Die ÖFB-"Torschützenliste": Mehr Torgefahr gesucht

Die ÖFB- Foto: © GEPA
 

Nein, diese Geschichte soll nicht in erster Linie illustrieren, wie wichtig die Goalgetter-Qualitäten von Marko Arnautovic für das ÖFB-Nationalteam sind.

Das weiß man auch so. Trotzdem untermauern es folgende Zahlen noch zusätzlich.

Und dass Teamchef Franco Foda die Startelf-Rückkehr des 32-Jährigen für den Showdown gegen die Ukraine (18 Uhr im LIVE-Ticker) bereits offiziell gemacht hat, verdeutlicht zusätzlich seinen Wert.

Aber Arnautovic kann es im Normalfall nicht alleine richten, also wäre es wünschenswert, wenn auch andere ÖFB-Kicker ihren Torriecher unter Beweis stellen.

Hierbei gibt es im Schatten des 27-fachen ÖFB-Torschützen Arnautovic durchaus Nachholbedarf, wie folgende Tabelle zeigt.

Name Länderspiele Länderspiel-Tore Tore in Foda-Ära
Marko Arnautovic 89 27 11
David Alaba 83 14 3
Marcel Sabitzer 52 8 4
Louis Schaub 21 6 3
Alessandro Schöpf 26 5 3
Michael Gregoritsch 28 5 5
Martin Hinteregger 57 4 2
Sasa Kalajdzic 9 3 3
Christoph Baumgartner 12 3 3
Valentino Lazaro 32 3 3
Stefan Lainer 31 2 2
Aleksandar Dragovic 92 2 1
Konrad Laimer 11 1 1
Stefan Posch 11 1 1
Karim Onisiwo 12 1 1
Xaver Schlager 22 1 1
Florian Grillitsch 24 1 1
Julian Baumgartlinger 84 1 0

*) Noch ohne Länderspiel-Tor sind die drei Torhüter beziehungsweise Stefan Ilsanker (52 Länderspiele), Andreas Ulmer (26 Länderspiele), Christopher Trimmel und Philipp Lienhart (6 Länderspiele) und Marco Friedl (3 Länderspiele)

Spielplan der Gruppe C>>>

Tabelle der Gruppe C>>>

Das ÖFB-Team lebt eine Floskel

Diese "Torschützenliste" des aktuellen ÖFB-Kaders bringt nicht gerade eine atemberaubende Anzahl an torgefährlichen Spielern zu Tage.

Vielmehr steht sie eher für die gute, alte Floskel, wonach es egal sei, wer ein Tor erzielt. Denn wenn man es positiv sieht, wissen immerhin 18 Kadermitglieder, wie es sich anfühlt, ein Länderspiel-Tor zu erzielen.

Interessant: Starke 17 davon haben auch in der Ära von Foda (seit November 2017) schon zumindest ein Mal getroffen. Das ist ein in der Breite sehr ordentlicher Wert.

Rechnet man noch Adrian Grbic (vier Tore in neun Länderspielen haben nicht zu einer EM-Nominierung gereicht), Guido Burgstaller sowie das gegen Luxemburg erfolgreiche LASK-Duo Gernot Trauner und Philipp Wiesinger dazu, haben unter Fodas Anleitung immerhin schon 21 ÖFB-Kicker Tore bejubelt.

Weitere verlässliche Torschützen gesucht

Dies ist dann gut, wenn sich in aller Regelmäßigkeit ein eher seltener Torschütze findet. Paradebeispiel: Stefan Lainer gegen Nordmazedonien. Sein zuvor einziges Länderspiel-Tor hatte der Rechtsverteidiger übrigens ebenfalls gegen Nordmazedonien erzielt - im November 2019 in jenem Spiel, in dem Österreich fix das EURO-Ticket löste.

Dass Grbic mit seinen vier Toren in der Schützenliste der Foda-Ära jedoch den geteilten dritten Rang hinter Arnautovic (11) und Michael Gregoritsch (5) belegen würde, verdeutlicht jedoch, dass es hinter "Arnie" an verlässlichen und vor allem regelmäßigen Torschützen mangelt.

Foda ist inzwischen nämlich auch schon 37 Länderspiele lang Teamchef. Um die aktuelle Flaute (in vier der letzten fünf Länderspiele gelang kein Tor) zu beenden, gilt es daher nicht nur auf Arnautovic zu hoffen, sondern auch andere Akteure sind eingeladen, mehr Torgefahr zu entwickeln.

Es sollte übrigens ein Bestreben über diese EURO hinaus sein, zumindest zwei bis drei Spieler zu finden, die in größerer Regelmäßigkeit treffen. Auch weil Arnautovic schon zuletzt nicht mehr regelmäßig zur Verfügung stand und auch nicht jünger wird.

Es gibt Kandidaten

Kandidaten gibt es zweifelsohne. Sasa Kalajdzic hat alle Anlagen, Arnautovic als klassischen ÖFB-Goalgetter zu beerben, auch wenn es bei der EM bislang noch nicht wunschgemäß läuft. Auch Christoph Baumgartner ist mit seiner EURO noch nicht glücklich, hat aber bereits nachgewiesen, dass er weiß, wo das Tor steht.

"Im Endeffekt ist es mein Job, dass ich mit meinen Offensivkollegen dafür verantwortlich bin, dass wir zu Toren kommen. Das ist mir in den ersten beiden Spielen nicht geglückt. Ich habe mir die Latte mit meinen guten Leistungen in den ersten Länderspielen selbst sehr hoch gelegt. Aber das ist auch mein Anspruch und ich bin selbst mein größter Kritiker", weiß Baumgartner, was von ihm erwartet wird.

