Appell von Junuzovic an die Jungen: "Traut euch!"

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Mit oder ohne Zlatko Junuzovic?

In zwei Wochen startet das ÖFB-Team in die Vorbereitung auf die EM-Qualifikations-Spiele gegen Slowenien und Nordmazedonien, in denen Rot-Weiß-Rot nach den beiden Auftakt-Niederlagen bereits mit dem Rücken zur Wand steht. Kommende Woche wird Franco Foda seinen Kader dafür bekanntgeben.

Bei "Sky" kündigte der Teamchef vergangene Woche an, dass er "mit Zladdi ein Telefongespräch führen" werde.

Stattgefunden hat dieses Telefonat laut Junuzovic noch nicht. Die Frage ist ohnehin, ob es sich lohnt, mit dem 55-fachen Internationalen über einen Rücktritt vom Rücktritt zu sprechen.

"Wenn der Teamchef sich meldet, werde ich abheben und mit ihm reden", erklärt der 31-Jährige, in dem der Gedanke an eine ÖFB-Rückkehr ambivalente Gefühle auszulösen scheint.

Die Situation von Junuzovic hat sich geändert

Kalt lässt den langjährigen Stammspieler das Nationalteam nach wie vor nicht, dies sollte in weiterer Folge dieses Textes deutlich werden.

Aber zuerst gilt es wohl die aktuelle, persönliche Haltung des Red-Bull-Salzburg-Kickers zu einem Comeback zu klären. Diesbezüglich schien die Türe zumindest schon einmal weiter zu gewesen zu sein.

Vor eineinhalb Jahren erklärte der damalige Legionär bei Werder Bremen mit dem Ende der Teamchef-Ära von Marcel Koller seinen Rücktritt. Der Jungpapa wollte in erster Linie mehr Zeit für die Familie haben. Eine Rolle spielte wohl auch, dass den Mittelfeldspieler damals immer wieder langwierige Wehwehchen plagten.

"Bei mir hat sich vieles verändert, was die Lebenssituation betrifft. Ich bin in Österreich, bin mit meiner Familie in Salzburg glücklich, körperlich geht es mir überragend, ich habe keine Schmerzen", erklärt Junuzovic, lehnt es jedoch weiterhin ab, sich für das ÖFB-Team aufzudrängen.

Nicht immer nur draufdreschen

"Keine Ahnung, ich kann es nicht sagen", meint der Routinier und startet gleichzeitig einen Monolog über den Status quo des Nationalteams.

"Wenn man nur draufdrückt und draufdrischt - von außen, von der Öffentlichkeit - wenn viele Themen, Kleinigkeiten, einfach so groß gemacht werden, dann führt das immer wieder zu Verunsicherung, und es entsteht ein gewisses Klima. Und das brauchen wir nicht."

"Wir sind gut aufgestellt, wir haben gute Jungs, die sich entwickeln werden, und da muss man jetzt einfach auch ein bisschen geduldig sein und nicht immer alles so extrem schlecht reden. Das ist generell so, auch was das Rundherum in der Bundesliga betrifft: Es wird einfach zu vieles gleich schlecht geredet und klein gemacht. Das müssen wir nicht! Wir können es durchwegs auch positiv darstellen. Und das Gleiche gilt auch für das Nationalteam. Sicher, der Start war jetzt bitter, darüber brauchen wir nicht diskutieren. Aber das wissen die Spieler selbst, die Funktionäre auch."

"Aber daran muss man arbeiten, man muss einen Weg schaffen, denn man hat viel Entwicklungspotenzial. Deswegen muss man diesen Weg schaffen, aber das kommt nicht von heute auf morgen. Das Klima, die Atmosphäre im Team, diesen Zusammenhalt - das muss man auch auf dem Platz spüren, aber das muss sich erst festigen. Es sind viele neue und junge Spieler dazugekommen, die auf jeden Fall viel Qualität haben. Denen muss man einfach Zeit geben."

"Aber wenn man nur draufdrückt und draufdrischt - von außen, von der Öffentlichkeit - wenn viele Themen, Kleinigkeiten, einfach so groß gemacht werden, dann führt das immer wieder zu Verunsicherung, und es entsteht ein gewisses Klima. Und das brauchen wir nicht - so lange alles möglich ist, klarerweise."

Mangel an Führungsspielern

Bei diesem Klima, bei dieser Verunsicherung.

Hier sind wir am Punkt, bei dem ein Routinier wie Junuzovic helfen könnte, egal ob er selbst es gerne hört oder nicht, egal ob Foda es gerne hört oder nicht, egal ob manch andere Spieler es gerne hören oder nicht.

Der Mangel an Führungsspielern, die in der externen wie internen Kommunikation Verantwortung übernehmen, ist offenkundig. Das weiß auch der Teamchef, der in diesem Jahr bereits mehrfach einige Mitglieder der "next Generation" aufgefordert hat, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Neben Junuzovic hat das ÖFB-Team binnen kurzer Zeit diverse meinungsstarke Persönlichkeiten verloren, etwa Martin Harnik, Christian Fuchs und Robert Almer. Marc Janko wurde zuletzt als Standby-Nationalspieler reaktiviert. Sebastian Prödl hat auf Vereinsebene eine schwere Saison hinter sich, auf seine Leaderqualitäten konnte und wollte Foda beim letzten Lehrgang dennoch nicht verzichten, obwohl ein Einsatz nicht geplant war.

