Stefan Lainer: Wie Aufnahmeritual in Gladbach half

 

Am Anfang war für den Stefan aus Salzburg der "Anton aus Tirol".

Wer Stefan Lainers Gesangseinlage im Trainingslager von Borussia Mönchengladbach noch nicht kennt - es lohnt sich (siehe Video).

"Damit habe ich vor allem bei den Kollegen gepunktet", lacht der ÖFB-Teamspieler, "gesangstechnisch war das natürlich nix, dafür war es unterhaltenswert. Ihnen hat es gefallen."

Das Aufnahmeritual mit dem Klassiker von DJ Ötzi hat jedenfalls seinen Zweck erfüllt: "Die Stimmung im Trainingslager war allgemein großartig. Wir hatten an jedem Abend solche Auftritte - es hat natürlich wieder nur meinen jeder gesehen, aber die anderen waren auch extrem lustig. Das hat uns näher zusammengebracht und hat mir natürlich auch geholfen, akzeptiert und als lockerer Typ eingestuft zu werden. So etwas gehört dazu, und deswegen macht man es ja, damit sich der Neue einfach mal in einer richtig peinlichen Situation zeigt - dann sieht man, wie er sich verhält. Ich habe mich einfach offen verhalten, bin da zugänglich und kommunikativ. Daher hat es von Anfang an gut funktioniert."

Was das Debüt-Tor so besonders machte

Noch wichtiger ist natürlich, dass es am Platz von Anfang an gut funktioniert. Bislang stand Lainer in jedem Pflichtspiel über die volle Distanz auf dem Feld. Am 2. Spieltag konnte er beim 3:1-Sieg in Mainz sein erstes Bundesliga-Tor bejubeln.

"Ein Tor ist natürlich immer geil, auch wenn es jetzt nicht das allerschönste war. Aber Tor ist Tor", grinst der 27-Jährige und meint: "Es war natürlich ein besonderer Moment - deutsche Bundesliga, ein neues Kapitel. Ich bin einfach angekommen beim neuen Verein. Die Leistungen waren bis jetzt auch immer gut. Deswegen war es ein besonderer Moment, der das festgehalten hat."

<<<Lainers ersters Tor für Mönchegladbach im Video:>>>

Der Rechtsverteidiger ist im gestandeneren Fußballer-Alter ins Ausland gewechselt. Nach vielen Jahren in der Salzburger Heimat und beim heimischen Fußball-Aushängeschild FC Red Bull Salzburg ist dies dennoch eine Umstellung.

"Außerhalb des Fußballs gibt es sehr viel zu organisieren, wenn du das Land wechselst, das habe ich ein bisschen unterschätzt", spielt Lainer auf Behördengänge oder Formalitäten wie Versicherungen an.

Plötzlich 1000 Leute beim Training

Was das Geschehen im beruflichen Umfeld betrifft, wollte er sich im Vorfeld nicht zu viele Gedanken machen, sondern die Eindrücke auf sich wirken lassen:

"Beim Training sind 1000 Leute, da brauchst du jedes Mal 20 oder 30 Minuten, bis du durch bist. Das ist eine ganz andere Größe, das kann man sich im Vorfeld ohnehin nicht vorstellen! Es hätte nichts gebracht, wenn ich mir irgendetwas ausgemalt hätte."

"Natürlich habe ich gewusst, dass die Erwartungen an mich hoch sein werden, aber ich bin so an die Sache herangegangen, dass ich mich darauf gefreut habe. Ich wollte mich mehr oder weniger überraschen lassen. Beim Training sind 1000 Leute, da brauchst du jedes Mal 20 oder 30 Minuten, bis du durch bist. Das ist eine ganz andere Größe, das kann man sich im Vorfeld ohnehin nicht vorstellen! Es hätte nichts gebracht, wenn ich mir irgendetwas ausgemalt hätte. Es ist ein ganz cooler Verein, und ich bin richtig froh, dass ich dort bin. Es macht großen Spaß!"

Vor allem der im Vergleich zur Heimat enorme Stellenwert des Fußballs hat es ihm angetan. "Es gibt dort nicht nur Fußball, aber der Fußball ist dort oben", versucht er es mit gehobener Hand gestikulierend zu verdeutlichen, "das ist schon ein bisschen ein Unterschied zu Österreich."

"Es gibt einfach eine große Wertschätzung dir gegenüber, wenn du alles reinwirfst. Das wollen die Leute sehen. Dann ist es ihnen wurscht, wenn du mal Fehlpässe machst - wenn du marschierst und rennst, feiern sie dich. Die Wertschätzung ist etwas ganz anderes."

Marco Rose als "geiler Typ"

Wie in Salzburg wird Lainer bei Gladbach von Marco Rose trainiert, was sicherlich keinen Nachteil darstellt, wobei der ÖFB-Kicker klarstellt: "Wenn die Leistung nicht passt, werde ich auch unter Marco Rose nicht spielen. Daher sehe ich da jetzt nicht so einen großen Vorteil. Ich kenne das System, aber trotzdem sind es 26 neue Spieler, mit denen ich zusammenspiele."

