Er ist da, er unterstützt die Mannschaft, ist das Bindeglied zwischen Spielern und Trainerteam. Christoph Baumgartner tut, trotz seiner Verletzung, was er kann. Nur eines kann er eben nicht: am Platz stehen und Fußballspielen.
Und genau das war in allen drei Spielen offensichtlich. Die Kreativität, Ballsicherheit und Dynamik des Leipzig-Legionärs fehlen dem ÖFB-Team.
Ralf Rangnick hat es mit Konrad Laimer, Paul Wanner und Romano Schmid als Ersatz probiert – alle drei sind andere Spielertypen, alle drei haben ihre Sache nicht schlecht gemacht, doch der X-Factor waren sie eben nicht.
Das liegt daran, dass sie das für Österreichs Spiel so wichtige Gesamtpaket Baumgartners alle nur zum Teil abdecken – Pressingauslöser, Dribbler, Torschütze, Kreativgeist.
Zu wenige Torchancen
Dass das ÖFB-Team bei dieser Weltmeisterschaft bisher sehr wenig Torgefahr ausgestrahlt hat, ist auch, aber nicht nur, mit Baumgartners Fehlen zu begründen.
Sechs Tore in drei Spielen, ein Schnitt von zwei Treffern pro Partie. Das ist nicht schlecht.
Ernüchternder ist dann schon ein Blick auf den xG-Wert, der die Qualität der Torchancen bewertet. Statistisch waren vom ÖFB-Team nämlich nur 3,62 Tore zu erwarten (1,93 gegen Jordanien, 0,63 gegen Argentinien, 1,06 gegen Algerien) – und davon machen 0,75 der Arnautovic-Elfer beim Auftaktspiel aus.
Der Rangnick-Elf fehlt in diesem Turnier bisher eindeutig noch der Mut.
In der Defensive nicht sattelfest
Sechs Gegentore in drei Spielen, keine Zu-null-Partie. Auch das ist wenig berauschend, wäre aber auch nicht weiter beunruhigend.
Wenn da nicht der Umstand wäre, dass mehr als die Hälfte völlig vermeidbar waren. Die drei Gegentreffer beim Abschluss gegen Algerien waren entweder individuellem (Tore 1 und 2) oder kollektivem (Tor 3) Versagen geschuldet.
Das zweite argentinische Tor darf in der Nachspielzeit so nie und nimmer passieren. Und auch der erste Treffer der Argentinier wäre zu verhindern gewesen, wenn sich jemand bemüßigt gefühlt hätte, Lionel Messi durchs Mittelfeld joggend zu begleiten.
Wer auf dieser Bühne reüssieren will, muss konsequenter und konzentrierter sein.
Keine Tormann-Diskussion
Kaum eine Position hat über Wochen und Monate hinweg unter den Fans des ÖFB-Teams für so viele Diskussionen gesorgt wie jene im Tor.
Um es diplomatisch auszudrücken: Hätte es vor der WM eine Volksabstimmung gegeben, wäre Alexander Schlager wohl nicht mit einer absoluten Mehrheit aus dieser herausgegangen.
Doch Ralf Rangnick beendete die Debatte schon nach dem finalen Testspiel Anfang Juni. Die ersten drei Spiele haben ihm Recht gegeben.
"Gassi" legt bisher eine saubere Endrunde hin, ist ein sicherer Rückhalt.
Am besten gegen die Besten
Dass dem ÖFB-Team vermeintlich übermächtige Gegner am meisten liegen, ist keine neue Erkenntnis in der Ära Rangnick.
Die Gruppenphase hat das einmal mehr bewiesen. Die beste Leistung haben David Alaba und Co. gegen Weltmeister Argentinien abgeliefert.
Zwar hat es am Ende nicht zur Sensation gereicht. Aber den Österreichern sollte nach diesen 90 Minuten gegen den Weltranglisten-Ersten gedämmert sein, dass mit konsequentem Pressing und Mut im Spiel nach vorne etwas gehen könnte.
Vielleicht nur in einem von zehn solchen Spielen, aber immerhin. Das macht Hoffnung für das Duell mit Spanien.