Seine Meinung sagen, zu seiner Meinung stehen

Viele auch abseits des Platzes strategisch denkende Kadermitglieder gibt es somit nicht mehr, vieles bleibt an Kapitän Julian Baumgartlinger hängen. Marko Arnautovic ist auf seine Art und Weise ein Leader, vor allem auf dem Platz. David Alaba ist nach wie vor nicht der große Kommunikator nach außen. Aleksandar Dragovic und Martin Hinteregger punkten mit ihrer ÖFB-Routine, treffen aber auch eher selten strategische Ansagen.

"Es muss natürlich respektvoller Umgang herrschen, das ist ganz wichtig zwischen den Spielern. Aber: Jeder muss auch seine Meinung sagen, sich einbringen und Verantwortung übernehmen. Das können nicht nur ein, zwei Spieler machen."

An klaren Führungsspielern ist man definitiv nicht so breit aufgestellt wie noch vor zwei, drei Jahren, auch weil kaum Häuptlinge nachrücken. Auch wenn Junuzovic für Geduld plädiert, hat das Nationalteam in dieser Quali nach dem Fehlstart in Wahrheit nicht die Zeit, potenzielle Führungskräfte in Ruhe reifen zu lassen.

"Das ist eine Entwicklung, die die jungen Spieler gehen müssen. Ich habe auch mit ein paar Spielern hier bei Salzburg geredet. Es ist einfach wichtig, dass man seine Meinung sagt und auch zu seiner Meinung steht", ortet auch Junuzovic diesbezüglich ein gewisses Manko im Nationalteam.

"Ob im Spiel an sich, aber auch innerhalb der Mannschaft, im Training, meinetwegen auch im Bus, wenn man zum Training fährt - es muss natürlich respektvoller Umgang herrschen, das ist ganz wichtig zwischen den Spielern. Aber: Jeder muss auch seine Meinung sagen, sich einbringen und Verantwortung übernehmen. Das können nicht nur ein, zwei Spieler machen. Sicher, wenn es hart auf hart kommt und größere Situationen zu bereden sind, dann okay. Aber generell ist es für die Entwicklung einer Mannschaft einfach wichtig, dass du viel mehr Sprachrohre hast, dass sie sich einbringen und dass du ein Team bist."

Die Jungen müssen sich trauen

Junuzovic kann die Kritik nachvollziehen, dass momentan diesbezüglich vieles an Baumgartlinger hängen bleibt. "Es ist natürlich wichtig, dass es diese Führungsspieler wie Jules gibt - und er bringt sich ein, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt, weil ich ihn einfach kenne", lacht der 31-Jährige und wünscht sich:

"Es ist aber auch wichtig, dass sich die Jungen trauen! Auch wenn es vielleicht nicht zu 100 Prozent passt, muss man einfach einmal diesen Schritt nach vorne machen. Irgendwann beginnt es immer."

"Es ist aber auch wichtig, dass sich die Jungen trauen! Auch wenn es vielleicht nicht zu 100 Prozent passt, muss man einfach einmal diesen Schritt nach vorne machen. Irgendwann beginnt es immer."

Wenngleich Junuzovic auch betont, dass es nicht jedermanns Sache ist, ein Häuptling zu sein: "Es gibt verschiedene Spieler, jeder ist individuell gestrickt. Manche sind ein bisschen leiser, manche sind ein bisschen lauter. Manche wollen sich eben nicht zu viel einmischen, weil sie den Fokus eher auf sich selbst haben. Wie genau jetzt die Atmosphäre innerhalb des Teams ist, kann ich nicht sagen. Das ist von außen schwierig. Ich höre ein bisschen etwas, aber es ist schwierig, wenn man nicht in der Situation dabei ist."

Wer Verantwortung übernimmt, tritt am Platz anders auf

Junuzovic' Appell an die nachrückende Generation, mehr Verantwortung zu übernehmen, soll natürlich vor allem auch einen Effekt haben - eine bessere und konstantere Leistung auf dem Platz. Ganz nach dem Motto: Wer sich mehr einbringt, spielt auch besser.

Junuzovic: "Die Entwicklung findet anders statt, du trittst am Platz anders auf, du hast einfach ein bisschen eine breitere Brust, weil du einfach DRIN bist im Team. Du kannst deine Meinung sagen - das gibt dir ja auch Sicherheit, weil du einfach eine gewisse Verantwortung spürst. Und dann fühlst du dich auch wohler im Team, weil du weißt: Ja, ich kann etwas sagen und es wird auch aufgenommen. Man muss natürlich nicht immer alles umsetzen, aber man kann darüber reden. Jeder soll seine Meinung sagen, und als Team findet man eine Lösung und probiert es auch auf dem Platz umzusetzen. Das ist das, was ein Team ausmacht."

Dass dies das ÖFB-Team zuletzt zu wenig ausgemacht hat, wurde in den letzten Spielen offenkundig.

Textquelle: © LAOLA1.at

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