Dennoch: "Marco Rose ist natürlich ein geiler Typ. Ich bin froh, dass ich so einen Trainer habe, weil er unglaublich authentisch und ehrlich ist. Wie er mit den Spielern umgeht, ist einfach sehr fair. Wenn du ein Spieler bist, der Gas gibt, wirst du mit ihm nie Probleme haben. Auch von der Fachkenntnis ist sein Plan mit und gegen den Ball richtig gut. Ein Top-Trainer!"

Dass Roses Philosophie bei der Borussia noch nicht so verinnerlicht sein kann wie nach zwei Jahren in Salzburg, ist allerdings auch klar. Bislang stehen nach drei Runden jeweils ein Sieg, ein Unentschieden und eine Niederlage zu Buche.

Wobei Lainer keine große Freude damit hat, die Herangehensweise in Salzburg und in Mönchengladbach eins zu eins miteinander zu vergleichen: "Weil das einfach ganz schwer ist. Du kannst auch die östereichische Liga nicht mit der deutschen Liga vergleichen. Das ist einfach etwas anderes. Gladbach ist eine ganz andere Mannschaft als Salzburg!"

Gladbach nähert sich Roses Idee

"Gladbach hat in den letzten Jahren einen ganz anderen Fußball als Salzburg gespielt. Teilweise hast du mit dem Ball überragende Spieler - gegen den Ball hast du den einen oder anderen, der da schon noch zulegen muss. Trotzdem finde ich, dass die Entwicklung in den ersten Wochen enorm war."

Seine Begründung: "Gladbach hat in den letzten Jahren einen ganz anderen Fußball als Salzburg gespielt. Teilweise hast du mit dem Ball überragende Spieler - gegen den Ball hast du den einen oder anderen, der da schon noch zulegen muss. Trotzdem finde ich, dass die Entwicklung in den ersten Wochen enorm war. Ganz am Anfang waren wir gegen den Ball schon weit weg von dem, wie der Trainer eigentlich spielen will. Mittlerweile sind wir auf einem richtig guten Weg. Gegen Leipzig hat es von der Leistung her schon richtig gut ausgeschaut. Es ist sehr viel passiert in den ersten Wochen, er hat sehr gute Arbeit geleistet."

Die Partie gegen Leipzig ging jedoch mit 1:3 verloren. Vielleicht auch ein Indiz, warum Lainer keine allzu konkreten Saison-Ziele nennen möchte:

"Wir sind in einem Umbruch, verfolgen eine neue Philosophie und eine neue Spielidee, die für viele Spieler neu ist. Daher ist es schwierig, groß Ziele zu definieren. Es ist wichtig, dass wir an uns arbeiten und jeden Tag unsere neue Idee mit dem Trainer verbessern. Darauf müssen wir den Fokus legen und nicht auf irgendwelche Zielsetzungen. Wichtig ist, dass wir es zu 100 Prozent annehmen - das funktioniert bislang super. Die Entwicklung geht steil nach oben. Es ist sicher sehr viel Potenzial in der Mannschaft, daher kann es eine extrem geile Saison werden für uns."

Geil könnte auch das erste Liga-Spiel nach der Länderspiel-Pause werden, wenn es zum Lokal-Rivalen 1. FC Köln geht. "Die Fans waren nach dem Leipzig-Spiel schon heiß auf Köln. Da wird es natürlich brennen, da habe ich schon ganz arge Sachen gehört", lacht Lainer.

Warum man bei Gladbach "aufs Häusl" geht

Solch emotionale Duelle in einer gewissen Regelmäßigkeit lassen es ihn wohl verschmerzen, dass er die erste Teilnahme von Red Bull Salzburg an der Champions League verpasst.

"Ich freue mich für meine alten Kollegen, die Fans und den Verein, dass es jetzt so weit ist, sie Champions League spielen und eine extrem hohe Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen zusteht, die sie sich verdient haben. Ich werde sicher mitfiebern."

"Ich freue mich für meine alten Kollegen, die Fans und den Verein, dass es jetzt so weit ist, sie Champions League spielen und eine extrem hohe Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen zusteht, die sie sich verdient haben. Ich werde sicher mitfiebern", verspricht Lainer, der hofft, dass er eventuell bei einem Spiel seines Ex-Vereins zu Gast sein kann, um sich offiziell verabschieden zu können.

Den Schritt nach Deutschland bereut er nicht, schließlich ist es die logische Weiterentwicklung. Die Lerneffekte sind groß - auch abseits des Platzes. "Ich habe im Sommer Hochdeutsch gelernt", lacht Lainer, schränkt jedoch ein:

"Eigentlich rede ich eh normal. Vielleicht nicht so wie in Österreich, aber ich versuche schon, meinen Dialekt beizubehalten. Ich spreche ohnehin keinen argen Dialekt, Salzburgerisch verstehen sie auch in Deutschland und finden es auch ganz amüsant. Wobei sie hin und wieder bei Sachen, die für mich ganz selbstverständlich sind, vor lachen zusammenbrechen."

Zum Beispiel? "Ich habe gesagt: 'Ich gehe aufs Häusl.' Dann haben sie geschaut: 'Wie? Was?' Dann habe ich es ihnen erklärt, seither sagt in Gladbach jeder: 'Ich gehe aufs Häusl.'

Textquelle: © LAOLA1.at

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