Wenn Vini mit dem Benz vorfährt

Wenn Vini mit dem Benz vorfährt Foto: © GEPA
 

Wenn Vini mit dem Benz vorfährt...

...dann gibt es für die gegnerischen Abwehrreihen aktuell nur wenig zu lachen. Die Rede ist von Reals Power-Angriff Vinicius Junior und Karim Benzema - viel unterschiedlicher könnte ein Stürmer-Duo nicht sein.

Doch Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Trotz des Altersunterschieds von 13 Jahren - dem Brasilianer gehört mit 21 Jahren die Zukunft, der Franzose denkt auch mit 34 Jahren noch nicht ans Aufhören - harmoniert diese Beziehung auf allen Linien. Und soll dies auch im Clasico gegen den FC Barcelona im Supercopa-Halbfinale in Saudi Arabien (Mittwoch, ab 20 Uhr im LIVE-Ticker).

Auf der einen Seite der mit Vorschusslorbeeren überhäufte Jungstar Vinicius Jr., der mit dem Druck erst umzugehen lernen musste und nun eine Talent-Explosion hinlegt. Auf der anderen Seite Altmeister Benzema, der zwischenzeitlich schon abgeschrieben wurde, oftmals im Schatten von Cristiano Ronaldo und Co. stand, doch bei Real Madrid längst die erste Geige spielt.

Zusammen zeichnen die beiden spektakulären Stürmer-Typen für insgesamt 36 Pflichtspieltore in der bisherigen Saison 2021/22 verantwortlich, trugen zusätzlich mit 17 Assists zum Wohl ihres Herzensklubs bei. Zum Vergleich: Der FC Barcelona kommt 2021/22 bisher auf nur 35 Pflichtspieltreffer. In dieser Saison legten sich die Sturm-Partner bereits 10 Pflichtspiel-Tore gegenseitig auf - sechs Mal Vinicius auf Benzema, vier Mal umgekehrt.

Benzema ist mittlerweile seit zwölfeinhalb Jahren nicht bei den Königlichen wegzudenken. Vinicus Jr., mittlerweile auch schon drei Jahre bei den Merengues, unterstrich erst beim 4:1 gegen Valencia mit einem Kuss auf das Wappen seine Vereinsverbundenheit - und übersprang akrobatisch ein am Boden liegendes Transparent mit dem Real-Logo, um dieses nicht mit Füßen zu treten.

Benzema-Rekordjagd unter Radar der individuellen Auszeichnungen

Benzema genießt derzeit seinen x-ten Frühling in der spanischen Metropole. Oftmals lief er unter dem Radar, im Schatten von früher Raul bis hin zu Ronaldo. Aufgrund seiner Torkrise wurde er 2018 sogar ausgepfiffen, sein Abgang wurde öffentlich gefordert, seine Zukunft mehr als nur in Frage gestellt. Doch sein Verbleib trägt nun Früchte.

Der Routinier hat noch einmal so richtig eingeschlagen. Seit CR7 Real 2018 verließ, ist "Benz" der Boss in der Offensive und bricht Rekorde. Mit 584 Spielen im weißen Trikot hat er sich schon im vergangenen Jahr zum Legionär mit den meisten Einsätzen für Real gemausert und Roberto Carlos (527 Spiele) überholt. Mit seinem Doppelpack beim 4:1 gegen Valencia übertraf er die 300-Tore-Marke für die Madrilenen. Nur Raul (324 Treffer), der noch in Reichweite ist, und Ronaldo (450) haben öfters für Real getroffen.

Zudem war er im Kalenderjahr 2021 der einzige Spieler in den Top-Ligen mit mehr als 30 Toren und 10 Assists (insgesamt 35 Tore, 11 Assists) - auch wenn ihn hier Robert Lewandoski mit 47 Jahres-Toren klar aussticht, hat dieser nur sieben Mal für einen anderen Torschützen aufgelegt. Trotzdem fliegt er oft unter dem Radar, wurde bei der Wahl zum Ballon d'Or nur Vierter und steht auch in der Weltfußballerwahl nicht im Finale der Top 3 - doch seine aktuelle Verfassung und der Teamerfolg werden ihn über individuelle Auszeichnungen hinwegtrösten.


VIDEO - Benzemas Tor gegen Barcelona im Supercopa-Clasico 2017


In der aktuellen Saison hält er bereits bei 22 Volltreffern und acht Assists in 25 Pflichtspielen - eine brillante Quote. Eine der wohl größten Errungenschaften aus persönlicher Sicht war wohl die Rückkehr ins französische Nationalteam vor der EURO 2021, nachdem er jahrelang nach der Erpressungsaffäre um Mathieu Valbuena ausgeschlossen wurde. Seit seiner Pardonierung im Juni 2021 hat er mit neun Treffern und zwei Assists in 13 Spielen auch seinen Wert für die Equipe Tricolore längst wieder unterstrichen.

Blindes Verständnis im Tandem der Generationen

Nationalteam-Kollege Kylian Mbappe schwärmt vom Real-Profi, möglicherweise sind beide ja schon in absehbarer Zukunft sogar Teamkollegen in der spanischen Hauptstadt.

"Er verdient sich alles, was er erlebt. Er ist ein großartiger Spieler und hat in der Geschichte von Real Madrid seine Spuren hinterlassen", zeigte der 23-Jährige erst vor kurzem beim TV-Sender "TF1" großen Respekt vor Benzema. "Er ist in die französische Nationalmannschaft zurückgekehrt und erreicht großartige Dinge. Wir freuen uns alle, ihn wieder zu haben", so Mbappe.

