Dieses ÖFB-Kapitel passt zu Trimmels Geschichte

Dieses ÖFB-Kapitel passt zu Trimmels Geschichte Foto: © GEPA
 

Eines vorweg: Auch wenn sich Österreich unter Beteiligung von Christopher Trimmel für die EURO 2020 qualifizieren sollte, wird er sich kein dazupassendes Tattoo stechen lassen.

"Nein, ich bin kein Sammler, der sich irgendwelche Ereignisse in die Haut sticht, für mich ist und bleibt das Kunst", lehnt der Legionär bei Union Berlin kategorisch ab.

Aber wer weiß, vielleicht hat im Erfolgsfall ja ein ÖFB-Kollege Lust, sich eines vom Mitspieler stechen zu lassen, schließlich betätigt sich Trimmel ja gerne als Tätowierer.

Dass es für den Routinier noch einmal die Möglichkeit gibt, sich in einem ÖFB-Camp über dieses und natürlich auch viele andere Themen zu unterhalten, musste man nicht mehr zwingend erwarten.

Neuneinhalb Jahre nach seinem dritten und bis zum Israel-Match letzten Länderspiel lief der Rechtsverteidiger erstmals wieder für das Nationalteam auf - durchaus ein Comeback der originelleren Art.

"Das passt irgendwie zu meiner Geschichte", findet Trimmel selbst, "ich war ja auch nie in einer Akademie, bin sehr spät Profi geworden. Es ist einfach der Beweis, und das finde ich super, dass man immer weitermachen soll."

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Kritik: "Wie kann man von Rapid weggehen?"

Der Rechtsverteidiger weiter: "Ich kann mich erinnern: Als ich von Rapid nach Deutschland gewechselt bin, hat es natürlich viel Kritik gegeben. Wie kann man von Rapid weggehen? In die 2. Liga in Deutschland, wenn Rapid international spielt? Ich hatte den Traum, dass ich deutsche Bundesliga spiele, Union hatte ebenfalls diesen Traum, also habe ich das Projekt sehr positiv gesehen. Ich bin diesen Weg gegangen, bin Kapitän von einem super Verein und durch die Leistungen und durch den Aufstieg spielt man sich wieder in den Fokus des Nationalteams."

Im Sommer 2014 verließ Trimmel Rapid in Richtung deutsche Hauptstadt, fünf Jahre später durfte man die langersehnte Beförderung ins deutsche Oberhaus bejubeln. Seine erste Länderspiel-Erfahrung sammelte der Burgenländer einst noch als Rapidler. Bis zum Donnerstag trug er letztmals am 2. März 2010 im Test gegen Dänemark das ÖFB-Trikot.

Die damalige Aufstellung: Christian Gratzei; Ekrem Dag, Franz Schiemer, Aleksandar Dragovic, Christian Fuchs; Daniel Beichler, Paul Scharner, Julian Baumgartlinger, Veli Kavlak; Marc Janko, Roman Wallner.

Einige dieser Startelf-Mitglieder haben ihre Karriere längst beendet. Trimmel kam in Minute 89 für Beichler aufs Feld. Als weitere Einwechselspieler fungierten zuvor schon die Herren David Alaba, Sebastian Prödl und Patrick Wolf. Wie sich die Zeiten doch ändern.

Ging damals alles zu schnell?

Trimmel, gut ein Jahr vorher aus der Burgenlandliga zu den Rapid Amateuren gewechselt, fand im Herbst 2009 in seiner ersten vollen Bundesliga-Saison sehr flott Aufnahme in den ÖFB-Kader des damaligen Teamchefs Didi Constantini.

"Ein paar Wochen Rapid, dann auf internationaler Ebene entscheidende Tore, auf einmal war ich im Nationalteam. Da hast du keine Zeit zum Nachdenken."

Im Rückblick gesehen zu schnell?

"Ich habe es als Vorteil gesehen, denn ich hatte keine Zeit, über irgendetwas nachzudenken. Es ist echt so schnell gegangen. Ein paar Wochen Rapid, dann auf internationaler Ebene entscheidende Tore, auf einmal war ich im Nationalteam. Da hast du keine Zeit zum Nachdenken. Das hast du einfach mitgenommen und dann war's einfach so. Aber ich hatte kein Problem damit, ich war nie nervös oder hektisch, sondern habe es einfach genossen - und das mache ich jetzt auch so."

Auch damals sei es trotzdem schon nicht so einfach gewesen, ins Aufgebot zu kommen: "Unter Constantini war ich eher noch im Mittelfeld unterwegs. Aber auch da musstest du eine gute Saison spielen, sonst hast du im Nationalteam nichts verloren. Das ist einfach so, das ist eine Grundvoraussetzung."

Entwaffnende Ehrlichkeit

Warum es dem damaligen Flügelspieler nicht gelungen ist, sich zumindest längerfristig als Kadermitglied zu etablieren? Unter Constantini sei er eine Zeit lang regelmäßig dabei gewesen:

"Meine Position war zu dieser Zeit im Nationalteam gut besetzt, da hat es halt Kurzeinsätze gegeben. Aber ich war dabei. Dann hat es Ende 2011 den Teamchef-Wechsel gegeben. Unter Marcel Koller war ich beim ersten Lehrgang noch dabei, war dann aber leider verletzt. In der Folge war es ein, zwei Mal so, dass ich von Beginn weg abgesagt habe. Als wir mit Rapid im Europacup in der Gruppenphase waren, war ich sehr müde und nicht wirklich fit. Ich war damals eben auch so ehrlich, dass ich ein paar Mal gesagt habe: Es ist gescheiter, dass er andere Spieler mitnimmt."

