirken kann, und dass die NADA drauf einsteigt - dann ist es, wie es ist. Ich habe am nächsten Tag gleich noch eine Kontrolle gemacht und schmunzeln müssen, denn die Kollegen haben mich natürlich aufgezogen. Für mich persönlich war es nicht schön, aber wenigstens meine Kollegen hatten Spaß damit."

Das Bad-Boy-Image, mit dem er zwischenzeitlich konfrontiert war, lässt der 26-Jährige so nicht stehen: "Wenn jemand erfindet, dass ich streike, oder wenn man hört, dass man gedopt haben soll, ist das natürlich nicht schön. Aber mit dem müssen wir wohl umgehen. Im Endeffekt stellt sich nach ein paar Tagen ohnehin heraus, wie es wirklich ist - so war es auch bei mir. Deswegen ist auch wieder alles gut."

Keine Transfer-Alternativen

Am 1. Spieltag der deutschen Bundesliga gab Hinteregger die richtige Antwort auf dem Platz und erzielte beim 1:0-Erfolg gegen Hoffenheim das Goldtor. Auch solche Momente helfen, um wieder Normalität einkehren zu lassen.

Wie die geklärte Zukunft generell eine Befreiung darstellt: "Man sieht immer wieder, dass Spieler, die kurz vor dem Absprung stehen oder mit anderen Vereinen beschäftigt sind, nicht die Leistung bringen können, zu der sie sonst in der Lage sind, wenn sie sich voll auf den Verein fokussieren können. In dieser Hinsicht ist es einfach extrem wichtig, dass die Zukunft geklärt ist und ich weiß, wo ich die nächsten Jahre bin, und dass ich dort sehr geschätzt werde. Ich kann mich jetzt voll auf den Fußball konzentrieren und Frankfurt etwas zurückgeben."

Nach der gelungenen Leihe im Frühjahr legte sich der Abwehrspieler frühzeitig darauf fest, dass seine Zukunft für ihn nur in der Main-Metropole liegen kann. Während sich der Transfer zog, wurde er jedoch auch mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht.

Wirklich nach Alternativen umgeschaut habe er sich jedoch nicht: "Nach dem letzten halben Jahr habe ich immer gesagt: Es hätte schon der 30. August sein müssen, dass ich mich mit irgendetwas anderem beschäftige."

Warum so beliebt bei den Eintracht-Fans?

Sowohl die Eintracht als auch Augsburgs Sportchef Stefan Reuter hätten ihn immer am laufenden gehalten: "Es war irgendwo klar, dass es länger dauern wird, weil die Vorstellungen beider Vereine anfangs weit auseinander gelegen sind. Also war ich darauf eingestellt. Ich wusste aber immer, wie es aktuell ausschaut und dass es noch ein bisschen dauert. Letztendlich war es aber für Augsburg, Frankfurt und für mich eine Win-Win-Situation."

"Die Liebe und Zuneigung der Fans ist nicht alltäglich. Alleine wie ich am ersten Tag von 48.000 Zuschauern empfangen wurde, war ein Wahnsinn. Das kann ich immer noch nicht ganz fassen."

Dass der ÖFB-Teamspieler seinen Wechsel-Willen mit derartigem Nachdruck durchsetzen wollte, lag auch an der Zuneigung der Eintracht-Fans gegenüber seiner Person.

"Die Liebe und Zuneigung der Fans ist nicht alltäglich. Alleine wie ich am ersten Tag von 48.000 Zuschauern empfangen wurde, war ein Wahnsinn. Das kann ich immer noch nicht ganz fassen."

Seine Erklärung für seine Popularität? "Ich habe mir auch schon oft überlegt, wie das entstanden ist. Gute Leistungen sind natürlich die Basis. Mein Auftreten spielt auch mit rein - meine offene Art, die ich gegenüber allen Zuschauern der Eintracht habe. Vielleicht hat ihnen das imponiert."

In Frankfurt entsteht "etwas Großes"

Hintereger wiederum imponiert die Arbeit von Frankfurts Sportchef Fredi Bobic. Mit Luka Jovic (Real Madrid), Sebastien Haller (West Ham) und Ante Rebic (AC Milan), der im Tausch für Andre Silva am letzten Transfertag wechselte, verlor man das offensive Prunkstück der letztjährigen Erfolgself.

"Es ist doch sehr überraschend, dass wirklich die ganze 'Büffelherde' weg ist", findet Hinteregger, "aber wie Fredi Bobic die Mannschaft in der Breite aufgestellt hat, ist schon eine Klasse für sich - auch wie er die Abgänge vorne mit Bas Dost und Andre Silva ersetzt hat. Respekt, dass er den Kader so gut hingekriegt und dabei noch so viel Transferüberschuss erzielt hat."

Inzwischen macht es den Eindruck, als sei das Eintracht-Gebilde um Bobic und Trainer Adi Hütter so stabil, dass es auch solch namhafte Abgänge verkraftet. "Vor ein paar Monaten hätte man sich noch nicht denken können, wie es ausschaut, wenn dieses Trio weg ist", gesteht auch Hinteregger, meint jedoch:

"Jetzt haben wir einen guten Start hingelegt. Das ist ein Zeichen, was die Eintracht gerade ausmacht. Es ist etwas Großes am Entstehen. Die Fans haben einen Riesen-Einfluss, dass sich absolute Topspieler für den Verein entscheiden. Der Eindruck, den wir letztes Jahr in Europa hinterlassen haben, ist dem einen oder anderen Spieler sicher nicht entgangen."

Textquelle: © LAOLA1.at

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