Vor allem merkt man dem robusten Angreifer eines besonders an - die wiedergewonnene Freude am Spiel. Darauf basiert auch das blinde Verständnis zwischen ihm und Vinicius Junior im Tandem der Generationen, gleichzeitig kann der Jungspund noch einiges vom erfahrenen Vollblutstürmer lernen. Weshalb vielerorts bereits gemunkelt wird, dass aufgrund dessen eine Verpflichtung von Mbappe nicht mehr höchste Priorität habe, weil das Werk'l aktuell läuft.

Benzema und Vinicius im Torrausch
Foto: © getty

Dass der Samba-Kicker nach seinem Wechsel mit 18 Jahren von Flamengo Rio de Janeiro Anlaufzeit bei seiner ersten Europa-Station brauchen würde, war vorauszusehen. Das große Talent sah man schon früh, vor allem im Eins-gegen-Eins hat der quirlige Dribblanski einiges zu bieten. Das Manko bisher: die Chancenverwertung.

Vinicius junior ist nicht aufzuhalten

Diese Kaltschnäuzigkeit legt er aber in dieser Saison beim Tabellenführer in La Liga an den Tag. In 26 Pflichtspielen netzte er bereits 14 Mal und bereitete neun Treffer vor - eine Quote, von der er im Vorjahr nur träumen konnte (6 Tore, 7 Assists in 49 Spielen).

Für Erfolgstrainer Carlo Ancelotti ist Vinicius Junior ein wichtiger Baustein in der Mischung zwischen Jung und Alt im Real-Konstrukt und vor allem einer, der unberechenbar ist. Erst kürzlich versuchte er, die Entwicklung des Brasilianers in der "AS" zu erklären:

"Vinicus hat sich verbessert, weil er die Dinge mit weniger Hektik als davor macht. Er hat sich speziell darin verbessert, dass er eine Pause in wichtigen Momenten jedes Spielzugs macht", spricht der Italiener die neu gewonnene Ruhe in den entscheidenden Situationen an.

"Vini weiß, wie er die schwierigen Dinge macht, scheiterte aber an den einfachen. Nun nimmt er sich mehr Zeit für die einfachen Dinge und es funktioniert gut für ihn." Trotzdem sieht Ancelotti auch bei Vinicius Junior noch viel Luft nach oben.

Vinicius "Most Valuable Footballer" vor Foden und Haaland

Mit gerade einmal 21 Jahren sehen viele in ihm den kommenden Superstar. Vom CIES Football Observatory, das einen eigenen Algorithmus entwickelt hat, wird Vinicus Junior als "Most Valuable Footballer" eingestuft.

In dieser Berechnung wird er anhand der laufenden Vertragszeit und anderen Komponenten als teuerster Spieler mit einer geschätzten Transfersumme von 166,4 Millionen Euro eingestuft und verweist Phil Foden (127 Mio.) und Erling Haaland (119 Mio.) auf die Plätze.

Noch in diesem Frühjahr soll sein ohnehin noch bis 2024 laufender Vertrag bei Real verlängert werden. "Vinicius hat fantastischen Speed und Talent. Ich habe noch nie einen Spieler mit diesen Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins gesehen", frohlockte sogar Ancelotti, der schon eine Menge Weltstarts, unter anderem CR7 trainiert hat.

Gleichzeitig bescheinigt er ihm noch Verbesserungspotenzial im Spiel ohne Ball, in zu attackierenden Räumen und beim Schießen. Bei all den großen Namen in der Vergangenheit hätte Vinicius Junior wohl einen schwierigeren Einstand gehabt. Seine Chance hat er nun aber genützt.

Benzema: "Ich fühle mich immer gut mit Vinicius"

Das Traumduo Benzema und Vinicius Junior ist mittlerweile gefürchtet. In La Liga konnte sich Real einen 5-Punkte-Vorsprung herausspielen, in der Champions League trifft man im Achtelfinale auf Paris St. Germain.

Nach dem Durchhänger im vergangen Jahr präsentieren sich die Spanier wieder angriffslustig - auch dank der neu gefundenen Symbiose im Angriff. Auch Benzema selbst gefällt die Art und Weise, wie er mit seinem Nebenspieler agiert:

"Die Zahlen von Vinícius und mir sind sehr wichtig. Wenn wir der Mannschaft mit Toren und Vorlagen helfen können, dann tun wir das in jeder Partie. Ich fühle mich immer gut mit Vinícius. Ich bin da, um ihm zu helfen, denn ich kenne sein Potential und er kann es noch weiter schaffen. Er ist fantastisch und hilft uns sehr."

Die eingangs erwähnten 10 Pflichtspiel-Tore - sechs Mal Vinicius auf Benzema, vier Mal umgekehrt - die sie sich gegenseitig aufgelegt haben, sprechen eine klare Sprache für das uneigennützige Zusammenspiel an vorderster Front. Mit jeweils einem Doppelpack gegen Valencia haben zudem beide Spieler bewiesen, dass sie ihre Top-Form über den Jahreswechsel konserviert haben. Die entscheidende Phase inklusive Titel-Entscheidungen steht aber erst im Frühjahr bevor - wenn Vini auch weiter mit dem Benz vorfährt, stehen Reals Chancen deutlich höher.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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