"Ich finde es auch unfair gegenüber anderen, wenn ich mich vielleicht hinschleppe, aber nicht meine Leistung bringe, der andere aber zu 100 Prozent fit ist. Es war immer mein Weg, dass ich so ehrlich bin und das einfach sage."

Ob er das bereut? "Gar nicht. Es ist immer schon meine Art gewesen, dass ich sehr ehrlich war. Ich denke, jeder Trainer schätzt es, wenn ein Spieler zugibt, dass er nur zu 70, 80 Prozent fit ist. Ich finde es auch unfair gegenüber anderen, wenn ich mich vielleicht hinschleppe, aber nicht meine Leistung bringe, der andere aber zu 100 Prozent fit ist. Es war immer mein Weg, dass ich so ehrlich bin und das einfach sage."

Diese entwaffnende und im Profigeschäft möglicherweise auch unübliche Ehrlichkeit wird in Kürze noch einmal Thema.

Ist Lainer fit, soll er auch spielen

Zuvor gilt es jedoch zu klären, ob er über all die Jahre stets nachvollziehen konnte, dass im Nationalteam andere den Vorzug bekamen? Trimmel war inzwischen eine Etappe zurück auf die Rechtsverteidiger-Position gewechselt, auf der zwar meist verlässliche Kräfte zur Verfügung standen, die Personaldecke bisweilen aber auch recht dünn war.

Die lapidare Antwort des 32-Jährigen: "Sicher!" Die Begründung? "Ich bin so, dass ich die Situation nüchtern betrachte. Auf meiner Position spielen junge Burschen, die Woche für Woche auf höchstem Niveau Fußball spielen und das sehr gut. Von dem her: Alles gut!"

Damit ist mutmaßlich vor allem die aktuelle Besetzung gemeint. Platzhirsch Stefan Lainer ist verletzt, für ihn wurde der Union-Legionär nachnominiert. Gegen Israel kam er für den angeschlagenen Einspringer Stefan Posch auf das Feld.

Auf Kampfansagen, sich jetzt zwingend im Kader festsetzen zu wollen, verzichtet Trimmel. Damit würde er nicht einmal spekulieren:

"Ich spekuliere nie und denke auch nicht an so etwas, weil ich realistisch bin. Auch wenn ich es gut gemacht habe: Stefan Lainer hat es zuvor so überragend gemacht, er war Stammspieler im Nationalteam. Wenn er wieder fit ist, wird er wieder zurück sein. Das ist einfach so, das hat er sich auch verdient."

Allzeit bereit

Und richtig, auch mit dem möglichen Einsatz beim Showdown in Slowenien will der Routinier nicht spekulieren: "In erster Linie wünsche ich 'Poschi', dass er fit wird - so ehrlich bin ich."

Da ist sie wieder, diese im konkreten Fall selbstlose Ehrlichkeit. Aber wenn, ja wenn er gebraucht werde, dann wolle er voll und ganz da ein: "Ich gehe immer mit der Einstellung in ein Spiel, dass ich vielleicht von Beginn zum Einsatz komme. Dann tue ich mir in meinen Abläufen leichter, zu 100 Prozent da zu sein."

Der Gedanke, allzeit bereit zu sein, wenn er gebraucht wird, hat ihn über all die Jahre auch das Nationalteam im Hinterkopf haben lassen: "Natürlich glaubt man daran, wenn man jetzt schon wieder längere Zeit auf Abruf war. Im Fußball geht es schnell. Wenn man auf Abruf ist, muss man immer davon ausgehen, dass etwas passieren kann und bereit sein. Genauso ist es, wenn man auf der Bank sitzt."

Diese Herangehensweise hat vermutlich auch geholfen, gegen Israel schnell ins Spiel und in eine Mannschaft zu finden, mit der er zuvor nur zwei Mal trainiert hat.

Zu alt für Nervosität

"In meiner Position, also auf Abruf oder auf der Bank, muss man verletzungsbedingt einschreiten. Dann muss man einfach da sein - auch das ist Qualität. Mittlerweile habe ich schon ein bisschen Erfahrung, daher war ich bereit", so Trimmel, den laut eigener Aussage keine Anspannung plagte:

"Anspannung und Aufgeregtheit - das habe ich schon längst abgelegt. Mittlerweile bin ich mit 32 in einem Alter, in dem man nicht mehr nervös ist."

"Eher Freude. Anspannung und Aufgeregtheit - das habe ich schon längst abgelegt. Mittlerweile bin ich mit 32 in einem Alter, in dem man nicht mehr nervös ist. Man freut sich eigentlich nur darauf, dass man wieder mal am Platz steht und genießt es. Ich glaube schon, dass mit den Jahren irgendwann einmal der Moment kommt, in dem man in solchen Situationen ruhiger wird."

Abgebrühtheit könnte in Ljubljana von Nöten sein. Rutscht Trimmel tatsächlich in die Startformation, würde er erstmals die Bundeshymne auf dem Platz hören, er hat nämlich auch keine Nachwuchs-Länderspiele in seiner Vita stehen.

"Das wäre wieder etwas Besonderes, aber darum geht's nicht", will er erst gar keine Emotionen aufkommen lassen, "mir ist wichtig, dass wir die Punkte holen. Noch ist nichts geschafft, also ist schon noch ein bisschen etwas zu tun. Daher geht es jetzt nicht darum, ob ich spiele oder auf der Ersatzbank sitze."

Ein Slowenien-Aufenthalt war vergangene Woche jedenfalls noch nicht geplant, in Wien wäre er jedoch so oder so gewesen: "Der Flug war schon gebucht, da wir das Wochenende von Union frei bekommen haben. Es wäre ein Heimaturlaub gewesen."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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