(Text wird nach dem Video fortgesetzt)

Marcel Sabitzer mag inzwischen eine Spur defensiver agieren, angesichts seines Könnens darf man sich aber natürlich regelmäßiger Tore wünschen als seine acht Treffer in 52 Länderspielen.

Spezialfall Alaba

Einen Spezialfall stellt David Alaba dar. Dank seiner 14 ÖFB-Tore ist der Allrounder neben Arnautovic das einzige Kadermitglied mit zweistelliger Nationalteam-Ausbeute.

Elf dieser Tore erzielte er jedoch in einer gut dreijährigen Phase zwischen Oktober 2012 und November 2015, als er vom damaligen Teamchef Marcel Koller im zentralen Mittelfeld gesetzt war.

November 2019: Alabas letztes ÖFB-Tor gegen Nordmazedonien
Foto: © GEPA

Während er auch in der Schlussphase der Amtszeit des Schweizers jeden Torriecher vermissen ließ, fand er ihn unter Foda nur zum Teil wieder. 2018 netzte Alaba in den Tests gegen Slowenien und Schweden. Sein letztes ÖFB-Tor gelang im November 2019 gegen Nordmazedonien.

Angesichts der Tatsache, dass Foda ihn zwar bei den bisherigen EM-Spielen in einer Dreierkette aufbot, davor aber mehrheitlich in offensiver Rolle am linken Flügel, ist dies nicht zufriedenstellend.

Kaum Torgefahr aus dem zentralen Mittelfeld

Gleichzeitig ist es inzwischen bereits seit längerer Zeit ein Problem, dass - mit Ausnahme besagter Alaba-Phase - das zentrale Mittelfeld im Nationalteam wenig bis gar keine Torgefahr ausstrahlt.

So hoch der Konkurrenzkampf auf dieser Position ist und so wichtig Xaver Schlager, Konrad Laimer oder Florian Grillitsch für das ÖFB-Spiel sein mögen, beim Abschluss haben sie Luft nach oben.

Alle drei haben nur ein Länderspiel-Tor zu Buche stehen. Über diese Ausbeute kam auch Kapitän Julian Baumgartlinger bisher nicht hinaus.

Könnte man aus der Schaltzentrale mehr und regelmäßiger Treffer einkalkulieren, würde dies auf jeden Fall ein Upgrade bedeuten.

Kaum frühe Tore

Eine weitere Auffälligkeit dieser Schützenliste: Mit Louis Schaub (6 Tore) und Alessandro Schöpf (5) stehen zwei Flügel-Optionen, die bisher bei der EM noch keine Rolle gespielt haben, verhältnismäßig gar nicht so schlecht da.

Generell sah die Lage auf den Flügeln noch vor zwei, drei Jahren hoffnungsfroher aus als derzeit. Bis auf Baumgartner, der sich jedoch auch zentral wohl fühl, drängt sich niemand nachhaltig auf. Der momentan verletzte Valentino Lazaro hatte lange einen Stammplatz, aber bislang drei ÖFB-Tore sind keine Ausbeute, mit der er zufrieden sein darf.

"Das Ukraine-Spiel ist wieder eine Chance zu zeigen, was ich drauf habe. Aber im Endeffekt ist es mehr oder weniger scheißegal, wer das Tor macht, so lange wir gewinnen."

Christoph Baumgartner

Nicht zufrieden sind viele ÖFB-Fans bekanntlich auch mit der Spielweise unter Foda. Ein Problem ist fraglos, dass Rot-Weiß-Rot vor der Pause nicht für ein Feuerwerk steht.

Seit dem Ende der Corona-Zwangspause im Herbst 2020 bestritt Österreich 15 Länderspiele. Vor der Pause gelangen dabei gerade einmal sechs Tore (drei davon gegen die Färöer), nach dem Seitenwechsel immerhin 15 (drei davon in Luxemburg).

Der Verdacht, dass das ÖFB-Team erst dann aufdreht, wenn es mit dem Rücken zur Wand steht, besteht durchaus, denn nur zur Erinnerung: Gegen die Färöer geriet man recht früh in Rückstand.

Ein Eigentor zählt genauso

Im Gruppen-Showdown gegen die Ukraine werden logischerweise viele Augen auf die Offensivbesetzung gerichtet sein. Bekommt Arnautovic gar Kalajdzic zur Seite gestellt? Eine Option, die viele Befürworter hat. Oder bekommt Karim Onisiwo eine Chance? Oder die bisher Trefferlosen wie Baumgartner eine weitere?

Fest steht, dass es darum geht, wie von Laimer gefordert, die gegnerische Abwehr vor Aufgaben zu stellen. Und letztlich natürlich zu treffen.

Denn: "Wir wollen gewinnen und dazu benötigt es Tore", unterstreicht Foda. Und ja, in dieser Partie wäre es auch tatsächlich egal, wer trifft.

Oder wie es Baumgartner formuliert: "Das Ukraine-Spiel ist wieder eine Chance zu zeigen, was ich drauf habe. Aber im Endeffekt ist es mehr oder weniger scheißegal, wer das Tor macht, so lange wir gewinnen. Dann ist mir auch wurscht, wenn ich überhaupt nicht spiele. Und wenn's ein Eigentor ist, zählt's genauso!"

Auch solche gab es in der Foda-Ära schon. Drei Mal jubelte das ÖFB-Team über Eigentore des Kontrahenten.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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