Wenn es einen Kritikpunkt gab, dann, dass im eigenen Ballbesitz oftmals die Ruhe fehlte und deshalb nicht immer die richtige Entscheidung getroffen wurde. Der letzte Ball landete ebenfalls nicht immer dort, wo ihn Rangnick gerne gesehen hätte, um noch mehr Gefahr zu verursachen.
Die Tatsache, dass auf neun Positionen rotiert wurde, trug sicherlich ihren Teil dazu bei. Generell strotzte aber die neu formierte Startelf vor Engagement, Einsatz und mannschaftlicher Entschlossenheit.
Matchbälle vergeben, "Punkt wäre mehr als verdient gewesen"
Obwohl der Start diesmal nicht wie in den ersten 30 Minuten gegen Kroatien verschlafen wurde, sorgten die Einwechslungen in der Pause für frischen Wind. Mit Marko Arnautovic bei seinem 100. Länderspieleinsatz, Michael Gregoritsch und Marcel Sabitzer wurden alle drei Torschützen von Osijek zur Halbzeit eingetauscht.
Vor allem der Bologna-Legionär brachte viel Schwung. "Ein Punkt wäre mehr als verdient gewesen. Wir haben auch in der einen oder anderen Szene Matchball gehabt. Wenn Marko den Ball drei Zentimeter weiter rechts schießt, wären wir mit 2:1 in Führung gegangen. Dann wäre die Chance mit dem Rückenwind des Tores groß gewesen, dass wir das Spiel gewonnen hätten."
Auch in der ersten Halbzeit habe Österreich laut Rangnick bereits "drei Hundertprozentige" vorgefunden, davon hätten der Stangenschuss von Kalajdzic sowie die Chance von Laimer, bei denen auf Abseits entschieden wurde, nach VAR-Studium zählen müssen.
"Mit den Wechseln in der zweiten Halbzeit wurde der Druck noch einmal größer. Wir haben den Gegner dann richtig hinten reingedrückt und hatten genug Möglichkeiten. Auch nach dem 1:2 hatten wir noch zwei Riesenmöglichkeiten durch Gregoritsch und Danso. Vielleicht hat auch ein bisschen das Quäntchen Glück gefehlt."
"Das ist nicht selbstverständlich"
Das Glück ist bekanntlich ein Vogerl und das Letzte, worauf sich ein Fußball-Fachmann wie Rangnick verlässt oder ausredet. Deshalb freut er sich viel mehr, was er bereits in kürzester Zeit und in zwei Spielen bewirkt hat.
"Ich kann den Jungs nur ein Kompliment machen. Was wir ingesamt an Power auf den Platz gebracht haben am Ende dieser Saison, ist nicht selbstverständlich. Wenn wir so weitermachen und trotzdem im Detail noch präziser spielen, bin ich sehr zuversichtlich für die nächsten Spiele", blickt Rangnick schon wieder in die Zukunft.
Dieser heißt am Freitag Frankreich, Weltmeister Frankreich. Das Team von Didier Deschamps startete jedoch mit lediglich einem Punkt aus zwei Spielen in die Nations League, während Dänemark nach dem großen Coup gegen die Equipe Tricolore und nun gegen Österreich bereits sechs Punkte auf dem Konto hat.
Auch vor dem dritten Gruppenspiel wird es wieder darum gehen, eine frische, ausgeruhte Elf zusammenzustellen, die den Erwartungen gerecht wird. Der Tank und Akku müsse für die nächsten Spiele wieder voll sein, zudem erwarte sich Rangnick noch mehr Mut von anderen Spielern als zum Beispiel David Alaba, der sich im Abwehrzentrum und im Spielaufbau schon richtig gut eingefügt hatte.
"Eigentliche Belohnung wäre schon schön gewesen"
Unterhaltsam sollen die Spiele des ÖFB-Teams sein - das kündigte der Neo-Teamchef zumindest bei seiner Antritts-Pressekonferenz an. Im ersten Heimspiel wurden auch die heimischen Fans erstmals Zeuge der neuen Herangehensweise.
"Ich finde, dass es selten langweilig war. Es war nicht immer fehlerfrei, wir hatten schon auch kleine Phasen, wo wir nicht mehr die ganze Kontrolle hatten. Aber das ist auch nicht so einfach gegen einen Gegner wie Dänemark, wie der sich in den letzten Jahren entwickelt hat", gesteht Rangnick.
"Ich finde, dass es sehr unterhaltsam war, aber am Ende fühlt es sich trotzdem nicht so gut an. Wenn ich mir überlege, wie viel wir auch im Trainerstab die letzten Tage investiert haben, dann wäre die eigentliche Belohnung mit einem oder sogar drei Punkten schon schön gewesen. Wir hätten es verdient gehabt, aber wir müssen schauen, dass wir solche Spiele in Zukunft, wenn es Spitz auf Knopf steht nach dem 1:1, zu uns rüberziehen."
Wichtig war Rangnick jedoch von Tag eins an auch Kontrolle, die gegen Dänemark schon sichtbar war. Die Leistungen geben Auftrieb, bereits im zweiten Spiel wurden die Schlüsse aus dem Auftakt gezogen. Die Mannschaft zeigt sich lernfähig. Die kleinen Details werden nach und nach dazukommen, auch die Ergebnisse.